Friday, February 25, 2011

STS-133

Am 24. Februar 2011, um 16:53 Uhr Ortszeit, ist vom Kennedy Space Center, Launch Pad 39A, das Space Shuttle Discovery für die Mission STS-133 ins All geflogen.
Und ich war dabei.

Ein paar Kollegen und ich waren in dieser Woche für einige Besprechungen mit der Firma nach Orlando gekommen - die dann bereits am Donnerstag Mittag zu Ende waren. Und da der Startplatz nur rund 40 Meilen entfernt an der Küste liegt, war es klar dass wir uns das nicht entgehen lassen konnten.
Seit drei Jahren hatte ich immer wieder versucht Besprechungstermine in Orlando und Shuttle Starts in Einklang zu bringen. Das war aber immer wieder misslungen, weil wenn ich da war nie eines der Shuttles am geplanten Termin gestartet war. Immer kam etwas dazwischen - verstopfte Treibstoffleitungen, Kälteeinbrüche, Unwetter, Computerfehler und so weiter.
Doch diesmal hat dann endlich alles geklappt - beim drittletzten Start eines Shuttle überhaupt. Die vorletzte Gelegenheit wäre dann im April, die letzte im Juni gewesen. Danach werden die Shuttles außer Dienst gestellt und an Museen verteilt.

Angesehen haben wir uns den Start von Titusville aus, einem kleinen Ort genau gegenüber des Startgeländes. Wobei "genau gegenüber" eine recht optimistische Standortangabe ist - es sind gut 15 Meilen Wasser dazwischen. Man kommt auch näher heran, auf ungefähr die Hälfte davon, wenn man eine Eintrittskarte für den NASA Causeway, eine Straße die zum Space Center führt, hat. Theoretisch kommt man an solche Tickets durchaus heran. Praktisch aber ist das ein reines Glücksspiel und die Dinger sind in Sekundenschnelle ausverkauft.
Noch näher kommt man heran, wenn man der Gouverneur von Florida ist oder ein Hollywood-Star oder ein Zeitungsreporter. Dann lassen sie einen bis auf 5 Meilen heran. Leider kenne ich noch nicht einmal einen Gouverneur, Hollywood-Star oder Reporter.
Also haben wir, wie einige zehntausend andere Leute auch, uns in Titusville einen schönen Platz am Wasser gesucht.

Normalerweise braucht man für die 40 Meilen von Orlando zur Küste gut eine Stunde. Wir haben zweieinhalb Stunden benötigt. In Titusville angekommen war das nächste Problem einen Parkplatz zu finden. Nach einigem Suchen und hin-und herfahren war auch schließlich erledigt und wir machten uns auf den Weg zum örtlichen McDonalds um uns für die rund vier Stunden, die wir noch auf den Start warten mussten, zu stärken.
Und mit uns hatten hunderte andere Leute genau den selben Gedanken. Der Laden hat an diesem Tag das Geschäft des Monats gemacht. Allerdings wird einiges vom Profit nachher für die Wiederinstandsetzung der Toiletten drauf gegangen sein - denn diese Schlange war dreimal länger als die Schlange vor der Essensbestellung.
Nachdem wir dann den Burger intus hatten, haben wir uns ein nettes Plätzchen auf einem Steg, der ungefähr 100 m in die Bucht ragt, gesucht.
Und dort haben wir dann, in Vogelscheiße sitzend, in der Sonne bratend, mit einigen hundert anderen Verrückten stundenlang herum gesessen und auf den Start gewartet.

Und der wäre dann beinahe in vorletzter Sekunde dann doch noch abgeblasen worden. Ein Seeraumüberwachungsradar der US Navy hatte einen Computerfehler, was aus Sicherheitsgründen (es darf sich beim Start kein Wasserfahrzeug in einem bestimmten Umkreis um den Startplatz herum befinden und das muss sichergestellt und überwacht werden) einen Startabbruch eigentlich notwendig gemacht hätte.
Die Entscheidung für den Start wurde dann zwei Sekunden bevor sich das Startfenster von vier Minuten wieder geschlossen hatte, vom Startdirektor dann doch noch gegeben.
Nachdem der Start dieser Mission, der ursprünglich bereits am 01. November 2010 hätte stattfinden sollen, zwischenzeitlich fünfmal abgeblasen worden war, wollte man diesmal offensichtlich auf Biegen und Brechen eine sechste Pleite unbedingt vermeiden.

Und so hob es dann ab, das Space Shuttle Discovery, zum 39. und letzten Mal.
Es war weniger spektakulär als vielmehr majestätisch und erhaben. Das lag sicherlich auch daran, dass auf diese Entfernung der Startlärm erst mit einer guten Minute Verzögerung bei uns ankam. Außer den Schreien der Seevögel, dem Jubel der Zuschauer und dem Plätschern der Wellen vollzog sich der Start für uns in einem beinahe lautlosen Zustand.
Wie an der Schnur gezogen schoss das Shuttle in den Himmel, ein perfekter Bilderbuchstart.
Leider war es sehr dunstig und gepaart mit der doch sehr erheblichen Entfernung und der Tatsache dass meine Kameraausrüstung kein wirkliches Superteleobjektiv beinhaltet (die Bilder sind mit 450 mm Brennweite gemacht worden), sind meine Fotos nicht wirklich beeindruckend geworden - sie werden dem Erlebnis, so wie es in meiner Erinnerung besteht, jedenfalls nicht gerecht.

Aber das war auch gar nicht der Sinn und Zweck des Unternehmens. Ich kenne den NASA-Fotografen, der die ersten Shuttle-Starts vor dreißig Jahren dokumentiert hat und seine Bilder - mit erheblich mehr Aufwand und aus erheblich kürzerer Distanz aufgenommen - sind absolut unerreichbar. Meine Bilder haben also ausschließlich dokumentarischen Erinnerungswert und wenn ich richtig gute Bilder von einem Space Shuttle Start haben will, lasse ich mir von ihm welche ausdrucken (oder kaufe sie in Buchform in jeder beliebigen Buchhandlung).

Der eigentliche Sinn und Zweck liegt dreißig Jahre in der Vergangenheit.
Am 12. April 1981 startete mit der Columbia zum ersten Mal ein Space Shuttle ins All.
So wie für meine Eltern damals 1969 die Mondlandung ein Riesenereignis war, hatte dieser erste Shuttle Start für mich eine besondere Bedeutung. Als bekennender Raumfahrt-Enthusiast war es mein Ziel diese Leidenschaft später einmal zum Beruf zu machen. Der erste Start des Shuttle war daher für mich so etwas wie für andere das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft mit Deutscher Beteiligung -
das musste ich unbedingt sehen.
Ich habe es verschlafen. Und zwar nicht, weil es - wie die Mondlandung - mitten in der Nacht gewesen wäre. Nein, der Start war um die Mittagszeit und ich hatte mich nur mal kurz hin gelegt um fit zu sein für dieses epochale Ereignis. Und dann bin ich einfach eingeschlafen ... und durch den Anruf einer Freundin geweckt worden (Danke, Elke ...), die wissen wollte ob ich das eben auch so toll gefunden hätte und das sei ja ein spektakulärer Start gewesen und so etwas hätte sie ja noch nie gesehen ... (noch mal, Danke Elke ...).
Diese Schmach hat mich nun dreißig Jahre lang begleitet. Und irgendwann hatte ich mir dann gesagt, das kannst Du ja nur wieder gut machen,, wenn Du einmal live dabei bist. Damals war allerdings die Aussicht einmal in den USA zu leben, dazu noch in relativ erreichbarer Nähe zum Startplatz, oder gar Dienstreisen in die unmittelbare Umgebung zu machen, nicht im entferntesten am Horizont.
Aber wie sagt das chinesische Sprichwort: Gute Dinge kommen zu dem, der warten kann.
Und zu dem, der die Gelegenheit ergreift.
Was hiermit geschehen wäre - im x-ten Anlauf und beim drittletzt-möglichen Mal.

Wie man hier sagt - The Monkey is off my back. Ich gehe jetzt tatsächlich mit etwas leichterem Schritt durchs Leben. Nun ja, nicht gerade im Moment, mit einem ordentlichen Sonnenbrand an den Ohren und im Nacken und einer recht heftigen Müdigkeit in den Knochen - vier Stunden in der prallen Sonne warten, ohne Schatten, bei 28 Grad Celsius, danach viereinhalb Stunden nach Orlando im Stop-and-Go Verkehr zurück quälen, dann heute morgen einen unmöglich frühen Flug nach Hause gehabt, nachmittags noch ein paar Stunden im Office gearbeitet ... vor dreißig Jahren hätte ich das alles noch locker weg gesteckt. Wenn mich nicht zwischendurch die Müdigkeit übermannt hätte ...





Sunday, February 20, 2011

Honk for Prayer

Mike Robertson ist ein gläubiger und bibelfester Mann. Er betreibt eine Autowerkstatt in Decatur, vor der er ein Schild gestellt hat, auf dem steht "DRIVE-THRU-PRAYER".
Und so kann nun jeder der das Bedürfnis nach einem Gebet hat einfach auf den Hof fahren, kurz hupen und sich von Mike Robertson eines abholen. Sei es für die kranke Großmutter, den Erhalt des Jobs oder den ersehnten Lottogewinn - Mike Robertson garantiert, dass er die richtige Bibelstelle findet und damit dann ein individuelles Gebet auf dieser Grundlage verfasst.

Mike sagt, dass McDonalds und Burger King Futter für den Körper haben, während er Futter für die Seele liefert.
Amen.

Harvey Updyke - Public Enemy Number One

Harvey Updyke ist ein Idiot.
Zur Zeit sitzt er im Gefängnis in Untersuchungshaft, bei $50000 Kaution. Eigentlich gehört er aber geteert und gefedert durch die Straßen gejagt. Man könnte ihn auch bis zum Hals eingraben und seinen Kopf mit Honig einschmieren und damit einer Menge Leute hier in Alabama eine echte Freude machen.
Denn Harvey Updyke ist ein Idiot, der idiotische Sachen aus idiotischen Gründen tut.

Die Universitäten von Alabama in Tuscaloosa und von Auburn (in Auburn) trennt seit Jahrzehnten die Rivalität auf dem Football-Feld. Auburn war in allen Belangen, vor allem aber im Football immer der kleinere Bruder hier in Alabama. Seit 1893 trifft man sich jährlich, zum letzten Spiel der jeweiligen Saison, im sogenannten Iron Bowl.
Diese Tradition und die damit verbundene Rivalität ist auch außerhalb der Football-Saison ein großes Thema hier im Staat und wird mit Inbrunst gelebt und zelebriert.
Letztes Jahr, als das Team der University of Alabama nationaler College-Footballmeister geworden ist und Auburn eine katastrophale Saison hatte, war die Häme und der Spott und der zur Schau getragene Stolz der Alabama Fans riesengroß. Als dann dieses Jahr die Auburn Tigers den Titel gewannen und Alabama deutlich hinter sich ließ, wurde in gleicher Münze zurück gezahlt.

Kurz nachdem die Auburn University gegründet wurde, hat man dort an einer Ecke des Campus zwei Eichen gepflanzt. Diese sind seit langem schon der Treffpunkt für die Fans, wenn es etwas zu feiern gibt. In typisch studentischer Manier werden die Bäume dann mit Klopapier geschmückt, es wird um sie herum getanzt und ordentlich gefeiert.
Das war auch so, als die Auburn Tigers vor einem Monat nach über fünfzig Jahren einmal wieder den Titel gewannen.
Was damals noch niemand wusste war dass die beiden gut 130-jährigen Eichen im vergangenen Jahr mit einem Herbizid vergiftet worden waren und im Sterben lagen.

Harvey Updyke, der Idiot, ist es gewesen.
Letzte Woche hat er sich bei einer Radioshow in Auburn gemeldet und sich damit gebrüstet, sie vergiftet zu haben. Die Polizei konnte den Anruf mit Leichtigkeit zu seiner Wohnung zurück verfolgen - und nun sitzt er im Gefängnis, was gut ist, denn in Freiheit wäre sein Leben keinen Pfifferling mehr wert.
Nach dem letzten Iron Bowl, im November 2010 (den Auburn mit einem Punkt Differenz gewann und sich damit für das nationale Endspiel qualifizierte), hat er soviel von einem für Bäume absolut tödlichen Herbizid auf die Eichen gekippt, dass der Grund auf Jahrzehnte hinaus verseucht sein wird.

Die Eichen sind nicht mehr zu retten, der Boden muss abgetragen werden und der Grund dafür? Angeblich hatten Auburn-Fans im Jahre 1983, als der langjährige Coach der Alabama Crimson Tide, Bear Bryant, gestorben war, die Eichen mit Toilettenpapier geschmückt - wie bei einer Siegesfeier.
Natürlich gibt es dafür keine Beweise, nur eine dämliche Dolchstoß-Legende.
Wie gesagt, Harvey Updyke ist ein Idiot.
Und nicht etwa ein studentisch-jugendlicher Idiot, sondern ein zweiundsechzigjähriger idiotischer ehemaliger Polizist aus Mobile.

Mittlerweile hat sich der Volkeszorn etwas gelegt und eine Welle von Sympathie, Hilfsbereitschaft und Geldspenden, vor allen Dingen von beschämten und verärgerten Alabama-Fans, ist am Anrollen.
Denn eigentlich, unter all den dummen Sprüchen, der Kriegsbemalung, der zur Schau gestellten gegenseitigen Abneigung, schätzt man sich insgeheim doch und es gibt nicht wenige Fans der einen Mannschaft, die vor dem TV zuhause, wenn keiner ihnen dabei zusieht, auch die andere Mannschaft anfeuert. Denn beide sind ja schließlich aus Alabama und dies ist und bleibt Our Place.


(Zur Erklärung: Das Bild zeigt eine Sports-Bar in Priceville, AL, die mit den Emblemen der beiden Universitäten, Alabama und Auburn, geschmückt ist.)

Sunday, February 13, 2011

Spring??!

Heute war es 18 Grad Celsius warm, die Sonne schien aus allen Knopflöchern, Jogger, Hunde, Fahrradfahrer waren unterwegs und die Vögel haben aus vollen Kehlen gezwitschert.
Kann es sein, dass endlich der Frühling kommt?
Niemand hier, aber auch wirklich n i e m a n d, hat noch Bock auf Winter.

Made in China

Neulich hat Präsident Obama die Top Ten der US-Wirtschaftsbosse empfangen und ihnen ins Gewissen geredet, dass sie doch bitte dafür sorgen sollten mehr Arbeitsplätze in den USA zu schaffen.
Die zehn haben freundlich genickt und sind dann wieder heim nach China gefahren.

Klar ist das keine Geschichte, die sich wirklich zugetragen hat. Aber am Galgenhumor der Bevölkerung kann man meistens sehr präzise ablesen, wo der Schuh kneift.
Und hier kneift er gewaltig wenn die Sprache auf "Made in China" kommt.
Fast nichts das es hier zu kaufen gibt ist noch in den USA gemacht. Und von den Sachen, die im Ausland hergestellt wurden kommt der weitaus überwiegende Teil aus dem Reich der Mitte. Vom Toaster, über den MP-3 Player, Schuhe, Staubsauger, Kinderspielzeug, bis hin zu Apfelsaft und Senf - China hat das Produktionsmonopol in fast allen Lebensbereichen.

Nun ist das ja per se erstmal kein Beinbruch - in China wurde schließlich über die Jahrtausende so einige nützliche Sachen erfunden und hergestellt, vom Schießpulver über den Kompass bis hin zur Seide. Man hat es hier also nicht mit irgendwelchen tumben Barbaren zu tun, sondern mit einer Kultur die schon für sehr lange Zeit technologisch und industriell mithalten konnte.
Leider muss man aber auch zugeben, dass in den letzten zwanzig Jahren Chinas wirtschaftlicher Aufschwung als die Werkbank der Welt auch deshalb möglich geworden ist, weil dort billig gefertigt wird. Und wo billige Fertigung das Maxim allen Tuns ist, leidet zuerst und am meisten die Qualität. Mit anderen Worten, wo "Made in China" drauf steht ist meistens Schrott drin.

Wir haben auch schon so unsere Erfahrungen mit "Made in China gemacht".
Erst heute Abend ist uns unsere Brotbackmaschine abgeraucht. Schon seit längerem hat sie beim Teig kneten gequietscht und geächzt und heute hat dann schließlich das Getriebe mit fürchterlichem Plastikgestank den Geist auf gegeben.
Gute Zwei Jahre hat das Ding durchgehalten. Unsere Analyse (wir sind ja beide Ingenieure und analysieren daher recht viel in der Gegend herum den ganzen Tag ...) ergab, dass 1. wir als Deutsche sehr viel mehr Brot backen als der Durchschnittsamerikaner und 2. unsere Brote aus handfestem Teig bestehen und nicht aus diesem Fluffi-Wuffi Zeug das dann diese typische beliebig zusammen pressbare Sandwichunterlage ergibt, die hier fälschlicherweise Brot genannt wird.
Diesen Stress haben die Plastikzahnräder in dem Ding irgendwann einfach nicht mehr ausgehalten - und jetzt müssen wir uns eine neue Maschine kaufen.
Da wir noch gut anderthalb Jahre hier sein werden, sollten wir damit dann so gerade eben hinkommen ...

Saturday, February 12, 2011

Dogwood R.I.P.

Huntsville hat einige Wahrzeichen - die Saturn V Rakete vor dem Space and Rocket Center, den Big Spring Park, das Von Braun Center, den Hardware Shop der Harrison Brothers und so weiter.
Aber eines war bisher der unbestrittene Favorit der Bevölkerung - der hundertjährige Dogwood-Tree im Botanischen Garten.
Nun muss man sich vor Augen halten, dass hier alles was älter als dreißig Jahre ist, als Antiquität gilt. Sportstadien, die in Deutschland mittlerweile an einigen Stellen fast schon hundert Jahre in der Nutzung sind, werden hier regelmäßig nur zwanzig Jahre alt - dann reißt man sie ein und baut etwas Neueres und Größeres. Autos fährt man drei Jahre, Häuser bewohnt man höchstens so lange, bis die Kinder ausgezogen sind und Ehen halten im Durchschnitt gerade mal acht Jahre, wobei zwei von drei Ehen noch nicht einmal diese Schallmauer erreichen. Drei oder viermal verheiratet gewesen zu sein ist hier die Norm, nicht die Ausnahme.
Wie majestätisch unverrückbar, dauerhaft und unbeeinflussbar muss da ein hundertjähriger Baum auf die Menschen hier wirken - eine Manifestation gegen die Schnelllebigkeit der modernen Zeiten. Zumal er auch im hohen Alter jeden April regelmäßig und verlässlich geblüht hat.


Nun ist er weg. 
Krank war er schon seit ein paar Jahren. Letztes Jahr mussten sie ihm die rechte Hälfte amputieren um ihn zu retten und es war klar, dass es nun rapide bergab mit ihm ging.
Dabei hatte er so vieles schon erlebt und vielen erschien er unzerstörbar.Vor vielen Jahren stand er einem Straßenbauprojekt im Weg und wurde nur mit viel Mühe und Initiative einiger Enthusiasten gerettet - um dann seine neue Heimat unter der Anteilnahme der ganzen Region im Botanischen Garten zu finden.
Frost, Tornados, Schädlinge, das alles hat ihm lange nichts anhaben können. Doch nun war seine Zeit einfach gekommen und er wurde ganz unzeremoniell und klammheimlich entfernt.
Keine Story in der Huntsville Times, keine Ankündigung im Nachrichtenblatt des Gartens. Nur ein Haufen Mulch ist jetzt dort, wo er einst gestanden hat.
Aber ganz verschwinden wird er dann doch nicht - wenn alles gut geht und die Ableger, die von ihm gezogen wurden als es ihm noch gut ging gut gedeihen, wird dort bald ein Hain mit seinen Kindern entstehen.
Bis es so weit ist und die neuen Bäume groß sind, werden wohl noch mindestens zehn Jahre vergehen. Solange muss Huntsville sich dann eben mit den anderen Wahrzeichen behelfen ...



Dip and Squeeze

Etwas Neues für die Rubrik: "Erfindungen, die die Welt verändern" ...

Bisher gab es in den Fast-Food-Läden hier immer diese kleinen Plastikbeutelchen mit Ketchup zum mit nehmen - da waren 9 g drin, das reichte gerade mal für drei Fritten. Außerdem saute man sich regelmäßig ein, denn aufreißen des Beutels und heraus drücken des Inhalts gelang eigentlich nie ohne Pannen.
Aber damit ist es jetzt endlich vorbei - denn nun gibt es Dip & Squeeze, die neuste Erfindung der Firma Heinz Tomato Ketchup aus Pittsburgh, Pennsylvania.
Statt einem labbrigen Beutel mit undefinierter Aufreißzone haben wir jetzt eine Ketchup-Flasche im Mikro-Format aus relativ stabilem Plastik vor uns.
Reißt man die Spitze ab (... ja, die hat eine Perforation und eine deutliche Markierung ...), kann man ganz gefahrlos den Ketchup - sagenhafte 27 g, also dreimal so viel wie die bisherigen Beutel - bis fast zum letzten Tropfen heraus drücken.
Schält man hingegen die gesamte Abdeckung ab (... auch hier eine deutliche Markierung und Anleitung, wo und wie das zu geschehen hat ...), findet man ein kleines Schälchen vor, in das man seine Fritten hinein tunken kann.
Wer jemals seinen Ketchup im Einwickelpapier eines Burgers aufgehäuft hat, weil die einzige andere Alternative die Nutzung einer fusseligen Papier-Servierte gewesen wäre, kann ermessen welch ein Fortschritt damit erreicht wurde.
Die einzige Frage, die sich mir in dem Zusammenhang stellt ist: wieso sind die erst jetzt darauf gekommen ...???!

Thursday, February 10, 2011

Make Love Not War

Jetzt ist Huntsville, Alabama also auch in Deutschland berühmt ... Bild sei Dank!

Es gibt hier einen Sex-Shop, Pleasures heißt der und bezeichnet sich selbst als "Upscale Romance Boutique", welcher sich zum kommenden Valentinstag einen tollen Werbe-Gag ausgedacht hat - man kann dort seine Waffen gegen Sex-Spielzeug eintauschen.
Nun sind wir hier in Amiland ja allerlei bizarre Werbeaktionen gewohnt aber das ist doch nun mal wirklich etwas innovatives.
Pleasures war hier bereits letztes Jahr in den Schlagzeilen, als sie ihren Drive-through eröffneten und alle Moralapostel gleich den Untergang des Abendlandes herauf dämmern sahen. Aber wenn ich hier Bankgeschäfte, Apothekeneinkäufe und Fast-Food-Bestellungen via Drive-through tätigen kann, wieso dann nicht auch andere Sachen?!
Nun ja, "andere Sachen" gingen ja noch aber Sex?! Da kann dann ja jeder schnell und unerkannt alle möglichen Dinge kaufen. Ein Sündenpfuhl!

Und jetzt das. Waffen gegen Dildos. Und was kommt als nächstes? Amerikanische Flaggen gegen Playboys, Country-und-Western CDs gegen das Stöhne-Lied von Serge Ginsburg und Jane Birkin ...?! Wo soll das hinführen? Wenn das so weitergeht, ist der der Anfang vom Ausverkauf aller amerikanischen Werte!
Na ja, wird schon nicht so schlimm werden, denn die echten Amiländer würden sich lieber ihren Schnipfi abschneiden lassen als ihre Waffen weg zu geben. Ein paar linke Liberale, Atheisten allesamt, und vielleicht ein paar Ausländer, Kanadier und so, werden dieses Angebot vielleicht in Anspruch nehmen.
Es ist also nicht der Untergang des Abendlandes, sondern vielmehr eine sehr zu begrüßende Aktion - je weniger Waffen in den Händen von Liberalen und Ausländern, desto sicherer können wir alle schlafen. Denn mit einem Dildo ist selbt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch niemand erschossen worden ...

Closed today

City of Madison all roads are icy. Travel should be avoided.

I565 elevated portions all closed.

Madison County: All roads are icing over and very hazardous to drivers

Madison City Schools: Closed Today 

Madison County Schools: Closed Today

Redstone Arsenal: Closed Today

 
Also ernsthaft - langsam reicht es! Das ist bereits der sechste Snow Day, an dem alles zu ist hier im County, in diesem Jahr. 
Nicht nur, dass die Schulkinder jetzt schon mehr als eine Woche verloren haben (die sie wahrscheinlich durch später anfangende Sommerferien wieder herein holen müssen ...), unsere beiden Kindergartenkinder sind an solchen Tagen durch das eingesperrt sein völlig ungenießbar. Einfache Lösung - raus gehen, Schneemann bauen ...?! Unmöglich - soviel Schnee liegt im Moment gar nicht, dafür ist aber alles vereist. Viel zu gefährlich also. Bleibt uns wohl nix anderes übrig als das Cabin Fever durch Lesen, Spielen, Malen und TV in Schach zu halten. Wieder einmal ...

Saturday, February 5, 2011

Spoiled Rockin Kidz

Unser kleiner Mann hat mit seinen 2 1/2 Jahren bereits seinen eigenen Kopf. Er weiß genau was er will - und vor allen Dingen, was er nicht will. Und zum Haare schneiden hatte er bisher so überhaupt keinen Bock.
"No .... Yuckie .... Haare neiden .... go away ...".
Keine Chance. Nicht für Geld und gute Worte, nicht mit Versprechungen, Lockungen, Drohungen oder mit physischem Zwang. Nicht zu Hause, nicht im Friseursalon, nicht Mama, nicht Papa, nicht der Kaiser von China - "Yuckie ... No Kaiser ... go way!".
Also ein Fall für die Profis. Und zum Glück gibt es hier, gerade wenn es um Kinder geht, für alles und jedes einen Spezialisten.
In diesem Fall war das der "Spoiled Rockin Kidz" Salon im Jones Valley, im Südosten von Huntsville.
Wobei der Name ein eher böses Wortspiel ist - "spoiled rotten", was soviel heißt wie "verwöhnt bis zum geht nicht mehr" wurde verballhornt zu "spoiled rockin" ... ich schätze solchen Humor.

Gleich beim herein gehen standen wir erstmal knietief in einer Geburtstagsparty - lauter grell geschminkte, als Popstars zurecht gemachte neunjährige und ihre Mamis.
Und an den Wänden hingen Kleider, Feen-Flügel, pinker Schmuck und lila Schuhe und in einer Ecke stand eine Maschine zum selber füllen von Teddy-Bären.
Dann ein paar Kabinen, in denen die lieben Kleinen eine Massage bekommen können, mehr pinkes und lila Krimskrams auf Ständern und dann endlich der eigentliche Salon.
Dort ein halbes dutzend Plätze, die Hälfte mit ganz normalen, wenn auch etwas kleineren, Frisiersesseln, die anderen Hälfte mit Flugzeug, Auto und Eisenbahn als Sitz. Jeder Platz mit Flachbildschirm ausgestattet auf denen verschiedene Kindersendungen laufen.

Das alles war so aufregend, dass unserer kleiner Wuschelkopf zuerst gar nicht mit bekam, was da mit ihm geschah. Immerhin saß er in einem Flugzeug, guckte Sesamstraße und um ihn herum tobte das Leben.
Die Friseuse hatte das auch alles prima im Griff, schnitt schnell und ohne Fiesemattenten, Hauptsache ab und gut ist, Stufen und Bögen wachsen wieder raus. Bis dann die ganze Sache anfing schief zu gehen. Er schrie, sie schnitt in sein Ohr, Mama beruhigte ihn und putzte das kleine bisschen Blut ab, sie schnitt weiter, er schrie noch mehr, sie schnitt ihm ein zweites Mal ins Ohr, diesmal mit mehr Blut.
Chaos, Pflaster, Lolli, Luftballon.
Natürlich mussten wir nix bezahlen, bekamen noch einen Gutschein über fünf Dollar für unseren nächsten Besuch, alle waren total untröstlich und man konnte es ihnen ansehen, dass sie dachten "Werden die uns jetzt im Internet verreißen ...?!" .
Denn über die Internetkritiken in den einschlägigen Verbraucherforen sitzt man hier als Kunde mittlerweile an einem recht komfortabel langen Hebel. Eine schlechte Kritik, mit zwei blutigen Schnitten, und der Laden ist so gut wie erledigt - denn ihre Kinder in die Klauen einer solchen Schlachterei fallen zu lassen kommt selbstredend für die Amiländer nicht in Frage. Nun ja, auch uns ist da erstmal ein bisschen das Herz stehen geblieben.
Unser kleiner Mann hat das allerdings eher gelassen gesehen - er fand die Sache mit dem Antiseptikum und den Pflastern dann schon wieder total spannend.
Und sein Haarschnitt? Kurz. Besser als vorher, als die Wolle ihm schon in die Augen gewachsen war. Nicht ganz gerade, nicht ganz gleichmäßig aber wenigstens kurz. Kleineren Blutverlust muss man dabei in Kauf nehmen. Da haben wir schon ganz andere Sachen mit ihm erlebt ...

Werden wir, nach diesen Erfahrungen, den erhaltenen Schmerzensgeldgutschein einlösen und wieder dort hin gehen, wenn er erneut vor lauter Haaren im Gesicht nix mehr sieht?
Mal abwarten wie sich die Kritiken im Internet so entwickeln im nächsten halben Jahr ...

Tuesday, February 1, 2011

Reprogramming

Mir stehen pro Jahr ein paar Tage Fortbildung zu - keine Ahnung wie viele. Da ich in den vergangenen drei Jahren sowieso nie Zeit dafür hatte, habe ich mich nie für die genaue Anzahl interessiert.
Es sind auf jeden Fall mindestens vier Tage, denn soviel habe ich mir jetzt endlich mal gegönnt - ich habe mir einfach die Zeit genommen.
Gestern und heute hatte ich den ersten von zwei zweitägigen Kursen an der University of Alabama in Huntsville (UAH). Es ging um die Grundlagen von Testprogrammen, im Mai folgt dann der nächste Kurs, über Systemtests.
Tat richtig gut mal wieder an einer Uni zu sein und was zu lernen.
Und wie das des öfteren hier so ist, man lernt nebenbei auch etwas über die Amiländer selbst, über ihre Denkweise, ihren Charakter, ihre Selbsteinschätzung und ihre Sicht der Welt.

Im konkreten Fall heute ging es um Afghanistan. Das ist hier eine große offene Wunde in der Gesellschaft und jeder, vor allen Dingen hier in Huntsville, mit der großen Militärbasis Redstone Arsenal, kennt mindestens eine Familie, die einen oder mehrere Angehörige dort haben oder hatten. Und viele sind dabei, die die Bilder ihrer Lieben nunmehr mit Trauerflor zeigen.
Man ist sich generell, quer durch alle politischen und gesellschaftlichen Schichten, einig dass das ein schrecklicher Molloch ist und man die Truppen lieber heute als morgen wieder aus diesem Chaos heraus haben möchte.
Aber wie soll das gehen? Nichts scheint sich zu bewegen, zu verbessern in Afghanistan. Ein Schritt nach vorne heute, drei Schritte zur Seite morgen und zwei Schritte zurück übermorgen.
Die Afghanen, so ist der Eindruck den offensichtlich viele haben, wollen sich eigentlich gar nicht helfen lassen.Was also tun?
Reprogrammieren.
Ernsthaft. Das wurde heute von unserer Kursleiterin so vorgeschlagen. Umerziehung also - HDTV, SUVs, BlueRay, Football, Burgers and Fries with a Coke. Macht die Afghanen zu Konsumjunkies, dann ist Ruhe dort. Wer sich Sorgen um seinen Flatscreen-TV macht, der schießt nicht mehr wild um sich. Er könnte ja das TV treffen und dann das nächste Hammelrennen verpassen.

Nun ja, so neu ist die Idee ja nun auch wieder nicht. Pol Pot hat das mal in Kambodscha versucht - der wollte nur noch Bauern um sich haben und endete schließlich mit einigen Millionen Totenschädeln statt dessen.
Und war das nicht auch etwas, was die Kommunisten im Ostblock immer getan haben, wenn auch in weitaus bescheidenerem Maßstab?
Aber Amerika schafft das schon - wenn sie sich das richtig vornehmen, tanzt in zwei Jahren Lady Gaga in Kabul.

Wenn ich zynisch wäre, könnte ich das durchaus Kultur-Kolonialismus nennen. Na ja, das haben sie ja auch nicht anders mit uns nach dem zweiten Weltkrieg gemacht.Allerdings haben wir uns da nicht großartig zur Wehr gesetzt, sondern waren froh dass es endlich wieder vernünftige Musik gab (die ewige Marschmucke konnte ja auf Dauer keiner aushalten ...).
Die Afghanen sind da wohl nicht so begeistert - schließlich sind die in den letzten zweitausend Jahren oder so auch ganz gut ohne Lady Gaga ausgekommen. Dabei können sie sich glücklich schätzen, dass ihnen mittlerweile so ein merkwürdiger Zeitgenosse wie Michael Jackson erspart bleiben wird, in ihrem Reprogrammierungsprojekt. Wenn der sich bei seinem ersten Konzert in Kabul andauernd in den Schritt gegriffen hätte ... nicht auszudenken, welche Programmierung damit bei der afghanischen Jugend erreicht worden wäre.
Nun ja, warten wir mal ab, ob sich diese Idee gegen die Wild-West-Lobby ( ... zuerst hängen, dann Fragen stellen ...) durch setzen kann. Wahrscheinlich nicht, denn so richtig traut hier niemand diesen turbantragenden Halbwilden die Intelligenz zu, fehlerfrei einen Big Mäc bestellen zu können. Und bevor das nicht gesichert ist, können wir unmöglich Lady Gaga auf diese Banditen los lassen. Dann schon eher einen exhumierten Michael Jackson - den Unterschied würden die sowieso nicht mit bekommen ...

Friday, January 28, 2011

Chaos and Ruckus

Wie nennt man es, wenn in Huntsville fünf Männer aus Ontario und einer aus der Tschechei in der VonBraun Center Arena stehen?
Eishockey.
Huntsville Havoc Eishockey, um genau zu sein. Die Mannschaft gehört zur Southern Professional Hockey League (SPHL), einer dieser zahlreichen halbprofessionellen Ligen, die es in jeder Sportart überall im Lande gibt. Und in Huntsville gibt es tatsächlich eine ganze Reihe Profi-Mannschaften, die in den regionalen Profi-Ligen spielen - die Rocket City Titans im Football, die Alabama Hammers im Indoor-Football und eben die Huntsville Havoc im Eishockey.
Und in der letztgenannten Mannschaft tauchen dann nicht nur überwiegend Spieler aus Kanada auf, sondern die haben dann auch noch so schöne Namen wie Sibbald, Kessler, Kretzer, Hand ... das passt dann ja gut zur ebenfalls Deutsch-benamten Arena in der sie spielen.
Amerikaner sind fast keine dabei und aus dem Süden schon gar nicht. Obwohl, den Nachwuchs hätten sie direkt vor der Tür - die University of Alabama in Huntsville hat als Vorzeigesport nicht das übliche Football-Team, sondern ... genau, ein Eishockey-Team.
Aber stattdessen holt man sich die von der NHL, der ersten Liga, nicht gewollten Kanadier und Osteuropäer. Nun ja, der Erfolg gibt den Verantwortlichen recht, letztes Jahr ist man Meister der Liga geworden.

Heute ging es also gegen die Cottonmouths (das ist eine sehr gefährliche Giftschlange hier im Süden) aus Columbus, South Carolina.
Das Spiel war typisch amerikanisch - der Puck wurde einfach nach vorne gebolzt, mit viel Körperkontakt darum gekämpft, irgendwie kommt er dann durch puren Zufall zum freien Mann und der macht ihn rein. Ganz simpel. Keine Kufenakrobatik, kein Schachspiel auf dem Eis, einfach immer volle Pulle dem Puck hinterher und ordentlich krachen lassen.
Sehr unterhaltsam und kurzweilig ist das. Das fanden auch die übrigen 3374 zahlenden Zuschauer, die zum überwiegenden Teil in den Team-Jerseys gekleidet waren. Ich hatte ja keine Ahnung von der Popularität dieser Sportart hier gehabt. Und statt einem Maskottchen leistet sich die Havoc gleich zwei - die heißen Chaos und Ruckus (was soviel wie Störung, Aufruhr heißt) und stellen Wehrwölfe dar. Recht ungewöhnlich würde ich sagen, ist aber wirklich mal eine nette Abwechslung zu all den anderen langweiligen Tierchen, die man sonst so zu sehen bekommt.

Das Heimteam spielte ganz locker auf und trotzdem sie sechs mal eine Zwei-Minuten Strafe kassierten (die Jungs aus Columbus nur einmal, weil sich einer ihrer Tschechen mit dem Herrn Hand aus Huntsville gekeilt hatte, der übrigens dafür auch in die Kühlbox wanderte) waren sie den Gästen in jeder Phase überlegen und gewannen am Ende verdient mit 2:0.
Vielleicht waren ja die Kanadier schuld, die bei Columbus überwiegend aus anderen Provinzen statt aus Ontario kommen. An den deutschen Namen kann es jedenfalls nicht gelegen haben - deren Linksaußen heißt Hergott ...

Saturday, January 22, 2011

Onward Christian Soldier ...

Seit dieser Woche hat Alabama einen neuen Gouverneur, den Republikaner Robert Bentley. Als eine seiner ersten Amtshandlungen sah es Gouverneur Bentley als angebracht an zu verkünden, dass jeder der kein Christ ist, nicht sei Bruder oder seine Schwester sei und dass er diese Leute auffordere sich zu Christus zu bekennen, damit er sie als Bruder und Schwester umarmen könne.

Das ist mal ganz ein Politiker nach dem Herzen des Bible-Belts - ehemaliger Sonntagsschullehrer und Diakon einer Baptistenkirche. Hallellujah! Endlich mal einer, der dem gottlosen Treiben hier ein Ende machen wird und sich nicht scheut, den Feind beim Namen zu nennen - alle Nicht-Christen eben. Die hohe Arbeitslosigkeit, steigende Benzinpreise, der sechswöchige Besuch der Schwiegermutter - alles Strafen Gottes, weil hier zu lange die Nicht-Christen ungeschoren herum laufen konnten.

Ja, die meinen das ernst hier unten. Da gibt es nichts zu lachen. Im Lichte dieser Aussage wird dieser Atheistenkongress, der hier in zwei Wochen statt finden soll, noch zu einer spannenden Angelegenheit - vielleicht sogar mit Nationalgarde, die ja dem Gouverneur des jeweiligen Staates untersteht und die dieser bei Notfällen einsetzen kann. Und was würde wohl besser als Notfall qualifizieren als eine Schar von Ungläubigen, die sich versammeln um böse Pläne aus zu hecken und Zwietracht zu sähen.
Weit her geholt? Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein ... wir werden sehen.

Wednesday, January 12, 2011

Guns and Idiots

Ich habe mich gewundert - war doch gar kein Feiertag, kein sonstwie besonderes Datum. Und trotzdem war überall in Huntsville und Madison auf Halbmast geflaggt.
Und dann dämmerte es mir - das war wegen der Schießerei in Arizona, wo irgendein Spinner der Kongreßabgeordneten in den Kopf geschossen und sechs umherstehende Menschen, darunter ein kleines Mädchen, getötet hatte.
Na denn, die Nation trauert, am Sonntag wird in den Kirchen für die Familien der Opfer und für die immer noch mit dem Tode ringende Abgeordnete gebetet, das öffentliche Kopfschütteln ist groß, die Kommentare im TV und in der Presse sind betroffen. Business as usual.
Aber irgendwo ganz hinten, in einer dunklen Ecke der Seele, nahe dem kleinen Portal zur Hölle, das in uns allen schlummert und in das man besser nicht neugierig hineinlugt, wispert eine kleine Stimme: "Aber die Richtige getroffen hat es schon ...".
Und nach der Kirche geht man dann am Sonntag Abend zum Teekränzchen um mit anderen Teetrinkern über die Schlechtigkeit der Regierenden im allgemeinen und der liberalen Unamerikaner im Weißen Haus zu sinnieren. Und jeder dort hört diese Stimme, manche undeutlich und leise, andere laut und fordernd: "Es hat die Richtige getroffen ...!".
Aber man spricht nicht darüber, nickt sich nur wissend zu - ja, die anderen hören es auch. Sie wissen, wie man dieses Land rettet - nachladen und drauf halten, eine andere Sprache verstehen diese Elemente nicht.
Und in Arizona, da hat es endlich einer vorgemacht, hat einer den Mut gefunden nicht nur zu reden, sondern nachzuladen. Und die liebe Sarah, die Fadenkreuze auf Landkarten gemalt und verbale Zielmarkierungen verteilt hat, sieht sich plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass es in diesem Land tatsächlich Einfaltspinsel und Schwachköpfe gibt, die ihre Bürgerkriegsparolen ernst nehmen. Nein, die sie nicht nur ernst nehmen, sondern sie als Handlungsanweisung verstehen.
Was wird, wenn sie in zwei Jahren ins Weiße Haus einzieht? Müssen dann alle Liberalen ein gelbes Fadenkreuz auf ihrem Rücken tragen? Obama's Wahl hat das Land polarisiert, es verunsichert und mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Sarah's Wahl würde das Land spalten, ein Klima der Angst schaffen und das Land in ein inneres Chaos stürzen.
Währenddessen übt man sich in Betroffenheit und betet. Innehalten und verbal abzurüsten wäre die vernünftigere Lösung. Aber das wird nicht passieren. Die Gräben sind bereits zu tief und die Artillerie ist schon in Stellung gebracht. Im Wilden Westen nichts Neues ...

Tuesday, January 11, 2011

Still closed ...

Wir sind immer noch zu Hause. Die Straßen sind zwar relativ schneefrei aber jetzt kommt die überfrierende Nässe - also bleibt auch heute alles geschlossen. Und morgen auch - zumindest die Schulen und Behörden. Mein Office wird wahrscheinlich wieder offen sein ... dank meinem dienstlichen Blackberry konnte ich Kontakt mit Kollegen, Firma und anderen halten und so die gestern und heute angesetzten Meetings auf Mittwoch und Donnerstag verschieben. Aber ich hatte jetyt ja zwei Tage "Ferien", da bin ich ausgeruht ...
Wir haben inzwischen unsere alten Winterklamotten aus Deutschland wieder ausgemottet ... wer weiß, was der Winter uns noch bringen wird ...

Monday, January 10, 2011

War Eagle!

Nach einem extrem spannenden und hochklassigen Spiel, dass erst in den letzten zehn Sekunden entschieden wurde, haben die Auburn Tigers heute die nationale College Football Meisterschaft gegen die Oregon Ducks mit 22 zu 19 gewonnen.
Nachdem letztes Jahr die Alabama Crimson Tide den Titel gewonnen haben, kann man getrost davon reden dass das Herz des (College) Football in Alabama schlägt.
Die Auburn Tigers sind zu den Alabama Crimson Tide das, was 1860 zu Bayern München ist - mit dreizehn nationalen Titeln für Alabama gegenüber zuvor einem Titel (in 1957 ...) für Auburn.
Nun wird es die kommenden drei bis vier Jahre echt schrecklich hier - während sich die Alabama Fans letztes Jahr schon sehr gefreut hatten, waren die Feierlichkeiten doch sehr im Rahmen geblieben - nach zwölf Meisterschaften regt eine mehr hier niemanden mehr so richtig auf.
Die Auburn Fans hingegen ... sie werden ihren Ur-Enkeln noch davon erzählen. Die werden jetzt völlig ausflippen und die Auburn Fahnen werden hier an den Häusern, Pick-up Trucks, in den Geschäften und Behörden wehen, bis sie von der Witterung, dem Zahn der Zeit oder einem Tornado aufgelöst oder zerfetzt werden.
Nur gut, dass es gestern den Wintereinbruch mit viel Schnee auf den Straßen gegeben hat - da findet jetzt wenigstens kein Autokorso statt ...

Impassable

"All roads in Madison are impassable. All non emergency travel should be avoided."

Alles dicht bei uns. Nix geht mehr. Über Nacht sind gute zwanzig Zentimeter Schnee gefallen.Winterwonderland.
War gerade mit den Kiddies draußen, die finden den Schnee herrlich. Aber wie lange kann man das machen? Zwanzig Minuten. eine halbe Stunde vielleicht, dann sind die Klamotten völlig durchnässt - und was dann? Cabin Fever. Na, mal sehen, vielleicht heute Nachmittag nochmal eine halbe Stunde.
Morgen wird wahrscheinlich auch nix gehen, denn es soll kalt bleiben und wenn der Schnee auf den Straßen nicht geräumt wird und überfriert, dann gute Nacht ... zum Glück ist unsere Vorratskammer gut gefüllt ... aber die Unterhaltung der Kiddies bleibt ein Problem ...


Sunday, January 9, 2011

We're closed tomorrow ...

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Seit Freitag wurde uns angekündigt, dass an diesem Wochenende die Wettersituation Schneefall begünstigen würde. Eigentlich sollte es heute Nachmittag so um drei Uhr bereits losgegangen sein ... jetzt haben wir es drei Minuten nach Drei und es ist zwar kalt und bewölkt aber noch ohne Schnee.


Das wird sich jedoch ändern - die Radarbilder zeigen einen massiven Wintersturm, der uns treffen wird, wahrscheinlich so gegen sieben Uhr Abends.
In Montgomery, ungefähr 200 Meilen südlich von uns haben sie das tolle Wetter schon, mit Eisregen und Schnee und allem was dazu gehört.

 
Und hier bei uns haben sie für morgen bereits jetzt alles dicht gemacht - keine Schule, kein Kindergarten, keine Müllabfuhr, kein Behörden, keine Kirche ... wie gesagt, die sind hier lieber doppelt vorsichtig, als dass sie ein totales Chaos riskieren, mit womöglich verletzten Schulkindern und juristischem Nachspiel.



Da ist man geneigt, als Winterwetterprofi aus Deutschland den Kopf zu schütteln und das alles für ziemlich hysterisch zu halten. Aber dann fällt einem wieder ein, was letzte Woche in der Zeitung stand - dass es in der 150000 Einwohner zählenden Stadt Huntsville nur zwei Baumaschinen (sogenannte "Grater", d.h. "Erdgeradezieher") gibt, die sich als Schneeschieber nutzen lassen.
Also bleiben wir morgen alle brav zu Hause (ich gehe mal davon aus, dass das Redstone Arsenal, an dem wir uns in solchen Fällen ausrichten, auch dicht macht ...) und bauen mal wieder Schneemänner.
Alles halb so wild. Brenzlig wird es jedoch, sollte durch das Wetter der Strom ausfallen oder auch nur der TV Empfang gestört werden - denn morgen Abend spielt Auburn (die zweite große Universität hier in Alabama) um den nationalen Titel im College Football. Durch das Wetter werden wahrscheinlich schon viele College Bowl Parties ausfallen - nicht dran zu denken, wenn das dann auch noch nicht einmal im TV zu sehen wäre. Da bliebe dem Gouverneur nur übrig die Nationalgarde zu mobilisieren ... ich hoffe mal, dass die wintertaugliches Gerät haben ...

Sunday, January 2, 2011

Godless

Versteckt eure Kinder, beschützt eure Frauen, bereitet euch auf das Ende der Welt vor - die Atheisten kommen!
Und zwar nach Huntsville, am 29. und 30. Januar, zu einer Konferenz. Und damit das auch ja alle mit bekommen haben sie gestern am Memorial Parkway, einer der beiden Hauptstraßen in Huntsville, eine Werbetafel aufgestellt.
Und prompt ist hier die  ... na ja, Hölle ... los. Die Zeitung hat darüber berichtet, als ich da war um das Billboard zu fotografieren packte gerade der lokale TV-Sender WAFF-48 seine Sachen zusammen und bestimmt ist das auch ein Thema morgen in der Kaffeepause mit unseren US-Kollegen im Dienst.
Schließlich ist das hier der "Bible-Belt", in "God's own Country" - da ist für Atheisten kein Platz!
Und überhaupt, ist das nicht sowieso unpatriotisch, wenn unsere Truppen im Krieg sind und jede Unterstützung gebrauchen können, wenn dann einige einfach nicht mit beten??! Glaube hin oder her aber wie kann man nur die Jungs in Irak und Afghanistan so im Stich lassen??!

Und wie viele dieser unpatriotischen, unamerikanischen Gottlosen werden nun in vier Wochen die Stadt überfluten? 250. So viele Plätze hat der Saal im Holiday Inn, wo sie sich treffen werden.
Vielleicht investiere ich ja die vierzig Dollar, die die Teilnahme kostet und gucke mir das Spektakel auch mal an. Ist halt auch ein Teil der kulturellen Studien, die wir hier so betreiben ...



Saturday, December 25, 2010

Snowmen in Alabama

Nun ja, so sehr viele Gelegenheiten in Alabama Schneemänner zu bauen hat man nicht - heute, am Weihnachtstag konnten wir uns da richtig austoben ...

Santa and the Princess - a Christmas Story

Unsere kleine Prinzessin meinte gestern, dass Weihnachten ausfallen müsse - es läge ja gar kein Schnee und ohne Schnee kann Santa mit seinem Schlitten ja gar nicht zu uns kommen. Ich versuchte sie davon zu überzeugen dass Santa hier in Huntsville immer einen Raketenschlitten benutzt weil hier ja eigentlich nie Schnee liegt. Er geht dann ins Space and Rocket Center, denn da hat er ihn das Jahr über abgestellt, unter den anderen Raketen und Raumkapseln dort. Aber das wollte sie mir nicht so recht glauben und sie war ganz traurig, weil Santa ihr nun keine Geschenke bringen konnte.

Aber als sie dann heute morgen aufstand und aus dem Fenster sah - da waren die Straßen ganz weiß und die Wiesen auch und auf dem kleinen See vor unserem Haus hatte sich eine dünne Eisschicht gebildet - und auch dort lag ganz frischer, weißer Schnee drauf. Das ganze Land war mit Schnee überzogen und immer noch kamen dicke Flocken vom Himmel herunter.

Unsere kleine Prinzessin sprintete die Treppe herunter um zu gucken, ob Santa da gewesen war. Am Weihnachtsbaum brannten die Lichter, das Glas Milch und die Kekse, die sie für ihn hin gestellt hatte, waren ausgetrunken und aufgegessen und auch die Möhre, die für Rudolph das Rentier auf demm Tisch gelegen hatte, war abgeknabbert. Santa war tatsächlich hier gewesen! Und unter dem Weihnachtsbaum lagen ganz viele Geschenke. Weihnachten war gerettet und es sollte so perfekt werden, wie eine kleine Prinzessin sich das nur vorstellen konnte.

Friday, December 24, 2010

Merry Christmas, Y'All ...

Für alle, die das Fest noch im alten, traditionellen Stil feiern - Frohe Weihnachten!
Bei uns gibt es heute Abend nach dem Gottesdienst in der lutherischen Kirche in Madison Kartoffelsalat und (echte Meica) Würstchen. Und morgen früh, so wie es hier Sitte ist, werden dann die Geschenke aus gepackt. Dann haben die Kinder einen ganzen Tag um damit zu spielen und das Ganze wird ein wenig entzerrt. Wir verbinden halt das beste unserer zwei Welten miteinander, wo wir nur können ...

Thursday, December 23, 2010

Drive Through Christmas

Und für alle die, deren Zeit zu kostbar ist um Weihnachten ruhig und beschaulich zu feiern, gibt es jetzt in Somerville, Alabama, die "Drive-Through-Christmas" - Weihnachten zum Durchfahren, so wie man sich am McDonalds-Schalter mal kurz einen Burger holt. Die Vorzeigeschnelllebig-und -wegwerfgesellschaft in voller Aktion, Weihnachten als Show, abgehakt und weiter geht's.
Na ja, in Vegas gibt es ja schon seit längerem die Drive-Through-Trauung, einige Drive-Through-Kirchen sind bekannt und irgendwo habe ich einmal etwas über die Drive-Through-Beichte gehört.
Für eine Nation, die von sich selber glaubt in Gottes eigenem Land zu leben, jeden Mittwoch und Sonntag kollektiv im Gottesdienst sitzt und felsenfest davon überzeugt ist, dass sich durch Beten alle Probleme lösen lassen, nehmen die ganz schön viele Abkürzungen. Ganz unter dem Motto "Auf bequemem Weg in den Himmel".

 
Leider habe ich davon zu spät erfahren, als ich hin kam war alles schon abgebaut, nur noch das Werbeschild stand vor der Wiese, auf der diese Monstrosität statt gefunden hatte. Durchgeführt wurde das übrigens von der örtlichen Baptisten Kirche, mit über hundert Darstellern, lebenden Tieren und bestimmt ganz viel Pathos und Kitsch.
Steht schon auf meinem Kalender für's nächste Jahr - als kulturelle Studie sozusagen, unter dem Titel "Der Amiländer und seine bizarren Festtagsbräuche" ...

A Holiday Tradition No More ...

Seit über zwanzig Jahren gehörte es in der Weihnachtszeit zu Huntsville, wie der Schlitten zu Santa: das Christmas-Display des Dr. John Higginbotham im Horseshoe Bend.
Lebende Rentiere, zehntausende Lichter, ein Karussell, Musikbeschallung der Nachbarschaft, Polizisten die verzweifelt versuchten das schaulustigeninduzierte Verkehrschaos ab fünf Uhr Nachmittags einigermaßen zu bändigen, Berichterstattung im regionalen TV - eine Weihnachtstradition in Huntsville eben.

Das alles ist nicht mehr - letztes Jahr bestrahlte der Santa-Train noch einmal die halbe Nachbarschaft aber dieses Jahr war noch nicht einmal ein einziges Lichtlein zu sehen.
Dr. Higginbotham wurde zu alt dafür, zudem musste er sich kurz nach Weihnachten einer schweren Operation unterziehen. Diese abrupte Entwicklung kam auch für ihn überraschend - also ließ er die Lichter einfach in der Garage, bestellte die Rentiere ab und überließ anderen das Feld der technicoloristischen Untermalung der Weihnachtszeit.

Nein, leicht gefallen ist es ihm nicht, das sagte er allen TV-, Radio- und Zeitungsjournalisten, die ihn fragten, denn ein großes Stück seines bisherigen Lebens ging damit zu Ende.
Vielleicht, so sinierte er hoffnungsvoll, könne er im nächsten Jahr, mit der Hilfe von Freunden und Kollegen, ja noch ein letztes Mal alles wieder aufbauen - damit es mit einem würdigen Abschluss endete.
Das ist ihm - und Huntsville - zu wünschen. Ich würde es meinen Kinder zu gerne zeigen ...


Saturday, December 18, 2010

Getting the Job done

Es gibt ein paar Dinge, auf die ist man stolz hier im Süden - seine (College) Football Teams, BBQ, Pick-up Trucks ... und seine Helden der Arbeit. "Getting the Job done" ist hier ein Credo, ein Qualitätsbegriff, wie in Deutschland es einmal der "Meisterbetrieb" war. Man hört erst auf zu arbeiten, wenn die Arbeit vollständig und zur Zufriedenheit des Kunden ausgeführt wurde. Sollte eigentlich ja selbstverständlich sein, denn wofür sonst bezahlt man als Kunde? Aber wie bei so vielem, gibt es halt solche und solche und wiederum solche, die solche mit in Verruf bringen.

Ein Qualitätsmerkmal, auf das hier in Amiland besonders viel Wert gelegt wird, ist Schnelligkeit. Nicht darf wirklich lange dauern und zur Not arbeitet man auch am Wochenende und an Feiertagen, damit nur ja nicht der Eindruck erweckt wird, dass da eventuell irgendetwas schief läuft, weil nix voran geht.
Und wenn alles nichts hilft, wird einfach ordentlich geklotzt - an allen Fronten. Zeit ist schließlich Geld und Geld was für Zeit ausgegeben wird, geht dem Profit, der Re-investierung oder dem allgemeinen Wirtschaftsleben verloren. Zeit ist also gewissermaßen der große Störenfried des ungebremsten Kapitalismus. Und somit Un-Amerikanisch. Und somit unter Terrorverdacht. Grundsätzlich mal.

Aber bevor das hier zu weit geht, zurück zu der Geschichte, die ich eigentlich erzählen will.
Da gibt es in Madison ein kleines Stückchen Land, nicht weit von der Eisenbahnstrecke, in der neuesten Mini-Strip-Mall der Stadt, ungefähr so groß wie ein Fußballfeld.
Das Land gehört der Asbury Church, die stinkend reich ist und erst im Sommer einen Riesenanbau zu ihrem sowieso schon riesigen Kirchenkomplex vollendet hat. Eine der ausgelagerten Einrichtungen ist der Thrift Store, der sich bisher in einem kleinen Raum in einer inzwischen sehr herunter gekommenen Mini-Strip-Mall eine Meile weiter Richtung Huntsville befindet. Diesem Thrift Store kann man seine gebrauchten Dinge spenden und  sie werden dort für wenig Geld an die weniger betuchten Einwohner der Region verkauft. Der Erlös aus dem Verkauf wird dann von der Kirche für weitere wohltätige Zwecke verwendet.
Eine sehr noble und unterstützenswürdige Sache also (wir haben im Laufe der letzten drei Jahre praktisch alle unsere abgelegte Kleidung dort abgegeben).

Nun also wird der Store umziehen in ein neues, größeres Gebäude in einer besseren Gegend der Stadt. Dafür muss aber erstmal der Grund hergerichtet werden. Also hat man vor gut vier Wochen mit einem kleinen Bagger angefangen. Dann kamen im Laufe der Zeit immer mehr Maschinen dazu und heute waren es - auf einer Fläche von ungefähr Fußballfeldgröße - sieben verschiedene - große! -Tiefbaumaschinen, die sich darauf drängelten. Gewundert hat mich nur, dass sie heute nicht gearbeitet haben, so wie letztes Wochenende. Aber vielleicht haben sie ja den Zeitplan inzwischen wieder eingeholt - they are getting the job done ...


Wednesday, December 15, 2010

Mail Box

Wettschulden sind Ehrenschulden ... also bezahle ich sie auch.
Letzte Woche in der fotocommunity stand ein Bild zur Abstimmung zum Einzug in die Gallerie, das einen blauen Briefkasten zeigte. Der war unscharf, schief und auch sonst nicht sonderlich interessant - ein typisches Knipsbild, das jemand so im vorbeigehen gemacht hatte.
Ich wette ja sonst eher selten aber hier habe ich mich dann hinreißen lassen - wenn dieses üble Machwerk Zustimmung im zweistelligen Bereich bekommen würde, sähe ich mich gezwungen meinen eigenen Briefkasten abzulichten und auch ins Voting zu stellen, schrieb ich als Kommentar zu meiner ablehnenden Stimme.
Nun ja, das Ding bekam 20 Pro-Stimmen ... bei über 700 Contras. Also war ich dran, meine Ankündigung wahr zu machen,
Das Problem war nur, dass es am Wochenende den ersten Schnee hier gab und auch sonst ganz fieses, kaltes Wetter war. Egal, ich nass, meine Kamera nass, meine Hände blau gefroren ... aber die Fotos waren im Kasten.
Rein damit ins Voting und siehe da, nur 73 Abstimmer fanden das gut ... bei  575 Gegenstimmen. Immer noch viel, viel besser als die blaue Scheußlichkeit ... und für gerade mal eine Stunde Arbeit (inklusive Bearbeitung am PC) gar kein schlechtes Ergebnis. Und das soll erstmal einer besser machen ... :)
Und weil das allen Beteiligten so viel Spaß gemacht hat, werden wir jetzt versuchen eine Riesen-Collage zusammen zu bringen, mit den Briefkästen von möglichst vielen Leuten drauf. Ich bin ja mal gespannt ...

Sunday, December 12, 2010

Let it snow ...

In Minnesota haben sie heute Nacht einen guten halben Meter Schnee auf's Dach bekommen - worauf prompt das des Metrodome, einer riesigen Mehrzweckhalle, in der auch das NFL Team der Minnesota Vikings ihre Heimspiele austrägt, eingestürzt ist. Das Video davon ist hier zu sehen - lohnt sich ...
Das Spiel gegen die Giants, das heute dort statt finden sollte, musste aus offensichtlichen Gründen verschoben werden.

Nun ja, hier hat es heute auch angefangen zu schneien. Liegen geblieben ist davon allerdings noch nichts - aber für den morgigen Berufsverkehr sehe ich da schon ein heftiges Chaos auf uns zu kommen ...

Saturday, December 11, 2010

Santa Train

Wir haben hier ja dieses Eisenbahnmuseum vor der Haustür und die betreiben diesen Zug aus den 1930er Jahren, mit dem man an Wochenenden kurze Touren machen kann - einmal hin und zurück auf den drei Meilen Schienenstrang, die zum Museum gehören.
Durch diese Fahrten finanzieren sie den Erhalt, die Restaurierung und den Betrieb der historischen Züge und des Museums. Am meisten nehmen sie immer in der Weihnachtszeit ein, wenn an den drei Wochenenden vor Weihnachten der Santa Train fährt.
Dann  schmücken sie die Waggons festlich und Santa geht während der halbstündigen Fahrt durch die Reihen, lässt sich mit den Kindern fotografieren, verteilt kleine Geschenke und verbreitet generell weihnachtliche Stimmung.
Das haben wir heute mit unseren dreien auch gemacht - war eine Riesengaudi ...

Thursday, December 9, 2010

Ketchup & Fries

Da fährt man nun stundenlang über endlose Highways und irgendwann meldet sich dann der Magen. Aber irgendwo beim nächsten McDoof anzuhalten ist nicht frin, es sind ja nur noch zwei Stunden bis zum Ziel und bald wird es auch noch dunkel, da möchste man keine Zeit verschwenden. Aber tanken muß man mittlerweile auch, also verbindet man das eine mit dem anderen und kauft zum Spirt noch was essbares.
Nun ja ... legen wir den Begriff "essbares" hier mal etwas großzügig aus. 450 Kalorien pro Packung, davon gut die Hälfte vom Fett kommend, 240 mg Salz, keine Vitamine, kein Eisen, dafür aber auch kein Cholesterin und garantiert kein einziges Gramm der bösen, bösen Trans-Fette.
Ketchup und Fritten von Burger King ... aus der Tüte.
Im Grunde sind das nur Kartoffelchips, die so gewürzt sind, dass sie nach Ketchup und Fries schmecken ... aber original so wie bei Burger King!
Natürlich war ich außer hungrig auch noch neugierig, als ich da so durch die Tankstelle in der alabamischen Provinz strich - also habe ich sie ausprobiert.
Und danach war mir die ganzen letzten zwei Stunden der Fahrt richtig übel ... obwohl ich noch nicht einmal die Hälfte der Tüte gegessen hatte. Ich glaube, irgendwie hat meinem Magen der Whopper dazu gefehlt ...

Friday, December 3, 2010

Art

Manchmal müssen wir uns einfach mal etwas gönnen zwischendurch. Außerdem war es Zeit unsere Wohnung mal wieder um zu dekorieren. Plus, wir hatten schon lange vor uns ein Bild eines lokalen Künstlers hin zu hängen.
Also sind wir gestern los gezogen, nach 16 Main. Das ist eine kleine Künstlerkolonie hier in Madison. Durch Terry Hale, die Dame mit den Glasperlen (siehe hier und hier), die diese Kolonie gegründet hat aber mittlerweile zu anderen Ufern aufgebrochen ist, haben wir eine besondere Beziehung zu 16 Main. und die Malerin unseres Bildes, Michelle Lee, kenne ich durch meine Besuche in den Anfangszeiten dort, auch. Und da uns ihr Bild in der französischen Chinoiserie-Technik des 17ten Jahrhunderts auf Anhieb gefallen hat, war das eine Entscheidung in Sekundenbruchteilen.
Und ganz ehrlich, knappe hundertsechzig Dollares sind nun auch nicht so exorbitant viel für ein originales Gemälde. Da habe ich für den Pavel Kaplun, der in der Bibliothek hängt, deutlich mehr bezahlt ...

Friday, November 26, 2010

A Country Christmas

Nun schon zum 27. Mal schmückt sich das Opryland Hotel in Nashville ab Mitte November bis zum Jahresende weihnachtlich. Der Aufwand ist dabei erheblich - immerhin handelt  es sich beim Opryland um das größte Hotel in den USA ... außerhalb von Las Vegas ... mit 2881 Räumen, über 40000 Quadratmetern an Austellungs- und Konferenzraumfläche, 6 Restaurants, 8 Schnellimbissen und einem Nachtclub.

Das Hotel besteht aus mehreren separaten, jedoch über Treppen, Brücken und Durchgänge miteinander verbundenen Flügeln - jeder so groß wie mehrere Fußballfelder,  mit Wasserfällen, Palmen, Blumen und Bäumen im Innenhof und den Hotelzimmern außen drumherum. Gigantisch ist das Wort, das einem unweigerlich dazu einfällt.

Nun also war es wieder so weit, die Hallen mit allerlei weihnachtlichen Dekorationen zu behängen.
Und da heute, am Tag nach Thanksgiving, weder Schule, noch Kindergarten noch Dienst war, sind wir einfach mal hin gefahren um uns die Show anzusehen.
Und mit uns noch tausende andere Leute ...
Ich weiß nicht, irgendwie haben wir in Tennessee kein Glück mit den dortigen Attraktionen - schon in den Smoky Mountains vor ein paar Wochen haben wir viel Zeit in diversen Staus verbracht.

Aber egal, einmal da haben wir das dann auch durch gezogen. Wobei ich sagen muss, dass ich ein wenig enttäuscht war - die Dekoration war nicht gerade sparsam aber auch nicht so überbordend wie das letzte Mal, dass ich dort gewesen bin, so um das Jahr 2000 herum.

Das kann auch durchaus etwas mit der Flut zu tun haben, die das Hotel im Mai diesenn Jahres, wie das restliche Nashville auch, unter Wasser gesetzt hatte.
Tatsächlich konnte das Hotel erst am 19. November, also vor gut einer Woche, erst wieder geöffnet werden, so sehr war es in Mitleidenschaft gezogen worden. Die riesige Mall übrigens, die gleich daneben war, ist bis auf ein Geschäft an einer Ecke des Komplexes immer noch dicht - das sieht aus wie in einem heruntergekommenen Großstadtviertel dort.

Nun ja, jetzt sind wir also da gewesen, haben diese Attraktion auch abgehakt, und - das wichtigste überhaupt - hatten die Gelegenheit bei Bravo Gelateria ein Eis zu essen. Dort gibt es nämlich das beste Eis diesseits des Mississippi, nicht so ein künstliches hauptsächlich süßes Schlabberzeugs, sondern echtes handgemachtes Gelato ... dafür hatten sich die insgesamt vier Stunden Fahrt dann doch gelohnt ...



Monday, November 22, 2010

November ...

Warm war's heute - es ist Ende November und wir haben T-Shirt Wetter ...

Sunday, November 21, 2010

Silver Specter

Von allen Football-Fans hier in Amiland gelten die der Oakland Raiders als die verrücktesten, fanatischten und loyalsten. Habe ich selbst miterleben können, als ich vor ein paar Wochen mit meinem Freund Gerry, dem Raiders Fan, zum Spiel der Tennessee Titans gegen die  ... natürlich, Oakland Raiders nach Nashville gefahren bin.
Er hatte ja nur ein Shirt in den Teamfarben an - aber da liefen genug schräge Typen mit Gesichtsbemalung, Gummimasken und allerlei anderer Accessoires herum.

Und dann heute auf dem Parkplatz des örtlichen Target, ich wollte gerade Bagels für's Frühstück holen - dieses hier. Ich hätte den Typen dem das Gefährt gehört gerne mal gesehen und ihn gefragt wie viel Geld er in dieses Spaßmobil gesteckt hat ...

Saturday, November 13, 2010

BB-60

... und dann, da ich schon mal in der Ecke war und Mobile nur eine gute Stunde von Pensacola entfernt ist, bin ich auf der Rückfahrt noch mal eben bei der USS Alabama vorbei gefahren. Das ist ein Schlachtschiff aus dem zweiten Weltkrieg, das seit 1964 als Museumsschiff in der Mobile Bay vor Anker liegt.

Auch dort bin ich bereits ein paar Mal gewesen während meiner letzten Tour. Aber hier hatte sich dann doch einiges erheblich verändert. Nicht nur, dass sie das U-Boot USS Drum nun aus dem Wasser auf Land gezogen haben, auch einige Flugzeuge sind neu hinzu gekommen und sie haben eine sehr große Halle errichtet, um die Flieger auszustellen.

Nur das Schlachtschiff ist immer noch so, wie ich es das letzte Mal verlassen hatte - nur vielleicht ein wenig rostiger inzwischen ...

Blues

Und schon wieder mal eben 1300 km an einem Wochenende herunter gerissen ... Diesmal nach Pensacola, Florida, zur Blue Angels Homecoming Air Show.
Die Blues sind das Kunstflugteam der US Navy und am Ende jeder Air Show Saison veranstaltet die Heimatbasis in Pensacola über Veterans Day drei Tage lang eine Willkommens-Party für sie - bei der natürlich auch geflogen wird ...
Ich bin vor acht oder neun Jahren das letzte Mal da gewesen - aber so furchtbar viel verändert hat sich eigentlich nichts.

Immer noch - oder schon wieder - kommt man ohne Kontrolle auf die Base. Am Eingangstor gibt es zwei Spuren für Base-Angehörige, mit ID-Card vorzeigen und so weiter und daneben eine Spur für Besucher. Ohne Kontrolle. Einfach durch fahren und gut ist. Und gleich nach dem Eingangstor vereinigen sich die drei Spuren sowieso gleich wieder zu einer Straße ... völlig plemplem. Und wenn ich nun ein böser Bube bin, dann hält mich jetzt genau was davon ab in der Base herum zu fahren und ... na ja, irgendetwas Böses zu machen eben.

Aber das geht auf dieser Base auch gar nicht anders, denn außer einmal im Jahr für drei Tage eine Air Show, beherbergt sie permanent das zweihundert Jahre alte Fort Barrancas, einen alten Leuchtturm und das nationale Marineflieger Museum - alles frei zugänglich für jedermann und wie gesagt, mitten auf der Base. Man sollte mal davon ausgehen, dass die wissen was sie tun ...

Die Air Show selber war dann wieder so, wie sie immer schon war - bestes Wetter, ein paar militärische Flieger, sehr viele zivile Kunstflieger, Fallschirmspringer, jede Menge nationales Pathos ... apropos, die Nationalhymne, ohne die natürlich die Show nicht gestartet werden kann, wurde dieses Mal von der weiblichen Vokalgruppe der Base gesungen - schröcklich schief, zum zehennägelaufrollen. Und sechs ehemalige Feuerwehrleute aus New York, die bei 9/11 im Einsatz waren, hatten sie als Ehrengäste da. Pathos eben, und davon reichlich.

Die Show der Blues fand ich diesmal nicht so toll, weil sie in diesem Jahr viele der spektakuläreren Elemente nicht mehr im Programm hatten und sich mehr auf den präzisen, unglaublich engen Formationsflug beschränkten. Trotzdem war es wieder eine Freude und ein tolles Erlebnis, auf einer Air Show gewesen zu sein. Aber in den nächsten zehn Jahren muss ich zur Homecoming Party der Blues nicht unbedingt nochmal hin ...





Sunday, November 7, 2010

Georgia Dome - Home of the Falcons

750 km fahren um ein Football Spiel zu sehen. Verrückt ...
Aber irgendwann vor einem Monat oder so kam mir der Gedanke, dass ich bisher immer nur in Nashville bei den Titans war und dass Atlanta ja nur vier Autostunden entfernt ist. So vor zehn Jahren bin ich immer nach Atlanta zum Baseball gefahren - ganz früh morgens hin, in der Hitze im Stadion ordentlich durchgekocht, völlig fertig wieder zurück. Wie gesagt, vor zehn Jahren ging das noch, heute als Familienvater und Mann in den besten Jahren lässt man es dann doch etwas ruhiger angehen. Also bin ich Samstag hin gefahren, habe die Nacht im Hotel verbracht, bin am Sonntag morgen noch schnell beim IKEA vorbei und habe mir dann in aller Ruhe das Spiel angesehen.

Die Falcons aus Atlanta spielen in einem Dome - einer übergroßen Sporthalle. Überdacht, klimatisiert ... irgendwie klinisch, steril und für Football eher merkwürdig. Ich erinnere mich noch an das letzte Playoff-Spiel der Titans zu Hause gegen die Ravens, im Januar 2009. Da hat es gestürmt, geschneit, es war ungemütlich, wir haben alle gefroren - aber DAS ist Football. Nur Sissys spielen in einem Dome ...

Nun ja, in Atlanta tun sie das halt und natürlich ist es ganz angenehm für die Zuschauer. 62578 haben das an diesem Sonntag auch gefunden und sind zum Spiel gekommen. Der Georgia Dome fasst 71228 Leute.
Die Titans haben seit zehn Jahren, seit sie in ihrem neuen Stadion am Cumberland River spielen, JEDES Spiel ausverkauft - inklusive der Trainingsspiele in der Vorsaison. Als ich mich dazu entschlossen hatte nach Atlanta zu fahren, hatte ich wenig Hoffnung vier Wochen vor dem Spiel überhaupt noch eine Eintrittskarte zu bekommen. Tatsache hatte ich dann einen Platz auf Höhe der 50 Yard Linie - besser geht es nicht. Meine Plätze bei den Titans sind immer in der Kurve an einem Ende des Stadions, so auf Höhe der 10 Yard Linie - wenn ich überhaupt Tickets bekomme. Letztes Jahr hat es drei Minuten gedauert und alle Tickets waren ausverkauft - für die gesamt Saison (es gehen nur etwa 6000 Tickets pro Spiel in den freien Verkauf, die restlichen 50000 sind Dauerkarten ...).
Könnte daran liegen, dass Atlanta Teams in allen der großen Profi-Sportarten hat und die Leute einfach die Auswahl haben. Oder aber die Titans Fans sind einfach loyaler ...

Allerdings kamen mir die Atlanta Fans ein wenig fanatischer vor. Um mich herum saßen sehr viele Leute, die sich benahmen wie in einem europäischen Fußballstadion. Da wurde der Schiedsrichter ständig mit Fäkalausdrücken belegt, die Spieler des anderen Teams verhöhnt und sich die Lunge aus dem Hals geschrien - das allerdings nur auf Aufforderung eines Einpeitschers. In Nashville muss den Leuten niemand sagen, wann sie Lärm zu machen haben ... Auch sollte man meinen, wenn 63000 Leute in einer Halle schreien, macht das mehr Lärm als 56000 Leute in einem Freiluftstadion. Nicht wirklich, bei den Titans ist es tatsächlich lauter. Der Dome mag vielleicht eine merkwürdige Akustik haben ...

Am Fan, der direkt hinter mir saß, lag es jedenfalls nicht, dass die Lautstärke etwas zu wünschen übrig ließ. Der schrie das ganze Spiel über und jedesmal kam dabei ein Schwall abgestandener, penetranter Mundgeruch mit. So einer von der Sorte, wenn man sich zehn Tage nicht die Zähne putzt und vor dem Spiel noch einen Jumbo-Chili-Hot-Dog reinpfeifft.

Das Spiel selber war dann allerdings eines der besten, das ich live je gesehen habe. Spannend bis zum Schluss, dramatisch und mit allem, was Football so aufregend macht - Falcons 27, Buccaneers 21..
Die Falcons sind mit diesem Sieg nun Tabellenführer und die Buccaneers haben sich teuer verkauft und damit gezeigt, dass mit ihrem jungen Team in der Zukunft zu rechnen ist.
Alles in allem mal wieder ein tolles Erlebnis. Und dafür sind 750 km schon mal in Ordnung ...







A piece of Europe ...

Na ja, eigentlich hatte ich gar nicht vor zum IKEA zu fahren ... aber da ich nun schon einmal in Atlanta war, etwas Zeit hatte bevor das Football Spiel begann und der Laden auf dem Weg zum Georgia Dome lag - also hin.
Und in einer halben Stunde wieder mal viel zu viel Geld ausgegeben. Bettwäsche für die Kinder, große Kaffeetassen für meine Frau, durchsichtige Sammelboxen für mich, jede Menge Daim, auch für mich. Das übliche halt.
Aber irgendwie hat das dann doch total gut getan - das war so ein vertrautes Gefühl, so ein "Oase-in-der-Wüste" Moment, als ich durch die Abteilungen ging, Abkürzungen nahm und im Marketplace vor einer Kanne aus der gleichen Porzellanserie wie die Tassen meiner Frau stand und überlegte, ob ich die jetzt auch noch einpacken sollte. Sie ist ja schön aber wozu brauchen wir eine Kanne??! Vor derselben Kanne hatte vor zwei Monaten auch meine Frau schon gestanden, als sie übers Wochenende in Atlanta war. Ich habe sie dann, wie meine Frau, stehen gelassen - ein Grund, nochmal zurück zu kommen, wenn wir uns schließlich doch noch einen Nutzungszweck dafür ausgedacht haben ...


Y2K plus 10

Ich war über Nacht in Atlanta - war mir zu anstrengend, vier Stunden hin zu fahren, vier Stunden Football Spiel zu gucken und vier Stunden wieder zurück zu fahren. Bin ja keine zwanzig mehr ...
Also habe ich ein paar meiner Hotelpunkte, die ich mit den ganzen Dienstreisen übers Jahr so eingesammelt hatte, benutzt und habe aus dem Besuch des Football Spiels ein Zwei-Etappen-Angelegenheit gemacht.
Das Embassy Suites Hotel in Marietta ist nix besonderes, ich als Silber-VIP bekomme immer eine etwas größere Suite bei dieser Kette, ansonsten ist das ein Hotel wie jedes andere hier in den USA auch.
Nun ja, nicht ganz - deren Computersystem funktioniert nicht so toll.
Heute Nacht hatten wir hier Umstellung auf Winterzeit - und um Punkt zwei Uhr neuer, drei Uhr alter Zeit, ging der Feueralarm los. Alles raus aus den Betten, über die Treppe nach draußen in die Nacht. In die eiskalte, unter dem Gefrierpunkt befindliche Nacht.
Eine Stunde draußen gewartet, bis die Feuerwehr und irgendein eiligst herbeigerufener Computerfuzzy sichergestellt hatten, dass dem Alarm kein Feuer zugrunde lag, sondern dass nur das Computersystem sich wegen der Zeitumstellung irgendwie verschluckt hatte.
Um die große Jahr-2000-Computerpanne bin ich damals ja glimpflich herum gekommen. Aber letzte Nacht hat der Maschinensklave dann doch noch zugeschlagen - indem er mir einfach eine Stunde Sommerzeit-Schlaf geklaut hat ...

Tuesday, November 2, 2010

Election Day

Heute waren hier in Amiland Wahlen. Zwei Jahre, nachdem sie den Präsidenten gewählt haben, also zur Hälfte seiner Amtszeit, wird der Kongress neu gewählt, Senatoren in einigen Staaten, Gouverneure von vielen Bundesstaaten, Bürgermeister, Richter, Polizeichefs ... die ganze Bandbreite der politischen Ämter.
Das ist an und für sich ein sehr gutes Verfahren - gefällt der Präsident, so wählt man seine Parteifreunde und er kann in Ruhe die nächsten zwei Jahre regieren. Gefällt er nicht, verpasst man ihm einen Denkzettel und er muss die letzten zwei Jahre seiner Amtszeit mit einem feindlich gesinnten Kongress klar kommen.
Und diesmal sieht es so aus, als ob der gegenwärtige Amtsinhaber einen richtig heftigen Denkzettel verpasst bekommt.
Die Linken, die ihn gewählt haben, sind sauer weil die Reformen, die er versprochen hat nur halbherzig, verzögert oder gar nicht durchgeführt werden. Guantanamo ist noch nicht geschlossen und wird wohl auf unbestimmte Zeit weiter betrieben, aus Irak und Afghanistan kommen nur schlechte Nachrichten, die Wirtschaft jammert, viele haben durch den Börsen-Crash in 2008 Haus und Hof verloren, die hohe Staatsverschuldung verhindert weitreichende Reformen und die Terroristen haben die USA immer noch im Visier. Wie bitte, das sind alles Hinterlassenschaften der vorherigen Regierung? Aber Obama hatte doch vollmundig Veränderung versprochen! Und alle hatten ihm geglaubt. Nun sind sie wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen und unzufrieden. Und dafür muss er büßen, dieser verdammte schokoüberzogene Dreckskommunist. Und ein illegaler Einwanderer ist er noch dazu, jeder weiß doch dass seine Geburtsurkunde gefälscht ist und ein Muslim ist er noch dazu, der schokoüberzogene dreckskommunistische Muslimterrorist.
Uuups, da habe ich mich wohl ins rechte Lager verirrt. Die kennen mit solchen liberalen Schhwulenfreunden kein Pardon - Obama muss weg, und wenn nicht durch einen Urnengang, dann ...
"Leave me my gun, my truck and my money - and keep your change" - das lese ich mittlerweile immer häufiger auf Autostoßstangen: Lass mir meine Knarre, meinen Kleinlastwagen und mein Geld - und behalte deine Veränderung (wobei das ein Wortspiel ist - change bedeutet nämlich auch Wechselgeld).
Oder auch die Parole "Holen wir uns unser Land zurück" ist sehr oft zu lesen. Amerika den Amerikanern, es gehört den weißen Ureinwohnern und nicht den dahergelaufenen Immigrantenkindern.

Die Diskussion über solche Themen wie Gesundheitsreform (Pflichtversicherung für alle - in Deutschland seit 150 Jahren bewährt, hier als Todesschwadron der Regierung dargestellt), Umweltbewusstsein (die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko - alles eine Propaganda-Lüge der Regierung, ich war letztes Wochenende selber da und habe nicht einen verreckten Vogel gesehen ...), die Duldung von Homosexuellen in den Streitkräften (lieber lasse ich mir das Hirn rausbomben als mich von so einem warmen Bruder verteidigen zu lassen ...), die Bankenrettung durch den Staat (unsere Steuergelder wurden denen in den Rachen geworfen - man hätte sie alle kaputt gehen lassen sollen, das Pack) wird hier in einem Ton und mit Schlagwörtern geführt, die in Deutschland den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen würden - locker, so zwei- bis dreimal.
Sehr, sehr heftig. Und noch einen Zacken schärfer als vor zwei Jahren - jetzt als Liberaler bezeichnet zu werden kommt einem politischen Todesurteil nahe. Dabei haben die hier nun wirklich keine Ahnung, was liberale Politik eigentlich ist. Vielleicht sollten wir Guido mal vorbei schicken, damit er sie mal aufklären kann. Aber nee, der ist ja ein Homo und sicher auch Muslim, also kein richtiger Mensch. Ein Liberaler eben.

Sonst ist aber zum Glück alles beim Alten. Es gewinnt immer noch der Kandidat, der am meisten Geld für Werbung ausgeben kann - wobei seit kurzem die Wirtschaft per höchstrichterlichem Beschluss nicht mehr offen legen muss, an wen sie spendet, so dass man sich gar nicht mehr sicher sein kann, ob man nun Apple oder Microsoft wählt. Verwirrend.
Also besser den wählen, der am meisten Einsatz zeigt - und sei es auch nur, dass er Brigaden von Helferlein zur morgendlichen und abendlichen Rush-Hour an die wichtigsten Kreuzungen im Stadtgebiet aufmarschieren und dort Plakate schwenken lässt, auf denen so Wörter wie "aufrecht", "familienorientiert", "loyal", "konservativ" oder "den amerikanischen Werten verpflichtet" stehen. Die kann man im Vorbeifahren gerade noch so erfassen und wer hat schon Zeit sich mit Wahlprogrammen zu beschäftigen. Außerdem lügen die ja doch alle wie gedruckt, siehe Obama.
Es ist sowieso viel wichtiger, ob Bama nun in drei Wochen Auburn schlagen wird und so den Tigers ihre Titelchancen kaputt macht. Bis dahin wird dann dieser schmutzige Grabenkrieg, der sich Wahl nennt sowieso schon längst wieder vergessen sein und alle sind zum alten Trott zurück gekehrt - Panem et Circensis ...