Thursday, November 24, 2011

Black Friday

Der Freitag nach Thanksgiving ist hier in Amiland als "Black Friday" bekannt und war bis vor kurzem der umsatzstärkste Tag für den Einzelhandel im ganzen Jahr. In den vergangenen paar Jahren ist das zwar wegen des Internethandels ein wenig zurück gegangen, doch hält sich die Tradition mit der ganzen Familie am Tag nach Thanksgiving die Geschäfte zu stürmen und die Weihnachtseinkäufe zu machen immer noch hartnäckig genug, dass es ein sehr hektischer Tag in den Städten ist.
In den letzten Jahren hat sich dabei die Öffnungszeit einzelner Läden immer weiter nach vorne geschoben. Letztes Jahr ging der Zirkus so gegen vier Uhr morgens los, dieses Jahr machen viele bereits schon um Mitternacht auf. Und einige wenige hatten sogar bereits heute, an Thanksgiving, wo eigentlich traditionell alles geschlossen ist, auf. Und nächstes Jahr wird dann wahrscheinlich Thanksgiving ein Einkaufstag wie jeder andere sein und nur noch eine Minderheit von Geschäften ihre Pforten geschlossen haben.

Nun muss man wissen, dass viele Geschäfte die Kunden am Black Friday mit besonders günstigen Deals locken. Und da es die natürlich nur in begrenzter Stückzahl gibt (meist nur einstellig, nur so viel dass man legal damit werben kann), bilden sich bereits Stunden vorher lange Schlangen vor den einschlägigen Geschäften.
Dabei sind es zumeist elektronische Sachen, die am begehrtesten sind - das neueste Apple-iSpielzeug, das coolste Handy, Playstation und X-Box, Big Screen TV, GPS Navigatoren und so weiter.
Die Elektronikkette Best Buy ist jedes Jahr der Hauptmagnet für diese Wahnsinnigen, die sich für einen  Laptop für 199 Dollares die Ärsche platt sitzen. Nicht stundenlang, sondern tagelang.
Die diesjährigen Pole-Position Inhaber vor dem Huntsviller Best Buy sind zwei mittelalte Schwestern, die bereits seit Mittwoch Nachmittag dort ihr Zelt aufgeschlagen haben. Sie wollen zwei 42 Zoll Flat Screen TVs für jeweils 199 Dollares abgreifen, dazu noch eine X-Box, eine Playstation und einige weitere Kleinteile. Insgesamt haben sie ein Budget von tausend Bucks, das sie dann nach über 30 Stunden Wartezeit innerhalb von wenigen Minuten auf den Kopf hauen werden.
Best Buy, die solche Aktionen natürlich gerne unterstützen, bringt es doch unbezahlbare, weil kostenlose, Publicity, hat sogar zwei Dixie-Klos aufstellen lassen, damit die tapferen Schnäppchenjäger sich wie zuhause fühlen. Auf dem Parkplatz wird unterdessen gegrillt und ein wenig mit dem Football umher geworfen und immer wieder fahren Autos mit neugierigen Thanksgiving-Ausflüglern vorbei. Die Lokalzeitung und die lokalen TV Nachrichten berichten natürlich auch darüber - wie gesagt, beste Werbung für Best Buy. Und die beiden Schwestern können ihre Gesichter auch in die Kamera halten - jedem seine fünfzehn Sekunden Prominenz. Ach ja, hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass das Zelt der beiden Schwestern das Emblem der Auburn Tigers trägt? War ja klar ... Roll Tide!

Happy T-Day!

Heute war Thanksgiving hier in Amiland - der höchste, größte und am ernstesten genommene Feiertag im ganzen Jahr. Während Weihnachten nur noch ein fest des Konsums ist, wird an Thanksgiving immer noch die Tradition hoch und heilig gehalten. Die Familie kommt aus allen Ecken und Enden des Landes zusammen, man hat eine überbordende Mahlzeit, danach guckt man Football und abends gibt es dann mehr Football und die kalten Leftovers vom Mittagessen.
Geselligkeit, Gemütlichkeit und gutes Essen sind die Säulen, auf denen Thanksgiving auch heute noch, wie vor hundert Jahren, ruht. Das Wichtigste dabei ist natürlich das Essen - ohne Truthahn geht gar nichts.
Nachdem wir in den vergangenen Jahren unseren Flattermann immer selber zubereitet haben, sind wir diesmal einen anderen Weg gegangen.
Eines der besten BBQ-Restaurants hier im Tennessee Valley, das New Market Bar-B-Que, bietet nämlich komplette Thanksgiving Dinners an - frisch zubereitet, hausgemacht, zum abholen bereit. Also haben wir dort einen ganzen Hickory-Smoked Turkey, Cornbread Muffins und Lemon Pie bestellt. Und während wir drei Jungs heute morgen unterwegs waren um das abzuholen - 45 Kilometer hin und 45 Kilometer zurück, denn New Market liegt in der äußersten Nordöstlichen Ecke von Madison County; aber was tut man nicht alles für wirklich gutes Futter - haben unsere beiden Mädels noch eine Sweet Potato Casserole mit Marshmellows, eine Sweet Corn Casserole, eine Green Bean Casserole, Stuffing und Mashed Potatos zubereitet. Mehr traditionell geht nicht.

Wir hatten also jede Menge zu Futtern auf dem  Tisch - und geschmeckt hat es einfach göttlich. Der geräucherte Truthahn hatte einen phantastischen Hickory-Geschmack und war so ziemlich das zarteste was wir hier bisher je an Geflügel hatten. Und mit guten 16 Pfund war er auch gerade groß genug dass wir alle davon mehr als satt wurden und nicht zu viel übrig blieb. Und der Lemon Pie war ruck-zuck weg, als wieder etwas Platz im Bauch war am Nachmittag. Aber auch die selbst gemachten Sachen waren Spitzenklasse - es war ein richtiges Festmahl. Weihnachten gibt es dann Würstchen und Kartoffelsalat ...




Friday, November 18, 2011

Full Ride

Eine höhere Ausbildung ist hier in Amiland nicht umsonst. Jedes College, jede Universität - auch die staatlichen - verlangt Studiengebühren. Dazu kommt noch der normale Lebensunterhalt, Bücher und sonstige Nebenausgaben. Das summiert sich bei den großen renommierten Universitäten leicht auf dreißig- bis vierzigtausend Dollares ... pro Semester. Und selbst bei solch relativ kleinen - aber feinen - Unis wie der University of Alabama in Huntsville (UAH) sind das immer noch runde zehntausend Dollares pro Semester (das Doppelte, wenn man nicht aus Alabama stammt ...).
Ein Weg, seinen Kindern ein Studium an einer guten Uni zu ermöglichen, ist von ihrer Geburt an zu sparen und dann eine preisgünstige Uni auszuwählen, wenn es soweit ist.
Oder aber man hofft auf Stipendien. respektive, hoffen braucht man da gar nicht, es gibt ganz dezidierte Regeln mit denen jede Uni eigene Stipendien vergibt. Die sind immer entweder an die ACT (American College Testing)- oder die SAT (Scholastic Assessment Test) Ergebnisse des Studienanfängers gebunden.

Bei der UAH bekommt man mit einem ACT zwischen 31 und 33 die Studiengebühren erlassen und noch fünfhundert Dollares für Kursgebühren (ja, die zählen extra ...) oben drauf.
Ab 34 (bis 36, dem ACT Höchstwert), bekommt man ebenfalls die Studiengebühren erlassen, die fünfhundert für Kursgebühren natürlich und darüber hinaus darf man umsonst in den Wohnheimen auf dem Campus wohnen, man bekommt die Mahlzeiten bezahlt und noch einen gewissen Betrag für Bücher oben drauf - das ist der sogenannte "Free Ride".
Dazu gibt es dann noch andere, davon unabhängige Stipendien, die teilweise von Firmen oder in nationalen Wettbewerben vergeben werden. Insgesamt, wenn man sich nur ordentlich um diese Stipendien kümmert, kann man ein recht komfortables Leben führen, ohne in den Semesterferien (oder sogar nebenbei im Studium) arbeiten gehen zu müssen.

Da wir niemals damit gerechnet haben unsere Kinder in Amiland auf die Uni zu schicken, haben wir natürlich auch nichts für diesen Fall zurück gelegt.
Also blieb nur der Weg über den ACT - 34 Punkte für einen Full Ride sollten es sein.
Zum Glück ist unser Großer ein akademisches Ass - aber der erste ACT Versuch landete trotzdem nur bei 32. Nun gut, auch nicht schlecht, bleibt er eben bei Mama und Papa wohnen, aber wenigstens die Studiengebühren sind schon mal vom Tisch.
Aber, man kann es ja durchaus öfter versuchen - also nochmal das Ganze. 31 Punkte, weil er nichts dafür getan hatte (... habe ich doch schon mal gemacht, weiß doch wie das geht ...). Und beim dritten Mal, nach ordentlich üben, üben, üben, hat es dann geklappt - 34 Punkte, Full Ride!
Heute haben wir das entsprechende Angebot der UAH (an der er ja schon angenommen wurde) bekommen - und natürlich werden wir es annehmen. Mal sehen, was für Stipendien wir sonst noch abgreifen können. Wenn ich daran denke, dass ich mein BaFöG zwanzig Jahre lang zurück gezahlt habe ...

Planes, Trains, and Automobiles

Dallas - Orlando - Las Cruces - Las Cruces ... das sind die Stationen meiner Dienstreisen in den letzten vier Wochen. Kein Bock mehr auf Hotelzimmer, Restaurantessen, enge Flugzeugmittelsitze, fremde Städte und vor allen Dingen  das getrennt sein von meiner Familie.
Als kleiner Ausgleich nutzt man dann die wenige Freizeit, die man nach den Meetings hat bevor es abends dunkel wird und schaut sich ein wenig die Gegend an.
In Dallas waren es das Football-Stadion der Cowboys und der (Base)Ballpark der Texas Rangers, sowie das historische Fort Worth, inklusive Kuhauftrieb durch die Hauptstraße.
In Orlando aren wir im Hardrock Cafe in den Universal Studios, weil Kevin unbedingt ein T-Shirt von dort haben wollte.
Im ersten Trip nach Las Cruces war das touristische Beiprogramm ein Mondaufgang über dem White Sands National Monument.
Beim zweiten Trip gab es keine Freizeit, nur staatstragende Abendessen, staatstragende Besichtigungen und einen Raketentest.
Jetzt ist die Resiserei hoffentlich erstmal vobei für eine Weile, denn all die touristischen Dinge die man so nebenbei mitnimmt, wenn es die Zeit erlaubt, wiegen das Zuhause bei der Familie sein in keinster Weise auf.






Thursday, November 17, 2011

As good as it gets

After seven years of tri-national co-development, the MEADS program successfully completed its first flight test at White Sands Missile Range, N.M., on 17 November. A large gallery of invited guests applauded as a PAC-3 Missile Segment Enhancement (MSE) MEADS Certified Missile Round demonstrated an unprecedented over-the-shoulder launch of the missile against a simulated target attacking from behind.
The test also represented the first launch using a MEADS lightweight launcher (Italian configuration) and battle manager (US configuration).
The missile’s unique sideways maneuver demonstrated a 360-degree capability that today’s fielded air and missile defense systems cannot provide. It executed a planned self-destruct sequence at the end of the mission after successfully engaging the simulated threat.
MEADS International Executive Vice President Volker Weidemann thanked the program team for their efforts resulting in the successful test. “Today, we celebrate the power of our tri-national team to develop world-class air and missile defense technology. The system performed as designed, demonstrating the 360-degree defensive capability that our forces need against the evolving threats of the 21st century. Your efforts have definitely raised the bar.”

Thursday, November 3, 2011

UAH

Heute hat unser Großer seine Zulassung zum Studium bekommen - ab Herbst nächsten Jahres wird er an der University of Alabama in Huntsville (UAH) Chemie studieren.
Er wird dann zwar erst siebzehn sein, aber das stört die hier nicht weiter. Durch seine erstklassigen akademischen Fähigkeiten und unterstützt von dem sehr flexiblen Schulsystem, das es zuließ die Stundenpläne seiner Leistungsfähigkeit anzupassen, konnte er ein Jahr in der High School komplett überspringen. Er ist unter den Top 3 seines Abschluß-Jahrgangs (über 750 Schüler) und wir haben keinen Zweifel dass er auch das Studium zügig und mit sehr guten Ergebnissen schaffen wird.
Nein, er ist sicherlich kein Wunderkind - aber das hiesige System, gepaart mit Leistungswillen und Wissbegierde lässt einem jungen Menschen mehr Möglichkeiten als das starre humanistisch geprägte Breitbandlernen in Deutschland. Es wird mehr Wert auf die frühe und tiefe Förderung von erkannten Fähigkeiten und Vorlieben gelegt als die Anhäufung von möglichst weiträumig angelegtem akademischen Ballast.

Nun wird er also ein Charger - das ist das offizielle Maskottchen der Uni, ein schnaufendes, stampfendes Wildpferd mit wehender Mähne. Leider wird die Uni-eigene Eishockeymannschaft wegen Geldmangels im nächsten Jahr nicht mehr in der ersten Division des Universitätssportes mitspielen, sondern nur noch im regionalen Umfeld tätig sein. Aber die Ausbildung, die unser Großer dort erhalten wird ist trotzdem erstklassig. Dazu trägt auch das Umfeld hier in der Rocket City bei - hier gibt es Firmen wie Sand am Meer, die auf allen Gebieten der Technik forschen, entwickeln, bauen und fördern.
Und wer weiß, vielleicht kann er ja sogar mal ein Semester als Austauschstudent nach Übersee gehen - nach Deutschland womöglich ...

Wednesday, October 26, 2011

To the greater glory of God

Messiah Lutheran Church ist eine von gefühlten tausend Kirchen hier in Madison (tatsächlich sind es nur etwas über fünfzig ... bei gut 40.000 Einwohnern ergibt sich aber auch damit eine recht anständige Abdeckung). Die Kongregation besteht aus ungefähr 200 kirchengehenden Mitgliedern, was Messiah zu einer der mittelkleinen Gemeinden hier macht.
Wir haben ein gewisses Interesse an dieser Kirche, da dort unsere beiden Kleinen getauft wurden, unser Großer zum Konfirmationsunterricht geht und meine Frau sich mit Sommerschule, deutschen Kochkursen und allerlei anderen Aktivitäten am sozialen Leben beteiligt. Ich habe es ja nicht so mit organisierter Religion aber durch die vielen (Ver)Bindungen unserer Familie besteht auch bei mir durchaus ein Interesse an dem, was da so vor sich geht.

Vor einiger Zeit wurde nun vom Kirchenvorstand der Vorschlag gemacht, die mittlerweile 20 Jahre alte Kirche zu erweitern. Zwar reichte der Platz eigentlich locker aus um in zwei Gottesdiensten jeden Sonntag jeden dort unter zu bringen - lediglich beim Weihnachtsgottesdienst muß immer ein wenig enger zusammen gerückt werden. Aber da Huntsville und Umgebung in den kommenden Jahren rapide wachsen werden - das US Militär verlegt eine ganze Anzahl von Organisationen ins Redstone Arsenal und es wird mit einigen zehntausend neuen Einwohnern in der Region gerechnet - und bereits die Infrastruktur für dieses Wachstum, wie neue Schulen, neue Straßen und so weiter überall um uns herum geschaffen wird, muss natürlich auch Messiah für die Zukunft planen und größer werden.
Nun ja, so jedenfalls die Argumentation der Altar Gilde, eines geschlossenen Zirkels alter Mitglieder, die in Messiah das Sagen hat.

Also wurde vor einiger Zeit beschlossen, die Kirche um vier Bänke nach vorne zu erweitern - was einen Zuwachs an ungefähr 20 Plätzen mit sich bringt.
Ein erfreulicher Nebeneffekt ist, dass damit nun endlich auch Platz für bleiverglaste Buntglasfenster ist. Und eine kleine Sakristei für den Messwein und die Oblaten kann auch noch eingerichtet werden.
Und wie finanziert man hier in Amiland so eine Kirchenerweiterung? Man bittet um Spenden der Mitglieder. Runde sechshunderttausend Dollares brauchte man und ein mehrwöchiger Spendenmarathon, zu dem sogar ein Spendeneintreibungsfachmann aus Atlanta eingeladen wurde, erbrachte dann Zusagen (noch kein Bargeld, lediglich Absichtserklärungen) in Höhe von rund vierhundertausend Dollares.
Hmm, was nun? Man leiht sich den Rest der Summe bei einer der Kirche nahe stehenden Bank.
Ach ja, hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass die erste Hypothek vom Bau der Kirche noch nicht abbezahlt ist? Egal, Gott wird es schon richten, denn wir tun das ja alles zu seiner größeren Ehre und nicht etwa, weil sich die Altar Gilde damit ein Denkmal setzen will.
Schließlich hat Gott ja auch Ford's Chapel Methodist Church geholfen, als er an dem schrecklichen Tornado-Tag im April deren alte Backsteinkirche (die zu der Zeit von Incarnation Lutheran Church genutzt wurde) von einem Tornado platt machen ließ. Die Versicherungssumme reichte dazu aus, die Schulden für die neue Megakirche, die man vor einigen Jahren gebaut hatte - für die größere Ehre Gottes - komplett ab zu bezahlen. Hallellujah!

Nun stand also die Finanzierung - jedenfalls nach Lesart der Altar Gilde, mir drehte sich dabei der Magen um - und man holte Angebote von Baufirmen ein.
Alles viel zu teuer.
Also nochmal umkonstruiert und neue Angebote her - immer noch weit über Budget. Da nun aber mittlerweile die Zeit drängte und die Zinsen des angestrebten Bankkredites stiegen, entschloss man sich kurzerhand das Budget aufzustocken und anzufangen.
Das stellte sich dann als etwas unüberlegt heraus, da nämlich mittlerweile die Bauvorschriften sich geändert hatten und die Kirchenerweiterung, da sie in die tragende Struktur der Altkirche eingriff, nicht mehr als einfacher Anbau sondern als Neubau gilt. Das Problem dabei war, dass nun auch die Elektrik, Heizung, Licht und alles mögliche andere den neuen Bauvorschriften angepasst werden muß.
Also wurde das Budget gezwungenermaßen nochmals erhöht - und verstärkt um göttlichen Beistand gebetet.
Und Abstriche gemacht. Für die Sakristei war nun kein Geld mehr da - aber ist nicht eines der Mitglieder Schreiner? Der könnte doch die Schränke und sonstige Einrichtung in Eigenarbeit zusammen zimmern - und selbstverständlich auch das Material selber mit bringen, und schwupps, sind zwanzigtausend Dollares gespart.
Dann muss man wenigstens nicht den neuen Kirchturm nicht mehr abbestellen. Bisher zierte den Dachfirst ein schlichtes Kreuz, das die Eltern eines bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Mitgliedes gestiftet hatten. Weg damit, für die größere Ehre Gottes muß ein protziger weißer Kirchenturm aus glasfaserverstärktem Kunststoff her. Ach so, es fehlt immer noch Geld? Dann stellen wir, vorübergehend natürlich, die Unterstützung der Missionstätigkeit in Guatemala ein und fahren die Jugendarbeit zurück.

Zu dumm aber auch, dass alles betteln, jonglieren und Kredite aufnehmen immer noch nicht ausreichend ist um ein solides Budget auf die Beine zu stellen.
Heute kam ein Bettelbrief, in dem die haarige finanzielle Situation dargestellt wurde in der sich die Kirche mittlerweile befindet. Am Ende des Jahres werden voraussichtlich zwölftausend Dollares in der Kasse fehlen - also ist jeder dazu aufgerufen zu beten, in sich zu gehen und mehr zu spenden. Und dabei hat die Rückzahlung der zweiten Hypothek ja noch nicht einmal begonnen.
Und was passiert, wenn die Schulden nicht mehr abgebaut werden können? Dann wird die Kirche dicht gemacht. Das kommt hier alle Nase lang vor, dass Kirchen wegen finanziellen Misserfolges untergehen. Incarnation Lutheran Church mußte auch kürzlich die Tore schließen, weil einfach nicht genügend Mitglieder zu finden waren und somit nicht genug Geld in die Kasse kam um wenigstens den Pastor zu bezahlen (der jetzt arbeitslos ist ...).
Nun, vielleicht steht auch Messiah Lutheran solch ein Schicksal bevor - denn erstens ist es überhaupt nicht sicher dass die hier her ziehenden Neubürger ausgerechnet in diese Kirche gehen und zweitens hat die Entscheidung, die von der Altar Gilde gegen jeden Widerstand durchgeboxt wurde, reichlich viel bitteren Nachgeschmack hinterlassen, so dass viele Mitglieder bereits beginnen sich nach etwas Neuem um zu sehen. Zustände wie beim Kaninchenzüchterverein in Posemuckel.
Aber Gott wird das Schlimmste schon verhindern - schließlich wurde das ja alles zu Seiner größeren Ehre gemacht, einschließlich der Buntglasfenster für zwanzigtausend Dollares pro Stück ...


Thursday, October 20, 2011

Dismals Canyon

Es gibt hier in Alabama die eine oder andere Ecke, in der die Natur noch wild und urwüchsig ist.Eine davon ist der ungefähr zwei Kilometer lange Dismals Canyon nahe Russelville, etwa zwei Autostunden westlich von Huntsville.
Der Canyon ist in Privatbesitz, wird aber in der Liste der National Landmarks geführt und ist somit dem National Park System angegliedert und genießt dadurch bestimmte Privilegien.
Durch den Canyon fließt ein kleines Bächlein, das in jahrtausendlanger Arbeit diese Schlucht aus dem Gestein geschwemmt hat. Beiderseits des Gewässers führt ein Trampelpfad einmal innerhalb des Canyons herum. Es geht über Stock und Stein, durch enge Felsspalten und über schwankende Hängebrücken - man muss schon ein wenig geländegängig sein um da durch zu kommen. Aber die Plackerei lohnt sich - ich war heute für drei Stunden ganz für mich alleine, fernab jeglicher Zivilisation und habe die (relativ) unberührte Natur genießen können.

Coon Dog Cemetery

Heute haben sie in Colbert County den guten alten Beau zu Grabe getragen. Sein Herrchen und Frauchen hatten ihn extra aus Illinois dort hin gebracht, damit er seine letzte Ruhe unter seinesgleichen finden konnte. Was seinesgleichen sind? Prämierte Coon Dogs.
Coon Dogs sind mehrere extra für die Waschbärenjagd in den USA gezüchtete Rassen von Jagdhunden. Sie sind loyal, intelligent, sehr kinderfreundlich, sportlich und hübsch. So mancher Coon Dog Besitzer hier im Süden soll seinem Coon mehr zugetan sein als der eigenen Frau.
Nun leben diese treuen Gefährten leider nicht ewig und was macht man dann mit ihnen wenn sie im Hundehimmel sind? Vor dieser Frage stand im Jahre 1937 auch Key Underwood, nachdem Troop, sein Coon Dog, gestorben war.
Mister Underwood begrub er Troop kurzerhand dort, wo der sich immer am wohlsten gefühlt hatte - im Camp wo sie sich immer mit anderen Jägern und ihren Hunden zur Jagd getroffen hatten. Mit der Zeit sprach sich diese Praxis herum und auch andere begruben ihre Gefährten dort. Mittlerweile liegen dort ungefähr 190 der vierbeinigen Freunde, alles echte Vollblut-Coon Dogs, keine Pudel, Pekinesen oder andere Pantoffelschlepper. Viele von ihnen waren prämierte Champions und sogar ein echter TV-Werbestar hat dort seine letzte Ruhestätte.

Der Coon Dog Friedhof in Colbert County ist sicherlich  nicht der einzige Hundefriedhof in der Welt. Aber er ist der einzige, bei dem die Aufnahmebedingung daraus besteht, dass Zeugen beschwören müssen, dass der Verstorbene ein reinrassiger Coon Dog war.
Bizarr? Nun ja, vielleicht. Aber wer schon einmal einen Coon Dog erlebt hat wird vielleicht verstehen was Leute dazu treibt einige hundert Meilen aus Illinois hierher zu fahren um ihn an diesem besonderen Ort zu begraben. Wir überlegen selbst, ob wir nicht so einen mit nach Deutschland nehmen sollen, wenn unsere Zeit hier um ist ...



Saturday, October 15, 2011

The Battle of Sulphur Creek Trestle

Na, da war ich dann doch etwas enttäuscht.
Wir haben hier in der Nähe bei Athens ein Schlachtfeld aus dem Civil War. Damals hatten sich die Rebellen mit den Nordstaatlern um eine Eisenbahnbrücke, der Sulphur Creek Trestle, gebalgt.
Das Gelände ist auch heute noch zugänglich, die ehemalige Bahnlinie um die es damals ging ist mittlerweile zum (Pferde-)Wanderpfad umgebaut worden.
Das wollte ich mir mal ansehen, zudem mir ein paar Einheimische gesagt hatten, dass man dort auch heute immer noch Kugeln aus der Zeit finden könne.
Nach vier Kilometern strammen Fußmarsches durch die herbstliche Landschaft war es dann soweit - eine Gedenkplatte auf einem Steinsockel markierte das Zentrum des ehemaligen Schlachtfeldes. Gut, dass sie das dahin gestellt hatten, denn von alleine wäre ich glatt daran vorbei gelaufen.
Ein paar moosbewachsene Eichen-Schwellen, die im Wald herum liegen sind praktisch alles was von damals übrig geblieben ist. Von wegen Kugeln und andere Artefakte - alles mit Wald zugewuchert.
Nun ja, wenigstens einen positiven Aspekt hatte das Ganze - die acht Kilometer in der frischen Herbstluft haben mir richtig gut getan ...


Saturday, October 1, 2011

Paddling

Alabama wird, vor allen Dingen in den Nordstaaten, immer wieder gerne als Beispiel für Rückständigkeit und Hinterwäldlertum genommen. Nicht förderlich für diesen Ruf dürfte sein, dass Alabama einer der 19 US-Bundesstaaten ist, in denen die Prügelstrafe an Schulen immer noch legal ist.
Ja, klar, die meisten  Schulen holen vorher erst die Erlaubnis der Eltern ein, bevor zu geschlagen wird. Aber die Statistik alleine  aus Madison County ist doch erschreckend -

Das soll jetzt alles anders werden. Eine (liberale=kommunistische=vom Teufel besessene) Abgeordnete des Repräsentantenhauses hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der diese Praxis, die fast ausschließlich mit einem extra dafür hergestellten Paddel ausgeführt wird, landesweit verbieten soll.

Die Ablehnungs-Fraktion bringt die hinreichend bekannten Sprüche, von wegen "uns hat es ja auch nicht geschadet". Und auch das hier im Süden immer wieder gern genommene "die Bundesregierung hat sich gefälligst nicht in unsere Angelegenheiten einzumischen" ist deutlich zu vernehmen.

Aber auch die Befürworter haben keine unbedingt besseren Argumente - "wenn einer meine Kinder schlägt, bin ich es" ist nicht geeignet wirklich Sympathie hervor zu rufen.

Einfach mal nachdenken und vielleicht darauf kommen, dass Prügelstrafe etwas mit der Verletzung der Menschenwürde zu tun hat? Menschen, ja genau, die Sorte Lebewesen zu der auch Kinder gehören, die sich nicht wehren können und denen auch die Erkenntnis, dass wer prügeln muss immer versagt hat, nicht hilft wenn der Schuldirektor dieses Urteil verhängt.

In 19 US-Bundesstaaten - die fast ausschließlich in Süden liegen - ist die körperliche Züchtigung in der Schule noch erlaubt. Die letzte verfügbare Statistik für Alabama stammt aus dem Schuljahr 2006/7 und listet rund 33000 Vorfälle dieser Art.
Hier in Nord-Alabama ist Madison County der einzige Bezirk in dem Paddling noch erlaubt ist. Im letzten Schuljahr wurde in 16 der 26 Schulen dort 307 mal diese Bestrafung verabreicht.
Der erst kürzlich neu ernannte Superintendent für die Schulen in Huntsville (was zu Madison County gehört)  hat sich letzten Monat für die Aufhebung des Paddling ausgesprochen. Sein Argument, dass diese Art der Behandlung weder im Militär noch in den Gefängnissen praktiziert wird und somit auch keinen Platz in den Schulen habe, fällt allerdings eher auch in die Kategorie der Merkwürdigkeiten, die allen Ortens zu diesem Thema geäußert werden.

Aber auch in Europa gibt es diese Form der Züchtigung noch - in Frankreich und in der Slovakei. Und in Deutschland wurde es auch erst 1983 offiziell abgeschafft, in Italien allerdings schon 1928 und in den Niederlanden bereits 1920. Der erste US-Staat, der diese Praxis verboten hat war New Jersey - in 1867. So gesehen ist Alabama tatsächlich etwas rückständig auf diesem Gebiet. Oder traditionell, je nach Sichtweise.

Saturday, September 24, 2011

Pinkalicious Party Palace

Die Hauptstütze der amerikanischen Wirtschaft ist der Binnenkonsum. Je mehr die Leute ausgeben, desto heftiger brummt die Ökonomie. Und um das zu fördern, gibt es für alles und jedes ein Geschäft, eine Dienstleistung oder einen Online-Shop.
Und so kann man natürlich auch Kindergeburtstage von professionellen Firmen ausrichten lassen. Für rund 250 Dollares wird dann zwei Stunden lang Programm gemacht, meist sogar in eigenen Räumlichkeiten, so dass das eigene Haus von den Kinderhorden verschont bleibt und sich die Eltern um nichts zu kümmern haben. Dabei reicht die Palette von großen Industriehallen mit riesigen Hüpfburgen, über Goldgräber-Abenteuer im Botanischen Garten bis hin zum Pinkalicious Party Palace.
Und in dem waren wir heute mit unserer, nun nicht mehr ganz so kleinen, Prinzessin, um ihren Geburtstag ganz zünftig mit ihren Freundinnen als Prinzessinnen-Party zu feiern.
Aus dem Kleiderfundus durfte sich jede der kleinen Damen ein Prinzessinnen-Outfit aussuchen, dann wurden sie geschminkt (mit viel Glitter ...) und konnten sich auf einem Laufsteg vor den anwesenden Eltern  produzieren.
Dann wurde Kuchen gegessen und Geschenke überreicht - und nach gut zwei Stunden war alles vorbei und wir mitsamt Geschenken (alles Barbies ...) wieder auf dem Weg nach Hause.
Alle, inklusive der Eltern, hatten Spaß dabei und auch mir ist das Schreiben des Checks nachher leicht gefallen. Ich musste nur an die tagelangen Vorbereitungen, den Stress dabei und das Chaos danach denken, den wir mit einer Feier zu Hause gehabt hätten ...



Saturday, September 17, 2011

Dreamlifter

Ich bin heute mit meinem kleinen Sohn beim Flughafen gewesen - Flugzeuge gucken. Er ist ja ein großer Luftfahrt-Fan (wie sein Papa ...) und da musste ich ihm einfach die beiden Dreamlifter zeigen, die in diese Woche hier Station gemacht haben.
Der Dreamlifter ist eine umgebaute Boeing 747 Jumbo Jet und dient unter anderem dazu, die komplette Mittelrumpfsektion der brandneuen, noch gar nicht ausgelieferten Boeing 787 Dreamliner vom Rumpf-Montagewerk in Decatur, Alabama (... gleich um die Ecke von hier ...) zur Endmontagelinie in North Charleston, South Carolina zu bringen.
Andere Teile des Dreamliners kommen aus Indien, Italien, Japan, Frankreich, Süd-Korea und Schweden, um nur einige zu nennen. Aber das größte "Einzelteil", der Mittelrumpf, kommt aus Decatur.
Nun hatte ich angenommen, dass der Transport über den Tennessee River abgewickelt würde, denn das Boeing-Werk wurde direkt ans Ufer dieses Flusses gebaut, mit eigenem Pier und allem was dazu gehört.
Und bisher ist das wohl auch so gelaufen. Inzwischen hat Boeing aber enormen Verzug in der Produktion, so dass man eventuell darüber nachdenkt den langsamen Schiffstransport durch die schnellere Lufttransportvariante zu ersetzen oder wenigstens zu ergänzen.
Und um die Logistik einmal durch zu spielen, könnten die beiden Dreamlifter jetzt auf dem Huntsviller Flughafen stehen.
Es gibt nur vier Exemplare dieser Riesenflieger, was sie zu echten Raritäten auf beinahe jedem Flughafen der Welt machen würde. Ich hoffe mal, dass wir hier in Huntsville in Zukunft regelmäßig das Vergnügen haben werden. Mein Sohn würde sich jedenfalls sehr darüber freuen ...

Duck and Run

5k Läufe werden hier jedes Wochenende mehrere in der Region durchgeführt. Die Antrittsgelder kommen immer einem guten Zweck zu Gute und jeder hat Spaß beim mit machen.
Heute war der achte Duck and Run 5k Lauf in Athens und meine Frau ist dort mit gelaufen. Nachdem ihr erster wettbewerbsmäßiger 5000 Meter Lauf vor einem Monat so prima gewesen ist, hatte sie offensichtlich Blut geleckt.
Und klar, es macht ja auch Spaß wenn man durch stetig besser werdende Ergebnisse motiviert wird. Glatte 5 Minuten schneller als beim letzten 5k Lauf war sie heute und auch da war wegen mangelnder Streckenkenntnis (... kommt da jetzt noch ein Anstieg oder kann ich den Sprint schon anziehen ...?!) noch Luft für eine Verbesserung. Im nächsten Jahr, mit der jetzt vorhandenen Erfahrung auf dieser Strecke, mehr genereller Wettkampferfahrung (... diesmal ist sie schon nicht mehr dem Pulk volle Pulle beim Start hinter her gerannt ...) und kontinuierlichem Training sollte eine Zwei als erste Zahl bei der Zeit durchaus möglich sein.
Ich bin jedenfalls mächtig stolz auf meine Frau und wir halten jetzt schon wieder Ausschau nach dem nächsten Lauf hier in der Gegend ...

Friday, September 16, 2011

The week of BBQ ...

Montag: Granville's Gourmet Ribs & BBQ in Huntsville.
Dienstag: O'Boys Bar-B-Q in Orlando.
Mittwoch: Fat Boys Bar-B-Q in Kissimmee.
Freitag: 306 Barbeque in Athens.

Nein, ich habe es noch nicht satt. Gutes (und darauf liegt die Betonung ...) BBQ könnte ich jeden Tag essen. Diese Woche war leider gefüllt mit eher durchschnittlichen Kandidaten, was besonders für die Schweinefleisch-in-Scheiben-Schneider in Florida gilt.
Um das wieder aus meinem Kopf zu bekommen, sind wir heute in ein brandneues Etablissement bei Athens gefahren. Und siehe da - das Schwein war gepulled und nicht in Scheiben, die Soße war wie sie sein sollte und alles ist wieder gut.
Nun ja, Anfang des Jahres habe ich mir vorgenommen, so viele BBQ Restaurants wie möglich hier in der Gegend zu besuchen, bevor wir wieder nach Deutschland zurück gehen (The Great North Alabama BBQ Quest). Ungefähr 60 gibt es in den drei Counties Madison, Morgan und Limestone, die zusammen die Huntsville-Decatur Combined Statistical Area ausmachen. Es leben rund eine halbe Million Leute dort und die essen eine Menge pulled pork (so etwas wie das Nationalgericht in dieser Gegend) - daher auch die relativ hohe Anzahl an BBQ Restaurants, Imbissen, Buden und Drive-Throughs hier.
Und 306 Barbeque war heute die Nummer 20 in diesem Jahr - wobei 20 das selbst gesteckte Ziel bis Weihnachten war. Ich bin also meinem Plan deutlich voraus und es erscheint mittlerweile möglich diese Aufgabe innerhalb von nur zwei kurzen Jahren abzuschließen. Und danach? Nun, danach weiß ich ganz genau wo hier die richtig guten BBQ Schuppen sind und kann einfach dort hin fahren um zu genießen. Außerdem war meine Frau nicht bei allen BBQ Testessen dabei und so ein oder zwei herausragende Restaurants werde ich ihr noch zeigen müssen.
Oder aber ich mache einfach weiter und dehne die Aufgabe auf die umliegenden Counties aus ...





Noch eine Bemerkung zu den Bildern:
Die Scheiben über dem pulled Pork auf dem ersten Teller sind Truthan. Keine Ahnung, wieso sie den nicht auch pullen, so wie jeder andere hier das auch macht. Aber der Laden ist neu und sie lernen noch ...
Wie immer hatte meine Frau die Ribs - diesmal mit Squash, einer lokalen Spezialität, und Cole Slaw als Beilagen.
Das pulled Pork war super, die Ribs waren zu fett und der Squash war göttlich. Alles in allem kein Top 10-Laden, eher guter Durchschnitt. Kann man hingehen (... liegt sehr verkehrsgünstig ...), muss man aber nicht - da gibt es hier ganz andere ...

This ain't BBQ ...

Sie schneiden das Fleisch in Scheiben in Florida. Schwein, Rind, alles in Scheiben. Und dazu gibt es getoastetes Weißbrot und keinen Kartoffelsalat (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die Soßen sind  irgendwie völlig unaufregend und bestimmt zum großen Teil aus dem Supermarkt. Und trotzdem nennen sie es BBQ.
Was für ein Sakrileg! Als stolzes Mitglied der  North Alabama Smoked Church of All Ribs (NASCAR) hat sich mir da erstmal der Magen umgedreht, als ich diese Woche während eines Business Trips zwei BBQ Joints in Orlando und Kissimmee ausprobiert habe.
Zwar hießen die Etablissements in denen ich gegessen habe recht zünftig O'Boys BBQ und Fat Boys BBQ - was aber eher den Einfluss einer gewissen Maus mit großen Ohren bei der Namensfindung vermuten lässt. Hier in Bama heißen die BBQ's jedenfalls nicht so, sondern ganz langweilig Tom's BBQ oder Greenbrier Restaurant oder Smokey's BBQ. Aber hier müssen ja auch keine Touristen mit  krampfhaft auf originell getrimmten Namen angelockt werden. Dafür pulled man hier das Fleisch - so wie es sich gehört.
Nun ja, diese Erfahrung hat mir nur mal wieder klar gemacht, in was für einem gelobten Land wir hier doch leben. Denn schon im nächsten Bundesstaat befindet man sich in der BBQ Diaspora ...




Saturday, September 10, 2011

Bracket Blow Out

In unserem Bemühen, die amiländische Kultur verstehen zu lernen, trägt unser ethnologischer Eifer uns manchmal zu Plätzen, die nie zuvor ein Alien betreten hat ... nun ja, oder so ähnlich.
Bei einigen der Veranstaltungen, die meine Frau und ich bisher in den dreieinhalb Jahren unseres Hierseins besucht haben, kamen wir uns tatsächlich vor wie auf einem anderen Planeten.
Nun also der Huntsville Dragway. Immer nur im Kreis fahren ist ja langweilig, wieso also nicht einfach 400 m geradeaus so schnell es geht und gut iss?!
Dauert ungefähr 5 bis 8 Sekunden der Spaß, ist - natürlich - höllisch laut und stinkt auch so, nach verbranntem Gummi, ausgelaufenem Benzin und echtem Männerschweiß. Weißem, echten Männerschweiß, wohlgemerkt, denn auch dieses war wieder so eine Veranstaltung, bei der die Vertreter der anderen Hautfarbe nur als Streckenposten oder Fahnenschwinger aufgetreten sind.
Nun ja, für eine Stunde oder so kann man sich das tatsächlich ganz gut anschauen, es ist non-stop Action da, ein Bolide nach dem nächsten wird auf die Strecke geschickt. Und dabei sind das weitaus nicht die vom Dragster Rennen allseits bekannten torpedoförmigen Geschosse, sondern die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer fährt aufgemotzte 1950er/60er/70er/80er Jahre Mustangs, Corvettes oder ähnliches. Auch ein paar Pick-up Trucks waren dabei und selbst einen alten Kombiwagen haben wir erleben dürfen.
Von den Regeln habe ich keine Ahnung, irgendwie geht es wohl - wie immer - darum wer der Schnellste ist. Eigentlich ist das aber auch völlig nebensächlich, denn man bekommt sowieso nicht mit, wie das rennen läuft, da man den Stadionsprecher der die Ergebnisse durch gibt dank der Ohrenstöpsel, die man dringend braucht um nicht auf der Stelle zu ertauben, nicht versteht.
Für den Gesamtsieger aller Klassen - darunter auch eine, die sich "Street Legal" nennt, also aufgemotzte Autos mit Straßenzulassung -  gibt es satte $5000 zu gewinnen. Das lohnt sich also, allerdings dürfte auch der finanzielle Aufwand um überhaupt auf das Treppchen zu kommen nicht unbeträchtlich sein.
Es war jedenfalls ganz schön was los beim "Bracket Blow Out" auf dem Huntsville Dragway heute abend. Und ich muss zugeben, dass mich dieser "Sport" irgendwie fasziniert, zudem die Fotobedingungen fast ideal sind - ich werde wohl wieder kommen ...



Saturday, September 3, 2011

Ranch Rodeo

Bockende Broncos, durchdrehende Bullen, Clowns, Cowgirls in Satin-Blusen mit Glitzersteinen ... das ist Hollywood Rodeo, auf Show getrimmt als Zirkusnummer für das Publikum.
Das war nicht immer so, denn als nach dem US Bürgerkrieg in den 1870er Jahren die ersten öffentlichen Rodeo-Veranstaltungen durchgeführt wurden war es noch exotisch genug dem Publikum die normalen Praktiken und Fähigkeiten vorzuführen, die ein Cowboy im Arbeitsalltag beherrschen musste.
Daraus entwickelte sich dann ein freundlicher Wettbewerb und schließlich ein eigenständiger Sport. Mit der Zeit aber, insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg, kamen dann immer mehr übertriebene Show-Elemente hinzu und das Ganze wurde zu einer Zirkusveranstaltung.

Natürlich wird Rodeo auch heute noch als Sport betrieben, mit Weltmeisterschaften und Ranglisten und ordentlich viel Preisgeld zu gewinnen. Doch steht auch hier eher der Show-Effekt im Mittelpunkt, inklusive Star-Kult um die Reiter, Merchandising und durchorganisierten Medienpräsenzen.
Aber nicht alle, die ihr Herz an den Wilden Westen verloren haben, mögen diese Entwicklung. Und so gibt es seit einigen Jahren eine Gegenbewegung dazu, das sogenannte Ranch Rodeo.
Es ist quasi eine "Zurück-zu-den-Wurzeln" Bewegung, die den ursprünglichen Rodeo-Gedanken wieder aufleben lässt - nämlich einen Wettbewerb unter Cowboys/girls durchzuführen, der sich möglichst nah an den Realitäten des täglichen Ranch-Lebens orientiert. Echte Ranches findet man auch nicht nur im Westen der USA, sondern sie hat es immer auch schon in den Südstaaten gegeben, allerdings unter etwas anderen Bedingungen. Hier hat man es halt weniger mit dem Einreiten von wilden Pferden oder dem Zähmen von störrischen Bullen zu tun, sondern mit so profanen Arbeiten wie dem Melken von Kühen oder dem Aussortieren bestimmter Tiere aus einer Stierherde.


Und so gibt es beim Südstaaten-Ranch Rodeo vier Wettkämpfe, die auf den ersten Blick erstmal langweilig und wenig spektakulär aussehen, tatsächlich aber sehr interessant und unterhaltsam sind.
Es treten immer vier Cowboys/girls als Team an, denn nur so lassen sich die verschiedenen Aufgaben überhaupt erledigen. Die Teams haben zwei Minuten Zeit jeden Wettbewerb durchzuführen.

Publikumsfavorit ist das Wild Cow Milking. Dabei wird eine Kuh vom Pferd aus mit dem Lasso eingefangen, sie wird gemolken (ein paar Tropfen reichen aus um in die Wertung zu kommen ...) und dann rennt einer der Cowboys (in seinen nicht gerade für's schnelle Laufen konstruierten Western-Stiefeln ...) mit einer Milchflasche quer über den Platz zu einer Milchkanne.
Auch sehr beliebt ist der Loading Wettkampf. Das Team muss aus einer Herde Stiere einen bestimmten (die Nummer wird unmittelbar vor Beginn des jeweiligen Durchgangs ausgelost) mit dem Lasso einfangen, ihn in einen Trailer verfrachten, das innere Tor schließen, noch ein Pferd hinein bugsieren und dann das Außentor zu machen. Die schnellsten schaffen das in einer guten halben Minute - aber nur wenn der Stier kooperativ ist. Heute Abend war einer dabei, der immer wieder ausgelost wurde und das nach kurzer Zeit gar nicht mehr lustig fand. Ein paar Cowboys landeten da unsanft auf ihrem Hosenboden und ein oder zwei wurden auch recht spektakulär durch die Luft gewirbelt.
Weniger aufregend ist das der Branding Wettbewerb, bei dem ein Stier eingefangen, auf den Boden gelegt und simuliert gebrandmarkt wird.
Und auch das Sorting ist zunächst einmal mit relativ wenig Action ausgestattet. Hier müssen die einzelnen Tiere einer zehnköpfigen Stierherde in nummerischer Reihenfolge (sie alle haben Halsbänder mit Nummern an) über eine Linie getrieben werden. das hört sich einfach an, ist es aber nicht, denn erstens bleiben die Viecher immer eng zusammen, zweitens geraten sie unter Stress leicht in Panik und rennen unkontrolliert überall hin und drittens zieht es die Stiere, die man bereits über die  Linie getrieben hat unweigerlich zurück zur Herde. Es ist eine Mischung aus Katz-und Maus Spiel und Football und nach einer Weile äußerst unterhaltsam und spannend, wenn man erstmal die Feinheiten verstanden hat.

Natürlich ist das Ganze eine ziemliche Nischenveranstaltung, die zudem auch lokal recht begrenzt ist.
In Ardmore, Alabama gibt es eine, nun  ja, nennen wir es mal "Liga", und während des Sommers finden dort sieben Mal Wettkämpfe statt. Wenn man an 5 dieser Rodeos teilgenommen hat qualifiziert man sich für die End-Rangliste, bei der es ein paar tausend Dollar für die ersten 5 Plätze zu gewinnen gibt - bei einem Feld von gut 40 Teams - alle aus der näheren Umgebung, man meint gar nicht wie viele Ranches hier noch gibt - muss man sich da schon anstrengen.
Heute war der drittletzte Wettkampf des Jahres und es waren tatsächlich mehr teilnehmende Cowboys/girls da als Zuschauer - und unter denen war ich wohl der einzige, der nicht in irgendwelchen verwandtschaftlichen Beziehungen mit wenigstens einem der Teilnehmer stand.
Auch war das mal wieder eine rein weiße Angelegenheit - ich frage mich mittlerweile, ob der andere Teil der Bevölkerung, immerhin so um die 30 Prozent, sich für überhaupt irgendetwas interessiert was mit der hiesigen Kultur zu tun hat. Dass die beiden Bevölkerungsteile mehr oder weniger desinteressiert neben einander her leben wusste ich ja schon aus meinen vorigen Aufenthalten hier. Aber ich habe den Eindruck, dass diese von allen gewollte Trennung inzwischen viel deutlicher und konsequenter geworden ist. Dabei existieren Statistiken, die zeigen dass im Wilden Westen rund 15% der Cowboys eben nicht Weiß waren. Hier und heute in Ardmore, Alabama allerdings - nada, noting, zulp, zilch ...
Nun ja, mir hat es Spaß gemacht mit all den Westernhüten, Cowboystiefeln und Schnauzbärten um mich herum, den Pferden, Stieren und diversen Insekten, die diese Tierchen ständig umschwirren. Und natürlich hat über der ganzen Arena dieser unverwechselbare Duft nach echtem Landleben gehangen ...



Monday, August 29, 2011

Eating Shit

Wir achten ja eigentlich sehr darauf, was wir einkaufen und stehen schon einmal minutenlang vor einem Regal im Supermarkt, um die Inhaltsstoffliste eines Produktes zu studieren.Aber manchmal ist dann auch mal ein Fehlgriff dabei, wenn es einmal schnell gehen muss und die Kinder draengen  - wie bei den Vienna Sausages, deren Inhaltsstoffe sich eigentlich recht ordentlich anhören: mechanisch getrenntes Huhn, Hühnerbrühe, Wasser, Rindfleisch, Schweinefleisch, ein wenig Salz, Zucker und Gewürze. Das Ganze hat dann 130 Kalorien pro 3 Stück, davon stammen 110 von Fett. Was 25% des täglichen Bedarfs ausmacht, bei 2000 Kalorien pro Tag.
In dem Döschen sind 7 Stück drin, also hat man dann mehr als 50% des täglichen Fettbedarfes zu sich genommen - und ist immer noch nicht satt, denn die Dinger sind echt winzig.
Man muss halt immer auch das Kleingedruckte lesen ...

Sunday, August 28, 2011

Rocketman

Seit 18 Jahren findet im Redstone Arsenal im August der Rocketman Triathlon statt. Er wird auf der olympischen Distanz ausgetragen: 1,5 km Schwimmen (im Tennessee), 40 km Radfahren (durch das Arsenal) und 10 km Laufen (ein kurzer Sprint durch den Wald).
Diese Sportart ist hier drüben sehr beliebt, so dass das Teilnehmerfeld auf 500 Athleten begrenzt werden musste. Von Spitzensportlern bis hin zum Hobbysportler war alles vertreten - und alle aus der unmittelbaren Umgebung von Huntsville. Das ist also ein echter Breitensport und dementsprechend war auch die Bandbreite der Zeiten - der Sieger benötigte knapp über 2 Stunden, der letzte kam nach nicht ganz 5 Stunden ins Ziel.
Angefeuert und aufgemuntert wurden sie aber alle und ganz besonders die "Clydesdales" und "Athenas". Das sind die Herren, die über 200 Pfund wieden und die die Damen, die über 150 Pfund auf die Waage bringen. Die Amiländer lieben es ja an möglichst viele Teilnehmer Preise zu vergeben und so wird das Teilnehmerfeld in die verschiedensten Gruppen eingeteilt - Frauen und Männer, Altersgruppen, Gewichtsklassen. Und in jeder dieser Gruppen gibt es dann eine Siegerehrung mit Pokal und Applaus.
Eine Siegerin stand dabei schon von vornherein fest, da sie die einzige Starterin in der Gruppe der unter 19jährigen Frauen war.
Ein anderer Sieger hingegen musste sich den ersten Platz richtig erkämpfen - mein Kollege und Freund Tim wurde 9. insgesamt und gewann die Kategorie der über 40jährigen. Tolle Leistung, vor allen Dingen weil er sich im Vergleich zum letzten Jahr deutlich in der Zeit verbessern konnte. Was zum genau richtigen Zeitpunkt kam, denn nächste Woche fliegt er nach Peking um dort bei den Weltmeisterschaften auf der olympischen Distanz zu starten. Für die USA. Obwohl er Deutscher ist geht das im Triathlon, man muss nur seinen dauerhaften Wohnsitz in dem Land haben für das man starten will.
Letztes Jahr fand die Weltmeisterschaft im Allgäu statt und da hat er sich dann schon etwas komisch gefühlt in seinem amiländischen Trikot. Aber dieses Mal in Peking ist seine größte Sorge nichts verkehrtes zu essen vor dem Rennen.
Auch mein alter Boss hat bei dem Rennen mit gemacht. Der gute Sidney ist eigentlich ein Marathonläufer und dies war sein erster Triathlon. Was man gemerkt hat, denn nach dem Schwimmen hat er sich in aller Ruhe abgetrocknet, umgezogen und einen Müsliriegel gegessen. Dreieinhalb Minuten hat das gedauert, während Tim nach knapp einer Minute schon wieder auf der Piste war. Sid ist dann schließlich 196. insgesamt geworden, was immerhin auch noch in der vorderen Hälfte des Feldes ist.
Ganz anders die dritte Teilnehmerin aus meinem Office, die auch noch für mich arbeitet. Gail hat Triathlon bereits früher gemacht, dann kamen Kinder und Familie und eine jahrzehntelange Pause und dies war ihr erster Wettkampf seit langer, langer Zeit. Der Platz 407, von 442 die durch gekommen sind, kann sich da aber durchaus sehen lassen.
Ich hätte vielleicht noch das Schwimmen geschafft, das Radfahren wäre wohl auch noch gegangen aber spätestens beim Laufen hätten sie mich dann von der Straße kratzen müssen.
Allerdings, mit etwas Training ... wenn nur meine Knie nicht so kaputt wären, würde mich das schon reizen ...

 


Thursday, August 25, 2011

Jeff Graff

Krystal ist eine dieser Burgerbudenketten, bei denen man rund um die Uhr etwas zu beißen bekommt. Zwar kann man dort meist so gegen Mitternacht nicht mehr in die Räumlichkeiten, der Drive-through Schalter ist aber besetzt. Viel los ist in den sechs Stunden von Mitternacht bis Morgengrauen allerdings nicht, beim Krystal's auf der 6th Avenue in Decatur war der letzte Kunde gestern um 3 Uhr morgens da.
Danach kamen die Killer und haben Jeff Graff, 50 Jahre alter Nachtschichtmanager, und Jesse Aguilar, 23 Jahre alter Angestellter, erschossen.
Jeff Graff war der Mann von Lois Graff und Lois ist die musikalische Leiterin der Messiah Lutheran Church in Madison. Das ist die Kirche, in der letztes Jahr unsere Kinder getauft wurden. Und da die eigentlichen Paten nicht aus Deutschland anreisen konnten, übernahm Lois den Part des "Proxy-Paten" an ihrer Statt.
Diesen Samstag hätten sie und ihr Mann ihren 28. Hochzeitstag gehabt. Nun ist stattdessen die Totenfeier für Jeff angesetzt.
Mittlerweile hat die Polizei die drei Verbrecher in ihrem Gewahrsam - alle drei ebenfalls Angestellte in diesem Krystal's. Es war wohl Raubmord, die Beute betrug so gegen 50 Dollar. 
Wir trauern um Jeff.

Saturday, August 20, 2011

Stokin' the Fire

Birmingham hat seine Blütezeit nach der industriellen Revolution Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gehabt, als es auch wegen der Nähe zu den Kohlevorkommen der Appalachen eines der großen Stahlzentren in den USA war.
Aus dieser Zeit sind heute noch ein paar Industrieruinen zu sehen - der Stahl kommt mittlerweile, wie fast alles andere auch, aus China - und einige wenige der alten Anlagen sind sogar als Museum erhalten geblieben.
Sloss Furnace im Stadtzentrum ist so ein altes Hüttenwerk, das in den 1950er Jahren wegen Unrentabilität aufgegeben und nach langem Kampf Ende der 1970er Jahre in ein Museum verwandelt wurde. Mittlerweile ist es auch in die Liste der National Landmarks aufgenommen, steht also unter Denkmalschutz.
Natürlich kann so ein Museum nicht durch den Eintritt, den die wenigen Besucher entrichten, überleben. Also wird die immer noch imposante Kulisse genutzt um Konzerte, Kunstausstellungen oder andere Festivals zu veranstalten.

Eines davon ist das jährliche "Stokin' the Fire" BBQ Festival, das heute zum siebten Mal ausgerichtet wurde.
Zentrum der Aktivitäten ist der BBQ Wettbewerb, der offen ist für jeden der sich dazu berufen fühlt die Welt mit Pulled Pork, Brisket oder Ribs zu beglücken - und dafür Trophäen und Geldpreise zu gewinnen.
So um die fünfzig Teams waren dieses Mal vertreten, mit so klangvollen Namen wie "Motley Qüe", "Smell my Butts", "Chainsmokers", "Smart Ash Smokers" oder "Two Fat Boys and a Grill".
Überall dampfte und qualmte es, der Geruch nach Hickory-Holz setzte sich in den Klamotten fest und es duftete wie ... ja, wie es eben nur im Süden der USA duften kann wenn BBQ gemacht wird.

Die meisten Teams verteilten kostenlose Proben an die Besucher und für das Publikum gab es die Möglichkeit in einer Abstimmung (man tat Dollar-Scheine in einen Behälter und das BBQ mit denmeisten Scheinen gewann; die Einnahmen kommen der Erhaltung des Museums zu Gute) ihren Favoriten zu bestimmen.
Natürlich gab es auch Live Musik, von Raggae über Blu Grass bis hin zu Zydeco - gute-Laune-Party-Musik eben - war alles vertreten.
Und ein schönes T-Shirt hatten sie auch zu verkaufen. Alles prima also? Nicht so ganz. In einem heftigen Regenschauer, als ich gerade in der Schlange zum Public Voting stand, habe ich meinen Lieblingshut verloren ...





Saturday, August 13, 2011

5K

She did it.
Irgendwann letztes Jahr hatte sich meine Frau vorgenommen bei einem 5000 Meter Lauf mit zu machen. Die werden hier alle Nase lang veranstaltet, überwiegend als Fundraiser für eine wohltätige Sache. Man zahlt ein Startgeld und das geht dann relativ ungefiltert an den guten Zweck, weil die Veranstalter des Rennens das alles ehrenamtlich tun und die Ausgaben sich auf ein paar T-Shirts und Getränke beschränken.
Nun sind 5000 Meter keine so unüberwindlich lange Strecke - wenn man aber bisher mit Laufen so gar nichts am Hut hatte, schüttelt man das nicht gerade so eben mal aus dem Ärmel.
Also hat sie trainiert. Jede Woche zwei- bis dreimal auf das Laufband im YMCA, dazwischen noch nächtliche (wegen der Temperatur ... tagsüber tut man das hier besser nicht) Läufe durch die Nachbarschaft.
Und heute war es dann soweit - sie hat am ersten jährlichen "Run for Rescue" teilgenommen. Diese Veranstaltung ist ein Fundraiser für die Downtown Rescue Mission, so eine Art Mischung aus  Bahnhofsmission und Obdachlosenasyl.

5000 Meter per pedes also, wettbewerbsmäßiges Rennen mit ungefähr 200 Teilnehmern.
Entgegen unserer Erwartungen ging der Lauf jedoch nicht auf der Straße entlang, sondern querfeldein, durch den Wald und dann für die letzte Runde in das Sportstation der Bob Jones High School. War schon etwas anderes als das Training auf dem Laufband und auf Asphalt. Baumwurzeln, Steine, Bodenwellen und Grasnaben pflasterten den Weg. Und, so musste meine Frau fest stellen, es ist etwas völlig anderes in der Gruppe zu laufen - man wird, ob man will oder nicht, vom Tempo der anderen mit gezogen und dann ist die Gefahr groß, dass man auf halber Strecke schon schlapp macht.
Nicht meine Frau - sie hat toll durchgehalten und ist mit 38 Minuten sogar noch deutlich unter den Zeiten geblieben, die sie auf dem Laufband erzielt hat. Wie sie selbst sagt, ist sie die schlechteste des Mittelfeldes gewesen - der Sieger hat rund 15 Minuten benötigt und hat sich dann nochmal auf den Weg zu einer weiteren Runde gemacht.
Auf diese Idee ist sie nicht gekommen, die 5K haben  ihr an diesem Morgen gereicht. Aber im Herbst will sie durchaus noch ein oder zwei Rennen laufen - ist zwar eine Plackerei, vor allen Dingen in der Augusthitze hier in Alabama, aber Spaß macht es dann doch irgendwie ...



Saturday, August 6, 2011

Titans rule no more

Nachdem sie die reguläre Saison ohne Niederlage hinter sich gebracht hatten und auch das erste Play-off Spiel am letzten Wochenende für sich entscheiden konnte, trafen die Nationalen Champions des vergangenen Jahres, unsere Rocket City Titans heute auf Nashville Storm - die sie in der Saison zweimal klar besiegt hatten.
Und auch dieses Spiel hätten sie - knapp - gewinnen müssen. Zwei Minuten vor Ende standen sie vor der gegnerischen Endzone und hätten nur noch ein Field Goal erzielen müssen, dann wäre der Käse gegessen gewesen. Statt dessen werden sie zurück gedrängt bis fast an die Mittellinie, der Field Goal Versuch aus 51 Yards geht daneben und im Gegenzug erzielt Nashville den entscheidenden Touch Down - mit 12 Sekunden auf der Uhr.
34 zu 27.Nix ist mit Titelverteidigung. Statt dessen spielt jetzt der Erzfeind um den Titel.
Nun ja, man muss aber auch die positive Seite sehen - gegründet wurden die Titans erst letztes Jahr, holten gleich den Titel und kamen in ihrem zweiten Jahr bis ins Halbfinale. So ein richtiger Trost ist das ja nicht aber eines steht jetzt schon fest - die beiden Spiele gegen Nashville werden die Höhepunkte der nächsten Saison ...

Sunday, July 31, 2011

Dixie on my Mind and in my Soul

Nein, niemand hier im Süden erwägt ernsthaft sich (wieder) von den Vereinigten Staaten zu lösen. Im Moment. Aber die Grundströmung ist da, sie braucht nur eine Stimme, einen Anlass, eine Perspektive um wieder in den Vordergrund zu treten.

Die Kriegsflagge der Konföderierten Staaten  von Amerika aus den Bürgerkriegsjahren ist hier im Straßenbild regelmäßig zu sehen und niemand stört sich groß daran. Sie gehört einerseits zur Folklore, zur Geschichte des Südens und wird andererseits als Ausdruck einer persönlichen "Rebellengesinnung" akzeptiert - gegen was auch immer sich diese Rebellion richtet, sei es das Gefühl zu viel Steuern zu zahlen oder vorsorglich einen Standpunkt zur möglichen Verschärfung der föderalen Waffengesetze zu dokumentieren.
Vor allen Dingen aber steht sie für "Dixie" - das Leben im Süden der USA, die Traditionen und die Geschichte der Region, das Essen und die Sprache, den Lebensrhythmus und den Lebensstil der hier vorherrscht. Zu all dem bekennt man sich, wenn man die Flagge auf einem T-Shirt oder einer Baseball-Cap trägt, sie an seinem Auto kleben hat oder sie vor dem Haus wehen lässt. Es ist gegenwärtig eher ein kulturelles Manifest als ein politisches, doch ein gewisser politischer Unterton ist durchaus in den letzten Jahren dazu gekommen.

Die generelle Unzufriedenheit mit der Bundesregierung in Washington, das große Misstrauen gegenüber der politischen Klasse, die Deals zum Schaden des kleinen Mannes hinter geschlossenen Türen aushandelt, die mittlerweile bereits vollzogene Spaltung dieser politischen Klasse in zwei unversöhnliche Lager die jede vernünftige Einigung gegenseitig blockieren, die wirtschaftlichen Probleme die daraus entstanden sind und die erstmalig ganz konkreten Zukunftsängste eines Großteils der Bevölkerung macht so manchen empfänglich gegenüber den politischen Rattenfängern und Brandstiftern.
Noch ist man nicht bereit sich Gedanken über alternative Staats-Modelle zu machen, noch funktioniert die Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, das Star Spangled Banner. Noch hat es niemand gewagt die Saat der Abspaltung aus zu bringen. Aber der Nährboden dafür wird täglich fruchtbarer und wenn die herrschende Klasse nicht bald etwas unternimmt um die Angst im Lande wieder ab zu bauen, wird sich schon jemand finden der diese Situation ausnutzt.

Die Tea Party Bewegung wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. Dort haben sich schon heute alle die zusammen gefunden, die weniger Regierung und mehr Eigenverantwortung, weniger Steuern und mehr Kapitalismus, weniger Sozialleistungen und mehr private Dienstleistungen haben wollen.
Ein wesentliches Merkmal dieser Bewegung ist, dass es keine Führung gibt, keinen Parteivorsitz und kein offizielles Parteiprogramm. Aber wenn dann schließlich ein starker Mann oder eine starke Frau daher kommt braucht es nicht viel um das Ganze in eine bestimmte Richtung zu lenken und die Bewegung dafür zu Instrumentalisieren. Und wer sagt, dass es nicht jemand aus dem Süden sein wird, der das Heil für diesen Teil des Landes in der Verselbstständigung von "Dixie"sieht, der dort schließlich das Ruder übernimmt?
Die USA sind auf einem langen und schmerzvollen Weg nach unten, politisch und wirtschaftlich, an dessen Ende durchaus die Spaltung stehen könnte. Der Bürgerkrieg, der hier nie als Krieg wegen der Sklavenfrage wahrgenommen wurde, sondern als Krieg für oder gegen das Selbstbestimmungsrecht der Bundesstaaten, ist noch immer in den Köpfen vieler hier - als Beispiel für Wehrhaftigkeit gegenüber der Diktatur aus Washington.
Und die zur Schaustellung der Konföderierten Kriegsflagge, vor allen Dingen in den unteren sozialen Schichten der Bevölkerung, zeigt die grundsätzliche Offenheit gegenüber solchen Denkmustern. Das geht weit über einen Nostalgietrip, Modeaccessoires oder Traditionsbewusstsein hinaus. Revolutionen sind noch nie von den oberen Klassen begonnen worden, sondern es waren immer die unteren sozialen Schichten die zuerst auf die Barrikaden gingen - aus mehr oder minder freien Stücken oder, weitaus häufiger, weil sie dazu von Demagogen verführt worden sind und die revolutionäre Botschaft auf aufnahmebereiten Boden fiel.

So gesehen kann einem die Anhäufung der Flagge auf T-Shirts, Caps, Messern, Tassen und so weiter bei relativen Mainstream-Veranstaltungen, wie einer Jagd- und Angelausstellung oder einem Tractor Pulling, schon zu Denken geben. Natürlich ist das kein repräsentativer Querschnitt durch die Bevölkerung, der sich dort versammelt. Dazu fehlen alleine schon die Schwarzen und Latinos, die Professoren und Wissenschaftler, die Zugereisten aus dem Norden und die liberalen Demokraten.
Aber - siehe oben - die würde man ja auch nicht unbedingt auf den Barrikaden finden, wenn es einmal los geht ...



To Do List

Pray. Vote. Buy more Ammo.
Bete. Gehe wählen. Kaufe mehr Munition.

Illegal Immigration is destroying America - Look what it did for the White House.
Illegale Immigration macht dieses Land kaputt - man muss nur ins Weißes Haus gucken.

Love your Country. Fear your Government.
Liebe dein Land. Fürchte deine Regierung.

Das sind die Sprüche der Demokratie-Verweigerer aus der Tea Party Ecke. Leute, die solche Bumper-Sticker am Auto spazieren fahren würde man in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachten lassen. Zurecht.
Diese Sticker und viele andere mehr mit ähnlichen Sprüchen, dazu passende T-Shirts und Caps, gab es auch zu kaufen bei der Hunting & Fishing Expo.
Dass die Klientel auf dieser Messe nicht gerade Linksliberale Vorzeigedemokraten sein würden, stand sowieso außer Frage. Dass viele eher zum rechten, reaktionären Lager gerechnet werden wollen, war auch klar. Aber dass auf so einer Messe, die vor allen Dingen dem Kommerz dienen soll, das ultra-rückschrittliche Gedankengut der Tea Party Totalverweigerer so prominent vertreten sein würde, hat mich schon ein wenig überrascht. Die Vermischung von Politik und Geschäft ist normalerweise wenig umsatzfördernd und wird daher tunlichst vermieden. Aber das zeigt auch, dass die Gedankenwelt der Tea Partiisten (kein Steuern, kein Staat, keine Mexikaner, keine Kompromisse) zumindest in den kreisen der Jäger und Angler durchaus nicht aneckt und sogar - nach den T-Shirts die ich da an einigen Besuchern gesehen habe - von vielen aktiv befürwortet wird. Die Brandstifter sind unter uns ...

Tanner Tractor Pull

Wie laut sind 3000 PS? Es tut so richtig in den Ohren weh, selbst wenn man 30 Meter entfernt davon sitzt.
Gut, dass ich mir Ohrenstöpsel mit genommen hatte - sonst wäre das überhaupt nicht aus zu halten gewesen.
Die Amiländer lieben ja alles was laut, stark, groß und spektakulär ist. Und hier im Süden ist diese Liebe besonders ausgeprägt. Tractor Pulling hat hier den Status, den die Formel 1 in Europa hat. Die Fahrer sind heldenverehrte Stars, es gibt Groupies und Boxenluder und die Veranstaltungen sind wahre Zuschauermagneten.

Die Faszination, die dieser Sport hier auf die Massen ausübt liegt sicherlich zum einen begründet in den Monstermaschinen, dem Höllensound und dem umher fliegenden Dreck. Zum anderen aber spricht er die Menschen hier wohl auch an, weil die Regeln relativ simpel sind und man das im Grunde mit dem eigenen Trecker auf einem Stoppelfeld selber veranstalten könnte. Ich denke mal, dass das auch genauso angefangen hat ...
Mittlerweile aber hat sich natürlich eine regelrechte Pulling Szene daraus entwickelt, mit einer eigenen landesweiten Liga, National Tractor Pulling Association (NTPA), Meisterschaften, Sponsoren, teuren Modifikationen an der Hardware, T-Shirts und anderen Fan-Artikeln und einigem Geld, das es bei den Rennen zu gewinnen gibt.
Beim 35. Alabama Championship Tractor Pull in Tanner, kurz hinter Athens, gab es diesmal knappe $40000 an Preisgeldern.

Der Tanner Tractor Pull ist die größte, älteste und beste Veranstaltung dieser Art im Tennessee Valley. An zwei Abenden am letzten Juli Wochenende versammeln sich tausende von Leuten in der extra dafür gebauten Tractor Pull Arena der Tanner High School. Veranstaltet wird das Spektakel vom Tanner Quarterbacks Club, einer wohltätigen Vereinigung zur sportlichen Förderung der Jugend in Tanner, deren Haupteinnahmequelle nicht wie bei anderen Organisationen ähnlichen Anliegens Spenden sind, sondern dieses Ereignis.
Und so tut man noch etwas für einen guten Zweck während man sich die Show ansieht.

Und eine Show ist das - nicht gerade Oper oder Ballett, auch kein Zirkus oder Theater, sondern Motorsport im Redneck-Style.
Geht ganz einfach: der Tractor zieht einen Wagen, auf dem ein Schlitten mit einem Gewicht angebracht ist. Durch eine Seilzugmechanik bewegt sich der Schlitten mit jedem Meter den der Wagen gezogen wird immer weiter in Richtung Vorderkante des Wagens. Dadurch sinkt der Wagen immer tiefer im Boden ein, was es für den Tractor durch den gesteigerten Reibungswiderstand zunehmend schwerer macht die Vorwärtsbewegung aufrecht zu erhalten. Und wer den Wagen dann am weitesten ziehen kann hat gewonnen.
Dabei gibt es acht Klassen von Tractors, von den eingangs erwähnten 3000 PS Monstern über modifiziertes landwirtschaftliches Gerät bis hin zu Pick-up Trucks.

Ich muss zu geben, es ist schon eine Riesengaudi. Die bunt bemalten Tractors, mit so klangvollen Namen wie "Liv'N A Dream", "BAMA Deere", "Raging Bull" oder "Tremor", die schiere Kraft der Motoren, die man als Vibration in der Bauchgegend spürt, die Rednecks um einen herum, die ihre Favoriten frenetisch anfeuern, die Abgasfahnen, die den Abendhimmel verdunkeln, der Gestank nach Diesel, Kerosin und anderen Treibstoffen, der über der Arena wabert - das ist Americana pur.

Übrigens, diese Sportart gibt es auch in Deutschland zu sehen - unter anderem mit einer Klasse, die hier kein sich selbst respektierender Redneck auch nur ansatzweise in Erwägung ziehen würde: umgebaute Rasenmäher ...





Saturday, July 30, 2011

Guns and Sons

Dass die Amiländer ihre Knarren über alles lieben ist ja hinlänglich bekannt.
Bei der Hunting & Fishing Expo waren sie da im Schlaraffenland. Ein interessantes Detail ist dabei, dass für Waffenkäufe bei Ausstellungen und Messen der sonst übliche Background Check und die dreitägige Wartezeit wegfallen - man darf die Knarre gleich so mit nehmen.
Aber gekauft wurde da gar nicht so viel - das dort anwesende Publikum war wahrscheinlich schon reichlich gut versorgt. Dafür aber umso mehr geguckt, gestaunt und in die Hand genommen - vor allen Dinge die Söhne der stolzen Jäger und Angler ergriffen die Gelegenheit mal so richtig nach Herzenslust mit den Knarren umgehen zu können. Hier nichts besonderes, man wächst halt mit Waffen auf und denkt sich nichts dabei. Als Europäer, gerade frisch unter dem Eindruck des Norwegen-Massakers, stellt sich die Gefühlslage eventuell etwas differenzierter dar ...


Lizard Lick

Bizarre Gestalten bei der Hunting & Fishing Expo.

Da gibt es einen Abschleppdienst/Repo-Man (das ist jemand, der für Banken Autos "repossessed", also quasi legal klaut, deren Raten nicht bezahlt wurden ...) in dem wirklich hübsch benamten Städtchen Lizard Lick in North Carolina. Der Laden heißt auch so, Lizard Lick Towing, und wurde gegründet und wird geleitet von einem tätowierten Typen namens Ron und seiner Frau Amy.
Anscheinend sind das in Jäger-und-Angler-Kreisen so etwas wie Stars - der Stand den sie auf der Expo hatten wurde jedenfalls dauerhaft von vielen Menschen belagert, es wurden Autogramme verteilt, Fotos mit Fans gemacht und grundsätzlich ein großes Halligalli erzeugt.
Offenbar haben diese Typen mit ihrem Abschleppunternehmen im TV eine eigene Reality-Show - auf TruTV, einem der vielen Nischensender, dessen Motto "Not Reality. Actuality" einen Anspruch verspricht der, nun ja, eher Wunsch als Realität ist..

Da waren sie also, die Stars aus der Flimmerkiste live und in Farbe. In Huntsville. WOW!
Nun ja, was man so "Star" nennt in einer Stadt deren Produkte tatsächlich dort hin geflogen sind. Die zweite Staffel ihrer Show startet Ende August und zur Zeit sind die Darsteller auf der Ochsentour durch die einschlägigen Redneck-Veranstaltungen um dafür zu werben.

Der Firmenboss, Ron, ist dabei ein Redneck wie man ihn besser nicht schnitzen könnte.
Nicht nur vom Aussehen her, sondern auch wegen der Herkunft (aufgewachsen als armer Farmerssohn ...), dem was er so von sich  gibt (... ein Mann der sein Wort nicht hält ist wertlos ...), seiner Vergangenheit als College Football Spieler (...die Karriere musste er wegen einer Verletzung aufgeben ...) und seiner Liebe zu Jesus.
Ja, richtig gehört - er ist ein wieder geborener Christ, der von sich sagt "In what little spare time I have left, I find a way to serve Jesus Christ, my Lord and Savior."
Das ist hier ja nix außergewöhnliches - der letzte Präsident, George W., war ja auch einer.
Nur dass der gute Ron auch noch Pastor Of the Eastern Chapter of Dirt Church ist. Das ist eine Kirche, die kein Gebäude hat sondern auf freiem Feld abgehalten wird. Sie glauben daran, dass die Bibel über allem steht, an die Dreifaltigkeit, an die Erbsünde und dass die Erlösung eines Sünders nicht durch gute Taten erreicht werden  kann, sondern dass Jesus alle Sünden bereits auf sich genommen hat. Eine ganz normale Kirchendoktrin also, geradezu langweilig und unbesonders. Aber das nur nebenbei.

Nun also bin ich echten TV Stars auf Armeslänge nahe gekommen. Werde ich mir deshalb die Show ansehen? Vielleicht ist das ja etwas, von dem ich auch Fan werden möchte ...

Oder eventuell doch eher die Show von Duck Commander Dick Robertson, die jeden Freitag Abend auf dem Outdoor Channel läuft, und dessen Motto ist "Es gibt Entenbeobachter und Ententöter - Ich bin ein Ententöter". Auch der war dort und wurde vor allen Dingen von Vorschulkindern belagert. Nachdem sie dann ein Autogramm bekommen und ein Fotogemacht hatten, und eventuell noch ein Video mit den "Zehn Geboten des Entenjagens" gekauft hatten, gingen sie mit ihren Vätern dann weiter zum nächsten Stand - den mit den automatischen Gewehren.
Wie gesagt, bizarre Gestalten in einem Redneck-Paralleluniversum ...