Thursday, July 28, 2011

84

Hier in Amiland gibt es keine Altersgrenze für Erwerbstätigkeit - wer will, kann oder muss darf solange arbeiten wie er will. Ruhestand mit 65 ist hier keine unüberwindbare Barriere sondern eher ein hehres, idealisiertes Ziel für die, die es sich leisten können. Und viele, sehr viele, können das nicht und müssen über die 65 hinaus weiter für ihren Lebensunterhalt arbeiten.
Eine gesetzliche Rente gibt es nicht, wenn man Glück hat und bei einem großen Unternehmen arbeitet bekommt man vielleicht eine bescheidene Betriebsrente. Alles andere liegt in der eigenen Verantwortung. Die meisten legen ihr Zur-Ruhe-setzen-Geld in Aktien an, in der Hoffnung auf ordentliche Renditen. Wenn dann, wie 2008 im Zuge der Immobilien- und Bankenkrise der Aktienmarkt in die Knie geht, bedeutet das für viele Pensionäre herbe Verluste beim Lebensstandard, für einige sogar eine echte Existenzkrise. Denn von dem was man zur Verfügung hat wenn man nicht mehr arbeiten geht muss man nicht nur Kost und Logis, sondern auch die Krankenversicherung und sämtliche Medikamente selber bezahlen. Wir haben letzte Woche erst ein Antibiotikum für eines der Kinder verschrieben bekommen, das $220 gekostet hat. Gesundheit muss man sich hier in Amiland leisten können.

Aber auch wenn man im alter gesund bleibt, die Aktienmärkte sich so entwickeln wie man hofft und der Benzinpreis nicht stiegt, ist längst noch nicht alles rosig und gut.
Eine brandneue Studie des Employee Benefit Research Institute hat nun untersucht, wann sich welche Einkommensgruppen überhaupt leisten können mit dem Arbeiten auf zu hören - wobei die Ergebnisse davon ausgehen, dass dabei nur 50% der jeweiligen Gruppe dieses Ziel erreichen.
Wenn man in der untersten Gruppe liegt, die weniger als $11700 pro Jahr verdient, z.B. Bäcker und Busfahrer, kommt dieser Zeitpunkt durchschnittlich mit 84.
Aber auch die nächst höhere Gruppe mit bis zu $31200 im Jahr (was einem Lehrergehalt oder dem einer Krankenschwester entspricht ...) muss sich noch bis 76 abrackern.
Wenn man bis zu $72500 im Jahr verdient kann man sich bereits mit 72 zur Ruhe setzen - also der durchschnittliche Ingenieur, Professor, oder Berufspilot.
Nur wenn man Arzt, Unternehmer oder ein Top-Anwalt ist und über $72500 im Jahr verdient, erreichen 50% dieser Gruppe ihr Pensionsalter mit 65.
Und wie gesagt - das basiert alles auf dem Durchschnittsverdienst über das ganze Berufsleben. Aber wer fängt hier schon mit $72000 an? Und womit hören dann die auf, die mit 84 noch arbeiten müssen um zu überleben? James, der immer pfeifende Papierkorbausleerer in unserer Agentur ist auch bereits weit über 80. Was bekommt man als Papierkorbausleerer? Keine $72500 im Jahr ...

Dabei könnte dieses reiche Land leicht für ein würdiges Leben seiner Pensionäre sorgen. Aber das wäre dann ja Sozialismus und hier lässt sich  niemand vorschreiben was er mit seinem Geld macht - womöglich noch in eine vom Staat kontrollierte und verwaltete gemeinsame Kasse zahlen, die jedem zu Gute kommt. Diese Gleichmacherei ist zutiefst unamerikanisch, jeder ist hier seines Glückes eigener Schmied und die Regierung soll sich gefälligst aus unserem Leben heraus halten.
Arbeiten bis man in die Grube kippt - that's the American Way ...

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