Monday, March 31, 2008

Don't fence me in

Heute haben die Zaun-Leute uns endlich gefunden! Nachdem sie letzten Montag bei der falschen Adresse in der Lane waren (wir wohnen im Drive, siehe unten) und am Freitag der Truck mit dem Material zusammengebrochen ist, hat es heute nun endlich geklappt.

Wir mussten die Lücke im Zaun, die wegen des Seeblicks offengelassen wurde als das Haus gebaut worden ist, dringend schließen. Unsere Kinder sind furchtlos und abenteuerlustig und wie man hier sagt "better safe than sorry". Zwar ist der Seeblick jetzt nicht mehr ganz so toll aber wir können beruhigt die Kids draussen spielen lassen. Der Zaun ist übrigens handgemacht. Die beiden Handwerker haben Latten zurechtgesägt, alles genau ausgemessen und mitgedacht. Nicht alles hier ist Plastik und husch-husch, es gibt durchaus auch noch richtige individuelle Wertarbeit. Weil es den beiden so viel Spaß gemacht hat und es einfach besser aussieht, haben sie uns kostenlos einen stufenartigen Übergang zum Originalzaun gemacht, obwohl es nicht auf ihrem Arbeitsauftrag stand -toll. Und jetzt warten wir noch darauf, dass der Vorsitzende des Siedlungsvereins vorbei kommt und den Zaun streicht - hat er bei einem Freund getan, als der seinen Zaun erweitert hat. So ist das hier eben - die Leute sind einfach grundsätzlich freundlich, entgegenkommend und hilfsbereit. Da fühlt man sich als Deutscher schon manchmal fremd ...
















Vorher ...
















... Nachher

Keep paddling ... I hear Banjos!

Die Huntsville-Madison Metropole ist ein boomendes gemeinwesen. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist die Einwohnerzahl von gut 120.00 auf über 200.00 Einwohner gestiegen. Dementsprechend ist auch die bebaute Fläche immer größer geworden. Neue Einkaufszentren, Massensiedlungen, Hotelpaläste und Straßen sind entstanden, wo früher einmal unberührte Natur war. Hier baut man eben nicht in die Höhe sondern in die Breite - der Platz ist ja da. Aber es gibt inmitten der Betonwüste tatsächlich auch hier noch kleine Oasen, um die irgendwie herumgebaut wurde, die man bei der Betonierungsorgie vergessen hat.

Solch ein kleines Fleckchen fast unberührter Natur mitten in Huntsville ist die erklärte Lieblingstelle meiner Frau. Man kann dort nicht spazieren gehen oder auch nur aus dem Auto steigen und den Anblick genießen. Das Stückchen Bilderbuch-Alabama wird begrenzt von zwei Schnellstraßen und liegt eingebettet in der langgezogenen Auffahrt von der einen zur anderen. Man kann es für ein paar Sekunden betrachten wenn man die Auffahrt entlang fährt. Ganz früh an einem Sonntagmorgen, wenn der Verkehr der Kirchenbesucher noch nicht eingesetzt hat, kann man mit ein bischen Glück ein paar ruhige Minuten dort verbringen. Und ein Foto machen, das es so in ein paar Jahren vielleicht schon nicht mehr geben wird, wenn sie wieder Land für eine Fahrbahnerweiterung brauchen.

Drive Lane Court

Eines Samstagsmorgens wachen wir durch einen infernalischen Lärm auf. Als ob einer eine Brücke abreißen würde. Ein schneller verschlafener Blick durch die Jalousie bringt auch keine Aufklärung. Vor unserem Haus steht ein Wagen der Firma Terminix - aber die rücken ihren kleinen, meist omnipedalen Arbeitsplatzbeschaffern gewöhnlich mit der chemischen Keule zu Leibe und nicht mit schwerem mechanischen Gerät. Also schnell ein paar Klamotten übergeworfen, den großen Zeh am Spielyeug der Kinder gestoßen und fluchenderweise die Treppe runtergehumpelt. Haustür auf, ein angestrengter Terminixmann mit einem Riesenbohrer in der Hand steht mit fragendem Blick vor zwei frischen Löchern, die er gerade in die Betonplatte vor unserem Eingang gebohrt hat. Meine Frage, was er hier denn tue und überhaupt, wie er dazu komme so einfach unseren Beton zu durchlöchern, so quasi mitten in der Nacht am frühen Samstagmorgen, versteht er nicht. Mein perplexer Gesichtsausdruck muß ihm dann aber wohl den entscheidenden Hinweis gegeben haben, dass hier irgendetwas nicht stimmen mochte. Er zog einen Zettel aus der Tasche, der sich bei genauerer Inspektion als Arbeitsauftrag entpuppte. Der bisherige Todesstreifen rund ums Haus sollte von Trockenködern auf Flüssiggift umgestellt werden - viel effektiver und garantiert nicht gesundheitsschädlich. Dumm nur, dass uns niemand etwas davon gesagt hatte, wo doch sonst unser Vermieter jeden Hammerschlag telefonisch ankündigte. Hier konnte etwas nicht stimmen und auch daß zwar unsere Adresse korrekt da stand aber ein anderer Name als unserer genannt war, ließ auf einen Fehler im System schließen. Nach einiger Herumtelefoniererei mit seiner Zentrale stellte sich dann auch heraus, daß der Terminix-Mann beim falschen Haus gebohrt hatte. Hier in unserer Siedlung gibt es drei verschiedenen Straßen mit dem selben Namen - die nur durch die Zusätze Drive, Lane und Court voneinander unterschieden werden. Er hatte im Drive gebohrt, die Arbeiten waren aber von der gleichen Hausnummer in der Lane beauftragt worden. Und das ist wahrlich nicht das einzige Mal gewesen, dass soetwas passiert ist. Angefangen hatte es bereits mit unserem Umzugsgut, als der Container im Court stand und wir uns wunderten, wo er denn so lange bleibt. Und die Leute, die unseren Zaun machen sollten, sind unverrichteter Dinge wieder abgezogen, weil da ja schoen einer stand - ja klar, in der Lane. Nicht bei uns im Drive.
Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, daß Pakete fehlgeleitet werden, Handwerker einfach nicht auftauchen und unsere Sonntagszeitung verschütt geht. Denn ändern werden sie die Straßennamen wohl eher nicht - diese Umstellung würde ein noch größeres Chaos hervorrufen.
Die Löcher hat der Terminix-Mann übrigens wieder zugemacht, sieht man nix mehr. Und sich vielmals dafür entschuldigt, daß er das Baby aufgeweckt hat.

Resistance is futile

Wir sind umgeben von Borg. Wenn diese Zeilen enden, werden wir wahrscheinlich schon assimiliert sein. Widerstand ist zwecklos ...

Stehe ich doch heute in der Schlange an der Kasse vom Baumarkt, mit vier Riesenbeuteln rotem Rindenmulch im Einkaufswagen, da blinkt es vor mir. Blau. So zwei, drei Mal. Dann schlägt sich die Frau vor mir aufs Ohr und fängt an zu reden. Aha, Bluetooth. Das ist das neue Modeaccessoires bei den hiesigen Damen - man telefoniert ja längst nicht mehr mit dem Handy. Das befindet ich in der Hosentasche, der Einkaufstasche oder der Umhängetasche. Und funkt per Bluetooth zum Empfänger am Ohr. Der sieht aus wie ein Stück aus Jean-Luc Picards Universum ... und funktioniert bestimmt auch so. Und wie ich da so stehe und mich frage, ob das der Anfang der großen Borg-Invasion des Sektors Null ist, blinkt es auch durch die Frisur einer anderen Frau in der Schlange. Aha, die haben die Dinger also tatsächlich ständig auf, wahrscheinlich sind sie sogar im Teenageralter implantiert worden. So wie man früher den Mädchen Ohrlöcher gestochen hat, setzt man ihnen heutzutage Bluetooth-Empfänger ein. Und wie ich mich so umsehe, bemerke ich dass da noch mehr Frauen sind, die scheinbar mit sich selbst reden und aus deren Haaren blaue Leuchtzeichen kommen. Wie gesagt, nur Frauen. Männer haben stattdessen einen Blackberry am Gürtel. Das ist so eine Mischung aus Minicomputer mit Nanotastatur und Telefon. Die Grundgebühr kostet 40 Dollar im Monat und dafür kann man dann schon bei der morgendlichen Dusche seine Emails in der Firma abrufen - früher hat man morgens zuhause einfach Zeitung gelesen und angefangen zu arbeiten, wenn man im Büro angekommen war. Viele dieser Dinger haben mittlerweile ein eingbautes GPS-Navigationssystem, falls man sich auf der Fahrt zur Arbeit mal verfahren sollte. Als nächstes werden dann für diese Geräte Bluetooth-Brillen auf den Markt kommen, die die Informationen per Hologramm vor den Augen darstellen. Und der nächste Schritt wird sein, dass man bereits bei der Geburt eine direkte Leitung zum Gehirn gelegt bekommt - mit USB-Anschluß an der Schläfe. Und dann hat uns die Matrix besiegt. Resistance is futile!

Sunday, March 30, 2008

The bride was given in marriage by her father

Ein sonntägliches Ritual bei uns ist die Lektüre der Sonntagsausgabe der Huntsville Times. Wenn man die Werbung aussortiert hat, ist die Dicke der tatsächlichen Zeitung von fünf auf einen Zentimeter geschrumpft. Und der wirklich interessante Teil nimmt nur eine Seite in Anspruch: die Heirats- und Verlobungsanzeigen.
Nicht nur, dass die komplette berufliche Karriere seit der High School aufgeführt ist, inklusive der Zugehörigkeit zu den verschiedenen Studentenverbindungen.
Auch die Familienverhältnisse werden im Detail aufgelistet - ob die Eltern und sogar Großeltern geschieden, wieder verheiratet, tot oder unbekannt sind wird hier gleich im ersten Absatz abgehandelt. Dann kommt die wichtige Information, wer die Braut in die Ehe gegeben hat - meistens der Vater. Und dann geht es richtig los, die sonstigen Beteiligten werden aufgelistet. Hier ein kurzer Abriß der Brotherton-Jones Hochzeit von diesem Wochenende:
1 Matron of Honor, 6 Bridesmaids, 4 Junior Bridesmaids, 1 Flower Girl, 2 Ring Bearers, 1 Best Man, 7 Groomsmen, 4 Junior Groomsmen - alle mit voller Namensnennung, bestimmt für den Fall daß man selber mal welche braucht und dann nicht jemanden ohne jegliche Erfahrung engagieren muß.
Der Hochzeitsempfang wurde im Huntsville Country Club durchgeführt und das Rehearsal Dinner - soetwas wie der Polterabend, nur viel förmlicher mit sechzehn Gänge Menu und ohne zerschlagenes Porzellan - wurde von den Eltern des Bräutigams im Heritage Club gegeben.
Gekrönt wird die Anzeige von einem großen Farbfoto der Braut im Hochzeitskleid. Und der Bräutigam? Der war wohl auch irgendwie mit dabei. Jedenfalls darf er wohl mit auf die Hochzeitsreise, die nach Saint Lucia geht. Und danach wird das Paar dann in Monroe, GA leben.
Und die beiden geplanten Kinder werden heißen .... nein, so weit geht es dann doch nicht (Wieso eigentlich nicht? Würde doch tierisch interessant sein ...).

P.S.: Mir ist gerade aufgefallen, dass bei dieser Hochzeit die Anzahl der Brides Maids (6) nicht mit der der Groomsmen (7) übereinstimmt - was für ein Faux Pas. Oder sollte da einer der Groomsmen etwa mit dem Flower Girl ... na ja, nicht jede Hochzeit hier ist so schlecht geplant.

American Plumbing, Part One

Wir haben ein ganz normales Bügeleisen. Hat fünfundreißig Dollar beim Target gekostet und ist nicht besonders gut verarbeitet. An der Spitze ist das Metall der Lauffläche nur umgebogen, so daß eine scharfe Kante bleibt, die garantiert irgendwann einmal meinem Lieblingshemd ein ungewolltes Lüftungsloch verschaffen wird. Aber damit kann man noch halbwegs leben, man kennt ja diesen Kinken und kann sich darauf einstellen. Zudem gibt es auch keine Alternative, denn die Bügeleisen mit einigermaßen vernünftigen Preisen sind hier alle so nachlässig verarbeitet.
Richtig nerven aber tut ein anderes Feature - wenn das Bügeleisen Dampf ablässt, werden schlagartig alle Lampen dunkler. Dieses Ding zieht soviel Strom, dass das gesamte Hausnetz in die Knie geht! In der Bedienungsanleitung steht wohl auch irgendetwas davon, daß man parallel zum Betrieb des Bügeleisens keine anderen hochwattigen Verbraucher anschalten soll, weil es sonst zu "catastrophic failures" im Netz kommen kann. Das heißt, wenn gebügelt wird, bleibt die Waschmaschine aus! Natürlich haben wir die Bedienungsanleitung erstens nicht richtig gelesen und zweitens bereits weg geworfen. Wer rechnet denn damit, daß man ein normales Bügeleisen mit der gleichen Sensibilität wie die Hochdruckverdichterstufe eines Kernkraftwerkes behandeln muß?
Vielleicht gibt es die Anleitung ja noch online - ansonsten müssen wir wohl oder übel zum Target gehen, eine Verpackung aufmachen und die Seite mit der Kmpatibilitätstabelle heimlich abfotografieren. Oder es einfach darauf ankommen lassen, daß uns das Haus abfackelt, weil wir beim bügeln TV gesehen haben ...

Malfunctioning Hoover

Das Radioprogramm hier bietet die Auswahl zwischen altmodischem Stadionrock Marke Asia und Foreigner, Countrz and western in allen Schattierungen und christlichen Sendern mit christlichem altmodischen Stadionrock und christlichem Country and Western.
Zwischendurch gibt es bei den chrtistlichen Sendern dann regelmäßig Sendungen mit Lebenshilfe und Tipps, wie man christlich korrekt durch den Alltag kommt und den lauernden Versuchungen widersteht.
Gerade eben lief eine Sendung über halbwüchsige Jungen, die in die Gesellschaft von männermordenden Mädchen geraten waren. Es wurden Tipps gegeben, wie man verhindern kann daß dem eigenen Sohn das passiert und auch, wie man verhindern kann, daß die eigene Tochter "boy crazy" wird.
Das ganze gipfelte dann in einer Geschichte über einen Jugen, der in die Fänge einer solchen Sirene geraten war und von ihr auf der Tanzfläche bei irgendeinem Dorffest massiv angemacht wurde. Zusammengefasst wurde der ganze Vorgang mit dem Satz: She was latched onto the boy's lips like a mulfunctioning Hoover ...

Umlaute and Fire Alert

Dauert ja manchmal ein wenig bis man einer Situation überdrüssig wird - mich haben die fehlenden Umlaute auf meiner US Tastatur jedenfalls heute ziemlich genervt ... also habe ich sie schnell mal eingestellt. Schreibe hier ja in Deutsch, da braucht man die Dinger schon des öfteren ... Amerikanisch ist da einfacher - auch was die Grammatik angeht. Soetwas wie eine bundesweite Rechtschreibreform würde hier schon alleine daran scheitern, dass der Süden ..... habe vergessen, was ich sagen wollte. Gerade eben ist mit infernalischem (durchdringender Sirenenton mit 150 Dezibel) Lärm der Rauchmelder im Durchgang zur Küche losgegangen. Wir machen gerade Lasagne, ein bißchen Käse ist auf den Herdboden getropft und ist dort angekokelt - das alleine hat genügt, um den Melder auszulösen. Wenn ich daran denke, wie oft wir in Deutschland die ganze Küche verquamlt hatten ... leider läßt sich das Ding auch nicht ausschalten. Erst muß der Grund beseitigt sein, dann gibt er wieder Ruhe. Also lüften wir jetzt die Wohnung durch - und hoffen, das es ihm genügt und er uns heute Nacht in Ruhe schlafen läßt ... Aber wenigstens wissen wir jetzt, daß wir frühzeitig gewarnt werden, wenn die Kinder mal mit Streichhölzern rumspielen sollten ...

Don't ask, don't tell ...

Meldung auf der Titelseite der Huntsville Times von heute: Gay couple attends Scottsboro High's prom as a couple.
Einem lesbischen Paar ist es gestern durch gerichtliche einstweilige Eil-Verfuegung gestattet worden, als Paar an dem am gleichen Abend stattfindenden Schulball teilzunehmen. Auf der anschliessenden Pressekonferenz sagten die Muetter, dass dies ja nur ein harmloses Tanzvergnuegen sei und Erwachsene sich da nicht einmischen brauchten. Im Vorfeld hatte die oertliche Schulbehoerde versucht, das Auftauchen des Paares beim Ball zu verhindern. Der Richter vertrat die Meinung, dass der US Supreme Court die Ungleichbehandlung homosexueller Menschen verboten habe und erlaubte den Maedchen, an dem Ball als Paar teilzunehmen.
Anzumerken sei noch, dass Ms.Overstreet, 17, ihr Prom-Dress trug, waehrend Ms.Martin, 16, einen Smoking trug. Vertreter der Schulbehoerde waren fuer eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Na ja, wenigstens die Rechtsprechung ist hier schon im 21.Jahrhundert angekommen ...

Colorcoded

Das fortschrittlichste Land der Erde ... na ja, immerhin haben sie die groessten Flatpanel-TV's hier. Und das Space Shuttle. Und Frauen in Kampfeinheiten. Wie die dort aber hingekommen sind, bleibt ein Raetsel. Um Soldat zu werden, muss man sich dreckig machen koennen, keine Angst vor der Natur haben und sich die Haare kurz scheeren lassen.
Die Voraussetzungen, das als Frau hier jemals zu schaffen sind nicht gut. Schon als Baby wird peinlich darauf geachtet, dass Maedchen ausschliesslich Rosa und Lila tragen, Schleifchen im Haar haben, Loecher fuer Ohrringe schon kurz nach der Geburt gestochen werden und sie Roecke und Kleidchen anhaben, bloss keine Hosen. Die sind fuer die Jungens vorgesehen, meistens in Blau, und die duerfen dann damit auch im Matsch buddeln und sich ordentlich einsauen. Die Maedchen hingegen haben immer adrett zu sein und sich rollenangepasst zu benehmen - Cutie Pie, Cheerleader, Home Coming Queen, Home Maker with 5 Kids. Hillary Clinton hat als kleines Maedchen von ihren Eltern sicher andauernd Hosen angezogen bekommen und traegt die nicht auch ausschliesslich Clips als Ohrringe? Sowas kommt von sowas her, sonst wuerde es sie jetzt ja auch nicht wagen, das gesamte Land mit ihrer Praesidentschaftskandidatur herauszufordern. Das ist der Anfang vom Ende der Zivilisation - und was kommt als naechstes? Ein Schwarzer im weissen Haus womoeglich - o tempora, o mores ...

When I'm dead and gone ...

Da fahren wir also gestern auf dem Highway 72 von Madison nach Huntsville, der in jede Richtung zwei Spuren hat mit einem nochmal doppelt so breiten Mittelstreifen, um in der Stadt bei Barnhills Buffet zu Mittag zu essen. Da kommt uns auf der anderen Strassenseite eine Kolonne entgegen, vorne ein Polizeiauto mit Blinklicht, hinten ein Polizeiauto mit Blinklicht, dazwischen so ungefaehr ein Dutzend Limousinen und dazu noch ein Polizeiauto, das jede Kreuzung fuer den abbiegenden Verkehr sperrt. Hinter uns, neben uns und vor uns haelt ploetzlich alles, Leute senken die Koepfe und fangen an zu beten. Nachdem die Kolonne uns dann passiert hat, fliesst der Verkehr wieder. Was war das denn jetzt, werde ich von meiner besseren Haelfte gefragt. Meine Antwort: Da wurde ein Leichnam vom Wake (der Totenwache, hier meist mit "open casket", also offenem Sarg) zum Friedhof gebracht - es war also ein klassischer Leichenzug. Und die Leute erwiesen dem (unbekannten) Toten dadurch, dass sie anhielten, die letzte Ehre. Das hat schon Stil ...

We're French

Die versetzen hier das Leitungswasser mit Chlor, Fluor und allen anderen moeglichen guten Sachen. Gut fuer die Zaehne, schlecht fuer den Geschmack. Man gewoehnt sich also nach kurzer Zeit an, in Fast-Food Buden, Restaurants und so weiter seine Getraenke "without Ice" zu bestellen. Regulaer kommen die naemlich bis zum Rand gefuellt mit Eis (aus Leitungswasser) und schmecken dementsprechend ueberwigend nach Badeanstalt ... statt nach Cola.
Das ruft hier natuerlich unglaeubige Reaktionen hervor - wie kann man denn seinen Soft-Drink ohne Eis haben wollen, das ist ja barbarisch, unzivilisiert und bestimmt auch ungesund. Was eines Tages in einem McDonalds in der Frage der Bedienung hinter dem Counter gipfelte: "Are you French?". Unseren lieben Nachbarn im Westen traut man hier wohl jede Scheusslichkeit zu und um das gute Image von Deutschland nicht zu beschaedigen war dann die Antwort: " Yes, we're French ...!". Wann immer wir jetzt etwas tun, was anders ist als "the american way", entschuldigen wir das mit den Worten "we're French" und schon ist keine weitere Erklaerung mehr notwendig. Wir Franzosen sind ja bekanntermassen ein merkwuerdiges Voelckchen ...

Sweet Home Alabama

So, jetzt also auch wir ... nicht genug damit, dass alle Welt meint, ihre Erlebnisse, Gedanken und Ideen allen zugaenglich machen zu muessen. Von nun an existiert also noch ein ueberfluessiger blog mehr ... na ja, vielleicht findet ihn ja der eine oder andere ganz amuesant, ein paar werden ihn vielleicht auch lehrreich und informativ finden, andere wiederum werden ihn im unueberschaubaren Wust an blogs im Internet gar nicht finden ...
Nun denn, worum es geht: wir sind vor zwei Monaten von Deutschland nach Alabama gezogen - und hier ist so manches anders. Wir haben schon viele merkwuerdige Dinge erlebt und erfahren und das wollten wir einfach mal fuer die Jetzt- und die Nachwelt festhalten. Nix weltbewegendes - aber koennte auch ganz witzig werden.
Postings wird es eher unregelmaessig geben, das soll ja kein Tagebuch werden sondern ein Sammelsurium von kleinen Geschichten, Beobachtungen und auch Tips fuer Leute, die sich so gar nicht vorstellen koennen, dass ein Tornado den ganzen Tag versauen kann ...