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Wednesday, February 6, 2013

You will not take our Guns

Da fragt man sich ob die Amiländer nicht andere Sorgen haben ... zum Beispiel die schlechte Wirtschaftslage, die Drohnenpolitik des Präsidenten, das iranische Raumfahrtprogramm, die Blockade des Parlaments durch die Ultrakonservativen, das Playback-Gesinge bei der Amtseinführung des Präsidenten, Wetten-Dass ...?!
Nein, haben sie nicht. Denn wenn der muslimische Sozialist Obama die Drohnen gegen die eigene Bevölkerung los schickt hilft nur eines - gut bewaffnet sein. Das hat sogar ein historisches Vorbild - damals hieß der Präsident Abraham Lincoln und der war auch Marxist oder Kommunist oder Sozialist (ist sowieso alles das Selbe ...), schließlich hat er die Sklaven befreit, mit Gewalt. Wenn damals mehr Waffen in den Händen echter Patrioten gewesen wären ...


Monday, December 17, 2012

28

Heute morgen hat die Polizei vor der Schule unserer Kinder gestanden. Und nicht nur dort - alle Schulen in Nord-Alabama hatten heute eine Polizei-Eskorte. Das soll noch die ganze Woche so weiter gehen - dann fangen die Weihnachtsferien an. Die Gemüter werden sich bis dahin auch wieder beruhigt haben und man wird zur Normalität über gehen. Immerhin ist in einer Woche Weihnachten, da will man sich die Stimmung nicht völlig verderben lassen und jeden Tag daran erinnert werden was für eine schreckliche Tragödie sich letzten Freitag in Newtown, Connecticut zugetragen hat.
Womoeglich würde eine weitere Beschäftigung mit dem Amoklauf, der 28 Menschen das Leben gekostet hat, dazu führen dass man über Waffenbesitz, Waffengesetze und die Verantwortung der bis an die Zähne aufgerüsteten Gesellschaft für solche Massenmorde nachdenken muss. Gott bewahre!
Wobei der ja die kleinen unschuldigen Kinder auch nicht vor diesem schrecklichen Schicksal bewahrt hat. Was aber auch nur zu verständlich ist, wenn man den Aussagen von einigen politischen Rechtsaußen, Männern der Kirche und Vertretern der Waffenlobby glauben schenken darf, denn Gott wurde ja systematisch aus den Schulen verbannt und das habt ihr nun davon. Glaubt mehr, betet mehr, geht mehr zur Kirche und es wird euch nichts Schlimmes geschehen. Außer denen, die neulich erst in Tennessee mitten beim Gottesdienst von einem Amokschützen nieder geballert wurden. Müssen wohl heimliche Sünder gewesen sein, oder so.
Egal, es ist ja lang schon bekannt und wird auch dieser Tage immer wieder gerne noch mal von Politikern die wieder gewählt werden wollen, Männern der Kirche und der Waffenlobby wiederholt, dass Waffen keine Menschen töten, sondern es die Menschen sind, die andere Menschen töten.
Aber es hilft schon, vor allen Dingen wenn man ordentlich viele in kürzester Zeit zu ihrem Schöpfer schicken will, wenn man einfach in den nächsten Supermarkt gehen und sich ein kriegstaugliches Sturmgewehr kaufen kann. Und die passenden Hohlspitzgeschosse gleich dazu - die machen so schön große Löcher in kleinen Kinderkörpern.
Nun ist also die Entrüstung groß - auf der einen Seite darüber, wieder einmal um so viele unschuldige Menschen trauern zu müssen, und auf der anderen Seite darüber, dass nun wieder einmal alle unschuldigen Sturmgewehrbesitzer an den Pranger gestellt werden.
Ändern wird sich dadurch natürlich gar nichts. Wie soll man denn auch geschätzte 200 Millionen Waffen, die sich in Privatbesitz befinden, einsammeln können? Ohne einen Bürgerkrieg los zu treten geht das hier gar nicht, denn immerhin ist das Recht auf die eigene Waffe in der Verfassung verankert. Ob die Gründerväter, in der Zeit von Vorderladern und Schwarzpulver, damals allerdings automatische Pistolen und Sturmgewehre voraus gesehen habe, dürfte fraglich sein.
Nun ja, u das Gesicht zu wahren, Härte zu demonstrieren und wilden Aktionismus zu verbreiten, wird man demnächst die Sturmgewehre verbieten. Wieder einmal. Wie schon von 1994 bis 2004, als es verboten war 18 spezifische Gewehrmodelle herzustellen, zu verkaufen oder zu erwerben. Verkauft wurde das als Bann aller Sturmgewehre, tatsächlich jedoch gab es so viele legale Schlupflöcher (darunter die einfache Modifizierung und Um-Etikettierung der verbotenen Modelle), dass diese ganze Maßnahme reine Kosmetik war.
So wie der Polizist, der diese Woche morgens zum Unterrichtsbeginn vor der Schule unserer Kinder auftauchen wird.
Auf eine andere Art wird sich die Tragödie von Newtown allerdings auswirken. Da es hier in den USA keine Schulpflicht gibt, werden viele Eltern nun beschließen ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, da sie in den öffentlichen Schulen ja offensichtlich nicht mehr sicher sind. Dumm ist dabei nur, dass die Unterrichtsmaterialien, Lehrpläne, pädagogischen Schulungen und so weiter fest in der Hand der Kirche sind. Der fundamental-christlichen Kirche. Anstatt Evolution also Adam und Eva, statt dem Big Bang also die sieben Schöpfungstage, statt Frieden schaffen ohne Waffen also die Verteidigung des Grundrechts auf Waffenbesitz. Wobei dann die nächste Generation herangezogen wird, die treu glaubend nachplappert: Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen. Aber nur die, die nicht fest genug an Gott glauben.
Habt ihr heute schon gebetet? Oder tragt ihr stattdessen eine schusssichere Weste?
Armes Amerika ...

Und hier noch ein Zitat aus Facebook von heute:


Guns are not the problem ... Armes Amerika.

Sunday, October 28, 2012

Bulls Eye

In 57% aller Haushalte in Alabama gibt es mindestens eine Handfeuerwaffe. Damit ist Alabama unter den Top 5 in den USA.
Viele Leute bewahren allerdings ihre Knarren nicht notwendigerweise nur zu Hause auf, sondern haben sie im Handschuhfach ihres Autos deponiert oder tragen sie in der Handtasche mit sich herum. Das dürfen sie, wenn sie sich vom örtlichen Sheriff eine sogenannte "Concealed Weapons Permit" ausstellen lassen. Die bekommt man ganz einfach, sofern man nichts auf dem Kerbholz hat und dann darf man die Waffe am Mann/Frau tragen - allerdings ohne sie sichtbar werden zu lassen. Dass dürfen nur die Staatsorgane, zwecks der abschreckenden Wirkung.
Von rund 350.000 Einwohnern in Madison County haben gut 28.000 eine solche Lizenz, also ungefähr jeder 12. In ganz Alabama sind es 160.000 - allerdings hat man da nur die städtischen Gegenden erfasst, denn auf dem Land interessieren solche Fetzen Papier nicht wirklich.
Die Permits lassen sich die Sheriffs natürlich bezahlen - zwischen 10 und 20 Dollares liegt der übliche Satz. Der Permit muß jedes Jahr verlängert werden und so hat sich das zu einer netten kleinen Nebeneinkunftsquelle der Sheriffs entwickelt. Was die Amtsinhaber (Sheriff ist ein Wahlamt ...) damit machen bleibt ihnen überlassen - die meisten führen es dem eigenen polizeilichen Budget zu.
Nun ja, soweit sind wir noch nicht - denken aber mittlerweile wegen der zunehmend fraglicher werdenden Sicherheitslage im County (zu schnelles städtisches Wachstum bringt auch einige finstere Gestalten mit sich ...) über den Erwerb einer Waffe zur Selbstverteidigung nach. Heute waren wir bei einem Freund um einmal ein paar Waffentypen aus zu probieren. Scott besitzt eine Farm, zu der man nur kommt wenn man über eine recht große Wiese mitten im Wald fährt - eine Straße zu seinem Haus gibt es nicht. Und natürlich hat er auch einen eigenen kleinen Schießstand hinterm Haus. Und selbstredend hat er auch das dazugehörende Waffenarsenal.
Nun sind wir als friedliebende Deutsche ja von Haus aus eher skeptisch gegenüber der Bewaffnung der Massen. Aber hier in Amiland sieht es anders aus - da ist es fatal nur mit guten Vorsätzen bewaffnet in eine Schießerei verwickelt zu werden. Wie gesagt, wir überlegen noch ...


Saturday, July 30, 2011

Guns and Sons

Dass die Amiländer ihre Knarren über alles lieben ist ja hinlänglich bekannt.
Bei der Hunting & Fishing Expo waren sie da im Schlaraffenland. Ein interessantes Detail ist dabei, dass für Waffenkäufe bei Ausstellungen und Messen der sonst übliche Background Check und die dreitägige Wartezeit wegfallen - man darf die Knarre gleich so mit nehmen.
Aber gekauft wurde da gar nicht so viel - das dort anwesende Publikum war wahrscheinlich schon reichlich gut versorgt. Dafür aber umso mehr geguckt, gestaunt und in die Hand genommen - vor allen Dinge die Söhne der stolzen Jäger und Angler ergriffen die Gelegenheit mal so richtig nach Herzenslust mit den Knarren umgehen zu können. Hier nichts besonderes, man wächst halt mit Waffen auf und denkt sich nichts dabei. Als Europäer, gerade frisch unter dem Eindruck des Norwegen-Massakers, stellt sich die Gefühlslage eventuell etwas differenzierter dar ...


Tuesday, May 31, 2011

My Gun is my God ... no, wait, God is my Gun ... no, how about Guns and God ... yeah, that sounds right

Die Knarre geschultert, das kleine blonde Mädchen an der Hand, lief Opa von Stand zu Stand und ließ sich Gewehre und Munition und Gewehr- und Munitionszubehör zeigen.
Und da war er nicht der einzige auf dem Dog Days Flea Market in Ardmore gestern Morgen, die mit ihren Gewehren durch die Menge liefen. Allerdings war er der einzige, der seine kleine Enkelin dabei hatte.
Alle anderen verhielten sich aber genauso wie er - hier mal an einem Stand gucken, da ein Schwätzchen mit anderen Gewehrschulterern führen, sich gegenseitig die Knarren zeigen und überhaupt so tun als ob das das normalste von der Welt sei.
Ist es auch. Dies hier sind schließlich die USA, genauer die Südstaaten, noch genauer Alabama und Tennessee. Gott und Gewehre, das ist hier das Motto. Und "God and Guns" heißt auch das elfte Studioalbum von Lynard Skynard aus dem Jahre 2009 - das sind die mit "Sweet Home Alabama". Der Bible Belt ist schwerer bewaffnet als die durchschnittliche europäische Armee von heute.
Selbst ich als Ausländer hätte mir an einem der Stände ohne Probleme eine Knarre kaufen können. Die sonst obligatorischen Background Checks, ob man kein Terrorist, Mörder, iranischer Staatsbürger, Nordstaatler oder all of the above ist, entfallen nämlich bei solchen Events. Die gelten nur, wenn man die Knarre im Laden kauft. Dann muss man drei Tage warten bevor man sie abholen kann, damit die Homeland Security auswürfeln kann ob man damit nicht vor hat irgendeinen Schindluder zu treiben. Das funktioniert natürlich nicht wenn man das Geschäft am letzten Tag eines Flohmarktes tätigt - am nächsten Tag ist der Händler weg und der Deal kann nicht gemacht werden. Das geht natürlich nicht, Geld kommt hier immer vor Pseudosicherheit und ehe man wegen solcher Marginalien, die sowieso nur von finsteren Machtzentren in D.C. ausgedacht wurden um die Bevölkerung wehrlos zu machen damit man den Süden wieder gefahrlos knechten kann, ein Geschäft sausen lässt, müsste schon das Ende aller Tage vor der Tür stehen.
Also mit Bargeld und einem Führerschein bewaffnet kann sich dort jeder der nicht gerade wie Ali Turbanträger aussieht, sofort und auf der Stelle mit genügend Schießeisen und Munition versorgen um mal richtig die Sau raus zu lassen.
Und wem das nicht reicht, der kann sich eine kleine Kanone aus dem Bürgerkrieg zulegen. Die ist zwar ein altmodischer Vorderlader, macht aber bestimmt mächtiges Badabumm ...




Thursday, February 10, 2011

Make Love Not War

Jetzt ist Huntsville, Alabama also auch in Deutschland berühmt ... Bild sei Dank!

Es gibt hier einen Sex-Shop, Pleasures heißt der und bezeichnet sich selbst als "Upscale Romance Boutique", welcher sich zum kommenden Valentinstag einen tollen Werbe-Gag ausgedacht hat - man kann dort seine Waffen gegen Sex-Spielzeug eintauschen.
Nun sind wir hier in Amiland ja allerlei bizarre Werbeaktionen gewohnt aber das ist doch nun mal wirklich etwas innovatives.
Pleasures war hier bereits letztes Jahr in den Schlagzeilen, als sie ihren Drive-through eröffneten und alle Moralapostel gleich den Untergang des Abendlandes herauf dämmern sahen. Aber wenn ich hier Bankgeschäfte, Apothekeneinkäufe und Fast-Food-Bestellungen via Drive-through tätigen kann, wieso dann nicht auch andere Sachen?!
Nun ja, "andere Sachen" gingen ja noch aber Sex?! Da kann dann ja jeder schnell und unerkannt alle möglichen Dinge kaufen. Ein Sündenpfuhl!

Und jetzt das. Waffen gegen Dildos. Und was kommt als nächstes? Amerikanische Flaggen gegen Playboys, Country-und-Western CDs gegen das Stöhne-Lied von Serge Ginsburg und Jane Birkin ...?! Wo soll das hinführen? Wenn das so weitergeht, ist der der Anfang vom Ausverkauf aller amerikanischen Werte!
Na ja, wird schon nicht so schlimm werden, denn die echten Amiländer würden sich lieber ihren Schnipfi abschneiden lassen als ihre Waffen weg zu geben. Ein paar linke Liberale, Atheisten allesamt, und vielleicht ein paar Ausländer, Kanadier und so, werden dieses Angebot vielleicht in Anspruch nehmen.
Es ist also nicht der Untergang des Abendlandes, sondern vielmehr eine sehr zu begrüßende Aktion - je weniger Waffen in den Händen von Liberalen und Ausländern, desto sicherer können wir alle schlafen. Denn mit einem Dildo ist selbt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch niemand erschossen worden ...

Wednesday, January 12, 2011

Guns and Idiots

Ich habe mich gewundert - war doch gar kein Feiertag, kein sonstwie besonderes Datum. Und trotzdem war überall in Huntsville und Madison auf Halbmast geflaggt.
Und dann dämmerte es mir - das war wegen der Schießerei in Arizona, wo irgendein Spinner der Kongreßabgeordneten in den Kopf geschossen und sechs umherstehende Menschen, darunter ein kleines Mädchen, getötet hatte.
Na denn, die Nation trauert, am Sonntag wird in den Kirchen für die Familien der Opfer und für die immer noch mit dem Tode ringende Abgeordnete gebetet, das öffentliche Kopfschütteln ist groß, die Kommentare im TV und in der Presse sind betroffen. Business as usual.
Aber irgendwo ganz hinten, in einer dunklen Ecke der Seele, nahe dem kleinen Portal zur Hölle, das in uns allen schlummert und in das man besser nicht neugierig hineinlugt, wispert eine kleine Stimme: "Aber die Richtige getroffen hat es schon ...".
Und nach der Kirche geht man dann am Sonntag Abend zum Teekränzchen um mit anderen Teetrinkern über die Schlechtigkeit der Regierenden im allgemeinen und der liberalen Unamerikaner im Weißen Haus zu sinnieren. Und jeder dort hört diese Stimme, manche undeutlich und leise, andere laut und fordernd: "Es hat die Richtige getroffen ...!".
Aber man spricht nicht darüber, nickt sich nur wissend zu - ja, die anderen hören es auch. Sie wissen, wie man dieses Land rettet - nachladen und drauf halten, eine andere Sprache verstehen diese Elemente nicht.
Und in Arizona, da hat es endlich einer vorgemacht, hat einer den Mut gefunden nicht nur zu reden, sondern nachzuladen. Und die liebe Sarah, die Fadenkreuze auf Landkarten gemalt und verbale Zielmarkierungen verteilt hat, sieht sich plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass es in diesem Land tatsächlich Einfaltspinsel und Schwachköpfe gibt, die ihre Bürgerkriegsparolen ernst nehmen. Nein, die sie nicht nur ernst nehmen, sondern sie als Handlungsanweisung verstehen.
Was wird, wenn sie in zwei Jahren ins Weiße Haus einzieht? Müssen dann alle Liberalen ein gelbes Fadenkreuz auf ihrem Rücken tragen? Obama's Wahl hat das Land polarisiert, es verunsichert und mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Sarah's Wahl würde das Land spalten, ein Klima der Angst schaffen und das Land in ein inneres Chaos stürzen.
Währenddessen übt man sich in Betroffenheit und betet. Innehalten und verbal abzurüsten wäre die vernünftigere Lösung. Aber das wird nicht passieren. Die Gräben sind bereits zu tief und die Artillerie ist schon in Stellung gebracht. Im Wilden Westen nichts Neues ...

Friday, February 5, 2010

Killer Nation



Heute hat in der Discovery Middle School in Madison ein Schüler einen Mitschüler erschossen.
Der Killer, dessen Name nicht bekannt gegeben wurde weil er noch minderjährig ist, hat Todd Brown, 14, in den Hinterkopf geschossen - "weil er es verdient hatte", wie er nach den Aussagen von Augenzeugen sagte, nachdem der Streit im Gang beendet war und sich das Opfer in seinen Klassenraum begeben wollte.
Da ist man dann geschockt und sprachlos, denn soetwas erwartet man nicht in einer Schule wie Discovery, in der die meisten Schüler Kinder von Wissenschaftlern und Ingenieuren sind und zur oberen Mittelschicht gehören.
Anscheinend gehörten die beiden zu einer Gruppe von Schülern, die fasziniert von echten Jugend-Gangs in den Großstädten der USA waren und das dann "nachgespielt" haben - so wie wir früher Cowboy und Indianer oder Räuber und Gendarm gespielt haben.
Nur eben mit Platzpatronen oder laut "Peng Peng" rufend.
Hier, wo man Waffen allen Kalibers im Supermarkt kaufen kann, wird so ein Spiel dann schon mal ganz real.
Wobei der Grund für diesen feigen, kaltblütigen Mord anscheinend etwas damit zu tun hatte, dass der Killer nicht mehr mit machen wollte in der "Gang" und das Opfer ihn dann wohl in den bekannten sozialen Internetnetzwerken als Weichei und Aussteiger verhöhnt hat.
Also war der tödliche Schuß ein Racheakt, der sich auch über das Interesse am selben Mädchen, einem manipulierten Foto (Killer küßt Frosch oder so etwas in der Preislage) das in Facebook gepostet wurde oder das Gerücht, der Killer würde sich nur alle vier Wochen duschen, entwickelt haben könnte.
Jeder hat soetwas schon einmal erlebt - üble Nachrede, Gelächter, die Verletzung der persönlichen Ehre.
Dann prügelt man sich eben mit dem Verursacher, setzt selbst Gerüchte über ihn in die Welt oder schickt möglichst öffentlich in seinem Namen dem allgemein anerkannt ätzensten Mädchen oder Jungen der Schule eine Schachtel Pralinen.
Aber ihn erschießen? Das ist eine ganz andere Dimension. Und hier leider eher die Norm als die Ausnahme. Es kommt halt jeder, auch ein 14-jähriger, leicht an Waffen heran. Wahrscheinlich hatte sie sein Vater, ein unauffälliger  zur Selbstverteidigung unterm Kopfkissen liegen. Denn eine Pflicht für Waffenbesitzer, wie in Deutschland, ihre Schießeisen in einem Safe wegzuschliessen, gibt es hier nicht. 
Also passieren solche Sachen halt immer wieder. Das gehört hier zum Alltag und danach betet man zusammen, spricht sich gegenseitig Trost zu und legt ein paar Kränze am eingang der Schule nieder.
Im letzten Schuljahr hat es in den gesamten USA 22 solche Fälle gegeben. Die machen auch keine Schlagzeilen, weil es sich ja nicht um regelrechte Massaker mit vielen Toten handelt, sondern um einzelne Tragödien.
Zur Halbzeit dieses Schuljahres waren es bereits 11 Tote, man ist also auf dem Weg die Vorjahreszahl wieder zu erreichen. 
Und dieser Gewaltakt hilft nun mit, diese traurige Statistik zu befüllen.

Zum Glück, man muß es sagen obwohl es sicherlich zynisch klingt, war es "nur" eine Einzeltat und kein wildes herumgeballere mit zweistelligen Opferzahlen.
Sobald der Schuß gefallen war, ging die Schule in den sogenannten "Lock-Down" - alle Klassenzimmertüren werden automatisch verschlossen, damit eventuelle Killer, die auf mehr Opfer aus sind, an diese nicht mehr herankommen. Das ist eine der Lehren, die man aus dem Vorfall in Littleton gezogen hat, wo die Täter seelenruhig durchs Gebäude marschiert waren und in den Klassenzimmern ein Blutbad angerichtet hatten.
Unser Großer, der zum Zeitpunkt der Tat auch gerade dabei war die Klasse zu wechseln (das Opfer war in seiner Geschichtsklasse ...), wurde von der Lawine schreiender und angsterfüllter Kinder, die vom Tatort wegliefen, in einen Klassenraum gespült. Kaum drin, wurde die Tür auch schon verriegelt - und die Handys wurden gezückt. 
Zu dem Zeitpunkt war ich gerade im Flugzeug auf dem Weg von Charlotte nach Huntsville und ahnte von nichts. Gelandet, zu Hause angerufen und Bumm, das kam wie ein Faustschlag aus dem Dunkeln - ich saß da wohl ziemlich fassungslos auf meinem Sitz, während wir zum Gate fuhren.
Nur gut, dass die Lage anscheinend unter Kontrolle war und es unserem Großen den Umständen entsprechend gut ging. Er hatte mit seiner Mutter geredet, im Klassenraum waren Mitschüler und Lehrer die er kannte und die Polizei war im Anmarsch.

Herausgelassen haben sie die Schüler dann erst nach einigen Stunden - eine Taktik, um Panik zu vermeiden und alles abzusichern. In Littleton hatten die Spinner ja auch Bomben plaziert - die dann zum Glück nicht hochgingen. Aber man weiß ja nie.
Das Wochenende war jedenfalls gelaufen. Am Sonntag gab es dann eine offizielle Veranstaltung, bei der so eine Art Krisenbewältigung stattfinden sollte. Der Bürgermeister, der Schulsuperintendent und der Polizeichef hielten Reden, es wurde gebetet und sich gegenseitig Trost zugesprochen.
Am Montag ging es dann wieder zum Unterricht - mit mehr Gebeten, Trost und Reden.
Was da wirklich passiert ist, wird für die meisten wahrscheinlich erst viel später einsinken.
Gegenwärtig wird die Frage geklärt, ob der Killer, obwohl auch erst 14 Jahre alt, nach Erwachsenenstrafrecht anzuklagen sei. Denn, wie der Staatsanwalt sagte, im Jugendstrafrecht gibt es nicht die Möglichkeit, so eine schreckliche Tat angemessen zu bestrafen.
Das hilft dem Opfer auch nicht mehr, aber es befriedigt sicherlich den hiesigen Gerechtigkeitssinn. Wenigstens muß man dann keinen Lynchmob zusammentrommeln um den Killer seiner gerechten Strafe zuzuführen ...





Wednesday, April 8, 2009

Adolf Obama

Ein Kollege war dieses Wochenende auf einer Gun-Show in Kentucky. Vom Luftgewehr bis zum Flak-Geschütz war da alles zu haben, was einem aufrechten Patrioten den Flaggenmast in der Hose aufrichtet, hat er berichtet.
Und T-Shirts gab es da zu kaufen. Mit eindeutigen Aussagen. Im Gegensatz zu Europa, wo Mr. President der neue Superstar ist, wird er hier von Teilen der Bevölkerung etwas anders gesehen. Allerdings, um sich für diesen Teil der Bevölkerung zu qualifizieren muß man in der Regel einen Intelligenzquotienten vorweisen können, der nicht höher liegen darf als die Anzahl der Zähne, die man noch im Mund hat. Wahlweise auch kleiner als die Anzahl der Jagdhunde, die auf die Ladefläche des Pick-up Truck passen.
Oder, wie der Kollege es treffend ausdrückte: "Wie zu erwarten ist der politische Horizont des durchschnittlichen einheimischen Teilnehmers diese Verantstaltung noch deutlich geringer als die Reichweite seiner Schusswaffe."
Ich muß ihn mal fragen, ob er dort auch in weißen Kapuzen Vermummte, die brennende Kreuze aufstellten, gesehen hat.
Man sollte diese Leute bei allem Abscheu und Fassungslosigkeit aber verdammt ernst nehmen - die haben schließlich Waffen und nicht wenige davon. Würde mich nicht wundern, wenn diese Präsidentschaft eines Tages abrupt und überraschend enden würde. Man kann nur hoffen, dass sich sich auch in Zukunft mit solch schwachsinnigen verbalen Attacken zufrieden geben. Was für Idioten.