Heute waren hier in Amiland Wahlen. Zwei Jahre, nachdem sie den Präsidenten gewählt haben, also zur Hälfte seiner Amtszeit, wird der Kongress neu gewählt, Senatoren in einigen Staaten, Gouverneure von vielen Bundesstaaten, Bürgermeister, Richter, Polizeichefs ... die ganze Bandbreite der politischen Ämter.
Das ist an und für sich ein sehr gutes Verfahren - gefällt der Präsident, so wählt man seine Parteifreunde und er kann in Ruhe die nächsten zwei Jahre regieren. Gefällt er nicht, verpasst man ihm einen Denkzettel und er muss die letzten zwei Jahre seiner Amtszeit mit einem feindlich gesinnten Kongress klar kommen.
Und diesmal sieht es so aus, als ob der gegenwärtige Amtsinhaber einen richtig heftigen Denkzettel verpasst bekommt.
Die Linken, die ihn gewählt haben, sind sauer weil die Reformen, die er versprochen hat nur halbherzig, verzögert oder gar nicht durchgeführt werden. Guantanamo ist noch nicht geschlossen und wird wohl auf unbestimmte Zeit weiter betrieben, aus Irak und Afghanistan kommen nur schlechte Nachrichten, die Wirtschaft jammert, viele haben durch den Börsen-Crash in 2008 Haus und Hof verloren, die hohe Staatsverschuldung verhindert weitreichende Reformen und die Terroristen haben die USA immer noch im Visier. Wie bitte, das sind alles Hinterlassenschaften der vorherigen Regierung? Aber Obama hatte doch vollmundig Veränderung versprochen! Und alle hatten ihm geglaubt. Nun sind sie wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen und unzufrieden. Und dafür muss er büßen, dieser verdammte schokoüberzogene Dreckskommunist. Und ein illegaler Einwanderer ist er noch dazu, jeder weiß doch dass seine Geburtsurkunde gefälscht ist und ein Muslim ist er noch dazu, der schokoüberzogene dreckskommunistische Muslimterrorist.
Uuups, da habe ich mich wohl ins rechte Lager verirrt. Die kennen mit solchen liberalen Schhwulenfreunden kein Pardon - Obama muss weg, und wenn nicht durch einen Urnengang, dann ...
"Leave me my gun, my truck and my money - and keep your change" - das lese ich mittlerweile immer häufiger auf Autostoßstangen: Lass mir meine Knarre, meinen Kleinlastwagen und mein Geld - und behalte deine Veränderung (wobei das ein Wortspiel ist - change bedeutet nämlich auch Wechselgeld).
Oder auch die Parole "Holen wir uns unser Land zurück" ist sehr oft zu lesen. Amerika den Amerikanern, es gehört den weißen Ureinwohnern und nicht den dahergelaufenen Immigrantenkindern.
Die Diskussion über solche Themen wie Gesundheitsreform (Pflichtversicherung für alle - in Deutschland seit 150 Jahren bewährt, hier als Todesschwadron der Regierung dargestellt), Umweltbewusstsein (die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko - alles eine Propaganda-Lüge der Regierung, ich war letztes Wochenende selber da und habe nicht einen verreckten Vogel gesehen ...), die Duldung von Homosexuellen in den Streitkräften (lieber lasse ich mir das Hirn rausbomben als mich von so einem warmen Bruder verteidigen zu lassen ...), die Bankenrettung durch den Staat (unsere Steuergelder wurden denen in den Rachen geworfen - man hätte sie alle kaputt gehen lassen sollen, das Pack) wird hier in einem Ton und mit Schlagwörtern geführt, die in Deutschland den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen würden - locker, so zwei- bis dreimal.
Sehr, sehr heftig. Und noch einen Zacken schärfer als vor zwei Jahren - jetzt als Liberaler bezeichnet zu werden kommt einem politischen Todesurteil nahe. Dabei haben die hier nun wirklich keine Ahnung, was liberale Politik eigentlich ist. Vielleicht sollten wir Guido mal vorbei schicken, damit er sie mal aufklären kann. Aber nee, der ist ja ein Homo und sicher auch Muslim, also kein richtiger Mensch. Ein Liberaler eben.
Sonst ist aber zum Glück alles beim Alten. Es gewinnt immer noch der Kandidat, der am meisten Geld für Werbung ausgeben kann - wobei seit kurzem die Wirtschaft per höchstrichterlichem Beschluss nicht mehr offen legen muss, an wen sie spendet, so dass man sich gar nicht mehr sicher sein kann, ob man nun Apple oder Microsoft wählt. Verwirrend.
Also besser den wählen, der am meisten Einsatz zeigt - und sei es auch nur, dass er Brigaden von Helferlein zur morgendlichen und abendlichen Rush-Hour an die wichtigsten Kreuzungen im Stadtgebiet aufmarschieren und dort Plakate schwenken lässt, auf denen so Wörter wie "aufrecht", "familienorientiert", "loyal", "konservativ" oder "den amerikanischen Werten verpflichtet" stehen. Die kann man im Vorbeifahren gerade noch so erfassen und wer hat schon Zeit sich mit Wahlprogrammen zu beschäftigen. Außerdem lügen die ja doch alle wie gedruckt, siehe Obama.
Es ist sowieso viel wichtiger, ob Bama nun in drei Wochen Auburn schlagen wird und so den Tigers ihre Titelchancen kaputt macht. Bis dahin wird dann dieser schmutzige Grabenkrieg, der sich Wahl nennt sowieso schon längst wieder vergessen sein und alle sind zum alten Trott zurück gekehrt - Panem et Circensis ...
Von Deutschland nach Alabama ... ein Abenteuer der besonderen Art. Erlebnisse, Gedanken, Absonderlichkeiten - was mir so ein- und auffällt. Und wieso der komische Name - We're French? Siehe rechts unter "About me" ...
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Tuesday, November 2, 2010
Tuesday, November 4, 2008
Barry O.
Sie hat sich dann doch getraut und ist wählen gegangen, unsere Südstaatenpflanze. Und natürlich hat sie McCain gewählt - die sichere Wahl, da weiß man was man hat.
Aber dann hat sie sich doch geärgert - weil ihr nämlich jemand auf dem Weg zurück ins Office erzählt hat, dass Obama eigentlich gar nicht so heißt, sondern seinen Namen irgendwann einmal von Barry in Barack geändert hat. Und siehe da - ein kurzer Blick ins Internet und sie fand jede Menge Bestätigung dafür.
Also, wenn er eigentlich Barry heißt, dann hätte sie ihn wohl eigentlich doch wählen können - oder nicht? Hin- und hergerissen haderte sie mit der verdammten Demokratrie, die sie zwingt solche Entscheidungen zu treffen.
Aber auch andere, viel, viel wichtigere Entscheidungen wurden heute getroffen. Das erst Ergebnis, das heute abend mit 100% ausgezählter Stimmen unmittelbar nach Schließen der Wahllokale feststand, war die Abstimmung darüber ob in Arab, einer kleinen Gemeinde vor den Toren Huntsvilles, von nun an Alkohol verkauft werden darf. 54% zu 46% dafür - na denn Prost!
Im Rennen der beiden Parkers, des Teufels gegen das Reptil, ist momentan noch keine Sieger auszumachen - einen Gewinner kann es dabei ja nicht geben, verlieren werden in jedem Fall die Leute hier im District, die schließlich durch einen dieser feinen Herren in Washington vertreten werden.
Außerdem werden heute auch noch jede Menge Tax Collectors, License Directors, Superitendents, Commissioners und Judges gewählt.
Steuereinnehmer, Autozulassungsstellendirektoren, Schulräte, Stadtplaner und Richter sind in Deutschland alles Beamte.
Was man sich hier davon verspricht, den Tax Collector zu wählen? Weniger Steuern? Nein, die Kandidaten warben damit, die Warteschlangen vor den Schaltern zu verkürzen.
Nun ja, damals als das Land noch spärlich besiedelt war, hat man solche Ämter in den Ortschaften reihum verteilt, damit nicht immer derselbe damit belastet wurde. Denn Geld gab es dafür nicht, das waren alles Ehrenämter. Heutzutage ist das natürlich alles ein ziemlicher Anachronismus - wie so manches in Amiland. Hier fährt man schließlich immer noch Supertrucks mit sechs Litern Hubraum, während der Rest der Welt auf Elektromotor-Sparmobile umsteigt.
Aber das ist ein anderes Thema.
Vielleicht wird ja alles anders, wenn Barry gewinnt und das Land einmal so richtig umkrempelt. wenn er sich traut - mit dem Namen ...
Nachtrag: Und dann war es doch kein richtig knappes Rennen. Gerade eben hat Sen. McCain seine Niederlage anerkannt und Obama zum Gewinn der Präsidentschaft gratuliert. Dann kann es ja losgehen ...
Aber dann hat sie sich doch geärgert - weil ihr nämlich jemand auf dem Weg zurück ins Office erzählt hat, dass Obama eigentlich gar nicht so heißt, sondern seinen Namen irgendwann einmal von Barry in Barack geändert hat. Und siehe da - ein kurzer Blick ins Internet und sie fand jede Menge Bestätigung dafür.
Also, wenn er eigentlich Barry heißt, dann hätte sie ihn wohl eigentlich doch wählen können - oder nicht? Hin- und hergerissen haderte sie mit der verdammten Demokratrie, die sie zwingt solche Entscheidungen zu treffen.
Aber auch andere, viel, viel wichtigere Entscheidungen wurden heute getroffen. Das erst Ergebnis, das heute abend mit 100% ausgezählter Stimmen unmittelbar nach Schließen der Wahllokale feststand, war die Abstimmung darüber ob in Arab, einer kleinen Gemeinde vor den Toren Huntsvilles, von nun an Alkohol verkauft werden darf. 54% zu 46% dafür - na denn Prost!
Im Rennen der beiden Parkers, des Teufels gegen das Reptil, ist momentan noch keine Sieger auszumachen - einen Gewinner kann es dabei ja nicht geben, verlieren werden in jedem Fall die Leute hier im District, die schließlich durch einen dieser feinen Herren in Washington vertreten werden.
Außerdem werden heute auch noch jede Menge Tax Collectors, License Directors, Superitendents, Commissioners und Judges gewählt.
Steuereinnehmer, Autozulassungsstellendirektoren, Schulräte, Stadtplaner und Richter sind in Deutschland alles Beamte.
Was man sich hier davon verspricht, den Tax Collector zu wählen? Weniger Steuern? Nein, die Kandidaten warben damit, die Warteschlangen vor den Schaltern zu verkürzen.
Nun ja, damals als das Land noch spärlich besiedelt war, hat man solche Ämter in den Ortschaften reihum verteilt, damit nicht immer derselbe damit belastet wurde. Denn Geld gab es dafür nicht, das waren alles Ehrenämter. Heutzutage ist das natürlich alles ein ziemlicher Anachronismus - wie so manches in Amiland. Hier fährt man schließlich immer noch Supertrucks mit sechs Litern Hubraum, während der Rest der Welt auf Elektromotor-Sparmobile umsteigt.
Aber das ist ein anderes Thema.
Vielleicht wird ja alles anders, wenn Barry gewinnt und das Land einmal so richtig umkrempelt. wenn er sich traut - mit dem Namen ...
Nachtrag: Und dann war es doch kein richtig knappes Rennen. Gerade eben hat Sen. McCain seine Niederlage anerkannt und Obama zum Gewinn der Präsidentschaft gratuliert. Dann kann es ja losgehen ...
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Monday, November 3, 2008
Scared
Wen soll man nur wählen am Dienstag?
Heute sprach ich mit einem echten Südstaatengewächs, Anfang dreißig, darüber und sie sagte mir, dass sie zu verunsichert sei um überhaupt eine Entscheidung zu treffen.
John McCain ist für sie ein typischer Republikaner, der seine reichen Freunde nur noch reicher machen will und sich nicht um die einfachen Leute kümmert.
Und eigentlich hat sie ja schon immer demokratisch gewählt ... aber nun diesen Obama ins weiße Haus bringen? Da gibt es diese Bumper-Sticker, die sie an anderen Autos gesehen hat, mit "Obama bin Laden" darauf. Und wenn die doch recht haben und er irgendwie unter einer Decke steckt mit den Terroristen? Dann wäre sie schuld wenn dieser Mann mit dem merkwürdigen Namen Amerika seinen Feinden ausliefert.
Nein, dieser Name spricht nun überhaupt nicht für ihn. Die Hautfarbe ist ihr egal, schließlich hat sie auch schwarze Freunde und holt gerade ihren College-Abschluß nach, also weiß sie dass die auch ganz normale Menschen sind. Aber dieser Name ... und ist sein Mittelname nicht auch Hussein? Wie Saddam, da bekommt sie Schüttelfrost und Gänsehaut und traut sich nicht mehr aus dem Haus.
Unglaublich - aber wahr!
Was mit Alpträume verursacht ist dieses Szenario:
McCain wird Präsident und kurz nach der Amtsübernahme trifft ihn der Schlag. Er ist ja nun schon nicht mehr der jüngste, hat Krebs und seine Zeit als Kriegsgefangener im Hanoi Hilton hat auch nicht gerade zu einer eisernen Konstitution beigetragen.
But, no big deal, dafür haben sie ja einen Vize in der Hinterhand.
Yeah, right - Sarah Six-Pack, die Caribou-Barbie aus dem Norden, die Hockey-Mom mit der politischen Erfahrung eines Polarbären wird das dann schon machen.
Wir hatten nun das manchmal unterhaltsame und durchaus zweifelhafte Vergnügen, der Dame zwei Monate lang praktisch nicht entgehen zu können.
Wenn sie wenigstens wüßte, dass sie nix kann. Aber da behauptet sie doch in einem Interview, sie hätte jede Menge aussenpolitische Erfahrung, weil Alaska ja ganz dicht bei Russland liegen würde und überhaupt von lauter Ausland umgeben sei. Hmm .... Kanada. Und das zählt irgendwie eigentlich so gar nicht richtig als Ausland hier.
Der neueste Witz über Sarah? Sie war nbeulich mal wieder zuhause in Alaska und da hat sie den Vollmond gesehen. Und jetzt ist sie Astronaut ...
Nein, ganz ernsthaft - der gute Wladimir Putin würde doch vor Lachen eine ganze Woche unter dem Tisch liegen ... bevor er sie dann mit bloßen Händen zerreissen würde. Der Mann hat ein Judo-Lehrvideo herausgebracht, um Himmels willen! Ob dagegen hilft, mit Stöckelschuhen um sich zu schmeissen ...?
Nee, das will ich lieber doch nicht erleben. Also, bei allen Zweifeln über Obamas wahre Absichten, er ist ein junger gesunder Mann und sollte eine Wahlperiode als Präsident locker überstehen. Und das habe ich dann auch der Südstaatlerin zu denken gegeben. Manchmal muß man eben ein bißchen um die Ecke denken.
Heute sprach ich mit einem echten Südstaatengewächs, Anfang dreißig, darüber und sie sagte mir, dass sie zu verunsichert sei um überhaupt eine Entscheidung zu treffen.
John McCain ist für sie ein typischer Republikaner, der seine reichen Freunde nur noch reicher machen will und sich nicht um die einfachen Leute kümmert.
Und eigentlich hat sie ja schon immer demokratisch gewählt ... aber nun diesen Obama ins weiße Haus bringen? Da gibt es diese Bumper-Sticker, die sie an anderen Autos gesehen hat, mit "Obama bin Laden" darauf. Und wenn die doch recht haben und er irgendwie unter einer Decke steckt mit den Terroristen? Dann wäre sie schuld wenn dieser Mann mit dem merkwürdigen Namen Amerika seinen Feinden ausliefert.
Nein, dieser Name spricht nun überhaupt nicht für ihn. Die Hautfarbe ist ihr egal, schließlich hat sie auch schwarze Freunde und holt gerade ihren College-Abschluß nach, also weiß sie dass die auch ganz normale Menschen sind. Aber dieser Name ... und ist sein Mittelname nicht auch Hussein? Wie Saddam, da bekommt sie Schüttelfrost und Gänsehaut und traut sich nicht mehr aus dem Haus.
Unglaublich - aber wahr!
Was mit Alpträume verursacht ist dieses Szenario:
McCain wird Präsident und kurz nach der Amtsübernahme trifft ihn der Schlag. Er ist ja nun schon nicht mehr der jüngste, hat Krebs und seine Zeit als Kriegsgefangener im Hanoi Hilton hat auch nicht gerade zu einer eisernen Konstitution beigetragen.
But, no big deal, dafür haben sie ja einen Vize in der Hinterhand.
Yeah, right - Sarah Six-Pack, die Caribou-Barbie aus dem Norden, die Hockey-Mom mit der politischen Erfahrung eines Polarbären wird das dann schon machen.
Wir hatten nun das manchmal unterhaltsame und durchaus zweifelhafte Vergnügen, der Dame zwei Monate lang praktisch nicht entgehen zu können.
Wenn sie wenigstens wüßte, dass sie nix kann. Aber da behauptet sie doch in einem Interview, sie hätte jede Menge aussenpolitische Erfahrung, weil Alaska ja ganz dicht bei Russland liegen würde und überhaupt von lauter Ausland umgeben sei. Hmm .... Kanada. Und das zählt irgendwie eigentlich so gar nicht richtig als Ausland hier.
Der neueste Witz über Sarah? Sie war nbeulich mal wieder zuhause in Alaska und da hat sie den Vollmond gesehen. Und jetzt ist sie Astronaut ...
Nein, ganz ernsthaft - der gute Wladimir Putin würde doch vor Lachen eine ganze Woche unter dem Tisch liegen ... bevor er sie dann mit bloßen Händen zerreissen würde. Der Mann hat ein Judo-Lehrvideo herausgebracht, um Himmels willen! Ob dagegen hilft, mit Stöckelschuhen um sich zu schmeissen ...?
Nee, das will ich lieber doch nicht erleben. Also, bei allen Zweifeln über Obamas wahre Absichten, er ist ein junger gesunder Mann und sollte eine Wahlperiode als Präsident locker überstehen. Und das habe ich dann auch der Südstaatlerin zu denken gegeben. Manchmal muß man eben ein bißchen um die Ecke denken.
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