Showing posts with label Tennessee. Show all posts
Showing posts with label Tennessee. Show all posts

Sunday, August 25, 2013

American Owned

Das besondere an Marvin's Family Restaurant ist nicht der Wellblechschuppen in des sich befindet. Auch nicht die lieblichen roten Akzente der Tür und der Fensterrahmen. Auch nicht, dass es sich hierbei um das beste Restaurant in Fayetteville, Tennessee (Einwohnerzahl: 6840) handelt. Auch nicht, dass es dort nur frittiertes Futter gibt (Catfish, Chicken, ...) und der Laden auf Urbanspoon trotzdem 93% positive Kritiken hat.
Nein, das besondere an Marvin's ist der Untertitel: American Owned And Operated.
Was daran so besonders ist? Nun, hier in Huntsville gibt es eine Pizzeria, die von Mexikanern betrieben wird, einen Griechen der von Mexikanern betrieben wird, einen Mexikaner der von Amiländern betrieben wird (okay, schlechtes Beispiel ...), und ein BBQ das von Mexikanern betrieben wird. Get the picture? Das typisch amerikanische Familienrestaurant ist auf dem Rückzug. Wo nicht die großen nationalen Ketten alles platt machen, werden die pleite gehenden Restaurants gerne von den südlichen Nachbarn übernommen. Die arbeiten länger für weniger Geld und schaffen es so, noch ein wenig Profit aus den Buden heraus zu quetschen. Darin sind sie sogar noch besser als die Chinesen, die auch noch in diesem Spiel mit mischen. Der Ausverkauf des Landes geht munter weiter ...






Friday, August 23, 2013

Tractor Pull in Tennessee

Und dann war da noch der Tractor Pull auf dem Maury County Fair. Darauf hatte der ganze County seit 25 Jahren gewartet - so lange war es her, als zum letzten Mal so etwas dort statt fand. Dementsprechend war auch der Besucherandrang - das Stadion war zu gut 3/4 voll, was ungefähr 1000 Zuschauern entsprechen dürfte.

Es wurde in vier Klassen gestartet, wobei die Super Farm Tractors die spektakulärste ist. In dieser Klasse dürfen die Traktoren nicht mehr als 9300 lbs (ca. 4200 kg) wiegen und einen Dieselmotor mit einem Hubraum von höchstens 640 cubic inches (ca. 10,5 Liter) haben. Damit erzeugen sie dann ungefähr 1500 PS - und eine Menge Lärm und Rauch ... :)


 Aber beim Tractor Pull sind es nicht nur Traktoren, die einen "Schlitten" hinter sich herziehen. Auch Trucks, sowohl zwei- als auch vierradgetriebene, kommen zum Einsatz. Der Schlitten verfügt über ein Gewicht, das auf einer Gleitvorrichtung montiert ist; je mehr der Schlitten beschleunigt wird, desto weiter nach vorne rutscht das Gewicht, was wiederum den Schlitten tiefer in die Erde drückt. Langsam fahren hilft allerdings auch nichts, denn einmal angefahren, entwickelt das Gewicht eine Eigendynamik, die es unweigerlich nach vorne treibt. Es gilt also, die richtige Balance aus roher Kraft und Beschleunigung zu finden.
Ein Truck der Klasse der 4-Wheel-Drive muss mindestens 6350 lbs (ca. 2880 kg) wiegen; es gibt keine Beschränkung des Motor-Hubraums und einige Exemplare bringen es auf bis zu 800 cubic inches (ca. 13.1 Liter). Als Treibstoff dient diesen Maschinen zumeist Alkohol, nur wenige sind Diesel-getrieben.



Das ganze Spektakel ist laut, dreckig, bunt und ... spektakulär. Richtig amerikanisch also, mit dicken Motoren und ungefilterter Kraft.



Tuesday, August 20, 2013

Maury County Fair

Einmal im Jahr findet in Columbia, Tennessee der Maury County Fair statt. Dort gibt es eine Woche lang einen Rummelplatz mit Achterbahnen, Riesenrad, fettigem Futter und Krimskramsständen. Nein, Schießbuden habe ich dort nicht gesehen - die würden arm dabei werden, in Tennessee ist jeder ein Scharfschütze. :) 
Angefangen hat der County Fair vor mehr als 60 Jahren als ländlicher Jahrmarkt mit Milchkuhschönheitswettbewerb, Rindermarkt, Einkochwettbewerben und sonstigen rustikal-ländlichen Amüsements. Dieses Rahmenprogramm hat sich durch die Jahrzehnte nur wenig geändert. 

So konnte ich heute Zeuge des "Cattle-Showmanship" Wettbewerbs werden. Dabei werden Kühe in die Runde geführt und ein Richter begutachtet ob die Kuhführer ihre Tiere im Griff haben, ob die Kühe in einer bestimmten Art schreiten, ob sie die Hufe nachziehen, die Nüstern blähen oder gar auf den Boden scheißen. Es gibt verschiedene Altersklassen (der Kuhführer), vom Kindergarten bis hin zu Erwachsenen, und in jeder Klasse wird dann ein Sieger gekürt.

  
Außerdem waren die Ergebnisse des "Adult Canning" Wettbewerbs zu sehen, was nichts anderes ist als das gute alte Einmachen von Gurken und ähnlichem Gemüse. Wie hier in Amiland üblich waren die Preisrichter recht großzügig mit den Auszeichnungen - beinahe jedes Glas auf dem Regal hatte eine Schleife verpasst bekommen.

 
Aber der Höhepunkt am heutigen Tag war eindeutig der Schönheitswettbewerb für Mädchen - "Fairest of the Fair". Auch dort gibt es verschiedene Alterklassen - vom Baby, das nicht älter als 11 Monate sein darf, bis hin zur Teenage Queen, die nicht älter als 22 Jahre alt, nie verheiratet gewesen und kinderlos sein darf. Dabei stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, ob das denn sein muss. Nicht nur dass die Mädchen schon von klein auf in die Rolle des auf das Äußerliche reduzierbare Weibchen gedrängt werden. Auch der Stress, den solch eine Veranstaltung auf die Kleinen ausübt sollte nicht unterschätzt werden. Denn in Wahrheit geht es ja gar nicht um sie, sondern sie sind nur Mittel zum Zweck für ihre ehrgeizigen Mütter. Mehr als eines der armen Würmchen hat geweint und musste mit mehr oder minder sanfter Gewalt zum "Auftritt" überredet werden. Und nach welchen Kriterien die drei Preisrichterinnen nun über Sieg und Niederlage entschieden haben ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich hat da, zumindest bei den kleinen Mädchen, der Niedlichkeitsfaktor eine Rolle gespielt. Ist aber auch egal -das ist nichts, was ich mir unbedingt noch mal ansehen muss ...



Hicks

Hier im Dixieland gibt es eine ganz besondere Kategorie Menschen: Hicks.
So ziemlich jeder dürfte inzwischen Rednecks, Hillbillies und Trailer Trash kennen. Hicks sind eine weitere Untergruppe des Homo Meridianus, des Südstaatenmenschen. Sie leben zumeist abgeschottet von der Umwelt auf einer selbst gerodeten Waldlichtung zu der nur ein mit Allradantrieb zu bewältigender Feldweg führt, gehen zur Nahrungssuche jagen und fischen, kleiden sich in Tarndruck und sind zumeist ob ihrer frugalen Lebensweise recht hager. Es existieren einige Gemeinsamkeiten mit den Rednecks - beide fahren Trucks, wobei der Hick kleine wendige Modelle bevorzugt, mit denen sich auch erlegtes Wild aus dem Wald bergen lässt, wohingegen der Redneck zumeist über allem thronen möchte und daher seinen V8-Truck mit extra großen Stollenreifen ausgestattet hat. Sowohl der Hick als auch der Redneck legen Wert auf ihre Privatsphäre, wobei der Hick dies durch unauffälliges Verhalten und sich-einfügen in den Hintergrund zu erreichen sucht, während der Redneck mehr auf Abschreckung und lautes Verhalten setzt. Beide sind in der Regel schwer bewaffnet aber meistens harmlos wenn man sie nicht provoziert.
Man trifft Rednecks weit häufiger an als Hicks, da diese ihrer Natur entsprechend nicht die Nähe andere ihnen unbekannter Menschen suchen.
Hicks habe ich bisher vor allen Dingen in bewaldeten teilen von Tennessee gesehen, während Rednecks anscheinend die offene Weite der Baumwollfelder in Alabama bevorzugen. Paaren tun sich beide vorzugsweise mit Trailer Trash.
Hier ein paar Exemplare des Tennessee Hick:



Sunday, November 4, 2012

Veterans Day

Nächsten Sonntag ist hier in Amiland Veterans Day. Dann gibt es allerlei Paraden, Dankesadressen, Kindergartenklassen gehen in Veteranenkrankenhäuser um Geschenke zu überbringen, es werden Schleifen im Tarndruck verteilt die man sich als sichtbares Zeichen der Unterstützung ans Auto pinnen kann und vieles mehr. Dieser Feiertag hat inzwischen in Intensität, Tam-Tam und der Berichterstattung in den Medien den bisher höchsten Feiertag, Thanksgiving, abgelöst. Man kann ihm einfach nicht entgehen. Natürlich ist es schön dass, anders als nach dem Vietnam-Krieg, die Veteranen die für Bush und Co. die Haut hingehalten haben nicht vergessen werden. Was hier im Moment abläuft geht aber weit darüber hinaus - es ist ein Heldenkult entstanden der keine Reflektion über das Warum zu lässt, sondern das Wodurch in den Vordergrund stellt. Und so war auch das heutige NFL Football Spiel in Nashville zwischen den Titans und den Chicago Bears von den Vorfeiern zum Heldengedenktag geprägt. Beim Absingen der Nationalhymne wird in Nashville immer eine riesige US Flagge auf dem Spielfeld ausgerollt. Diesmal sogar in den Umrissen der USA. Flaggenhalter waren Soldaten der 101st Airborne Division, frisch zurück aus Afghanistan. Dann wurde noch eine Extra-Flagge im Stadion gehisst und zwar von einem Veteranen des zweiten Weltkriegs, der über Europa und dem Pazifik Jagdflugzeuge geflogen hatte (kleine Anmerkung: bei seiner Vorstellung auf den zwei  riesigen Bildschirmen an den Stirnseiten des Stadions zuckte ich etwas zusammen als mir da übermannsgroße Hakenkreuze entgegen sprangen - als Abschussmarken am Flugzeug des Piloten ...). Während einer Spielpause wurden einem Angehörigen der Division, der zweimal verwundet worden war, ein offizieller NFL Spielball übergeben. Und danach wurde verkündet, dass der Sponsor der Tennessee Titans, ein großer Baumaterialkonzern, im Laufe des nächsten Jahres sechs neue Häuser für heimkehrende Veteranen bauen wird. Und das erste davon bekommt der eben noch mit einem Spielball ausgezeichnete verwundete Veteran. In anderen Spielpausen wurden Videos von Soldaten abgespielt, die aus Tennessee stammen und gegenwärtig im Einsatz in Afghanistan sind - Go Titans, beat the Bears!
Die Halbzeitshow bestritt dann die Marching Band der 101st Airborne Division. Und vor den unzähligen Verkaufsständen hinter den Tribünen versammelte sich mehrere Male spontan eine Menschentraube, die "USA, USA" skandierte - da lief ein Typ umher, der ganz in Stars and Stripes gekleidet war. Das einzige was bei diesen Festivitäten nicht so recht klappte war dass die zwei F-16 Kampfjets, die auch standardmäßig zur Show gehören, nicht wie üblich am Ende der Nationalhymne im Tiefflug über das Stadion donnerten, sondern erst gut eine Minute später, als das Spiel schon fast angefangen hatte. Das hat aber der Stimmung keinen Abbruch getan. Genauso wenig wie die Meldung von heute, dass im vergangenen Monat in Afghanistan erstmals mehr US Soldaten Selbstmord begangen haben als durch Feindeinwirkung getötet wurden, dem ganzen einen Dämpfer aufgesetzt hat. The Show must go on. Hier wie in Afghanistan. Das Spiel endete übrigens mit 51 zu 20 für die Gäste aus Chicago.


Thursday, November 1, 2012

State Line

Die Studiengebühren an der sehr renommierten Georgia State University liegen bei $5000 für Einwohner von Georgia und gut $15000 bei solchen Studenten die aus anderen Staaten kommen.
Bei der Tennessee State University müssen Studenten aus Tennessee überhaupt keine Studiengebühren zahlen (ist trotzdem nicht ganz kostenlos - rund $3000 pro Semester kommen durch anderen Gebühren zusammen), die von außerhalb des Staates dagegen rund $10000 pro Semester.
Nun sind die "Out-of-State" Studenten eher eine Minderheit in beiden Universitäten - wie also können sie es sich leisten, die sehr teure Ausbildung für ihre Landsmänner und -frauen so billig anzubieten?
Glücksspiel.
In Tennessee, Georgia, Mississippi und Florida gibt es staatliche Lotterien, deren Gewinne überwiegend in die Bildung investiert werden. Seit 2004, dem ersten Jahr der Tennessee Education Lottery, hat sie dem Bildungswesen bereits über 2 Milliarden (!) Dollar eingebracht. Und inden anderen Staaten zu denen Alabama Grenzen hat sieht es ganz ähnlich aus.
In Alabama wurde 1999 ein Gesetzentwurf präsentiert, der diesem Staat auch solch einen Geldregen spendiert hätte. Keine Chance. Nach einem wahren Trommelfeuer von den Kanzeln der tausenden Kirchen hier wurde diese Initiative mit 54 zu 46 Prozent von den Wählern abgeschmettert. Seitdem hat es keine Partei je wieder gewagt das Thema auch nur anzusprechen. Das Bildungsbudget in Alabama schrumpft derweil jährlich um 2-3 Prozent.
Dazu kommt noch, dass die 46 Prozent, die dafür gestimmt hatten, nun ihr Geld eben nach Florida, Tennessee, Georgia und Mississippi tragen - und damit die Bildungseinrichtungen dieser Staaten mitfinanzieren. Gekniffen sind nur die, die mitten in Alabama in der Birmingham-Montogomery Gegend leben und somit ziemlich weite Anfahrten zur nächsten Lottoannahmestelle haben. Was sie nicht davon abhält ihr Geld dorthin zu tragen - wozu gibt es schließlich Verwandte die grenznah leben?
Und so kommt es, dass in Alabama die Moral der gottesfürchtigen Bürger  nicht durch Glücksspiel in Gefahr gebracht wird.
Das Bild zeigt die Situation an der Staatengrenze zu Tennessee auf dem Highway 231 nahe Huntsville - auf der Alabama Seite eine Kirche, auf der Tennessee Seite Sodom und Gomorrha. Wer ganz genau hinguckt kann vielleicht  eine gehörnte Gestalt hinter einem der Bäume ausmachen, die mit einem Diplom winkt ...


Monday, May 28, 2012

Dog Days Flea Market II

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal beim Dog Days Flea Market in Ardmore. Dort kommen jedes Wochenende allerlei Händler zusammen und veranstalten eine Mischung aus Bauern-, Floh- und Ramschmarkt. Von jungen (Jagd-)Hundewelpen (die dem Ganzen den Namen gaben) über Treckerreifen bis zu Vedervieh und selbsteingelegtem Gemüse ist dort alles zu haben - die Masse macht aber Ramsch aus der eigenen Garage aus. Und am langen Memorial Day Wochenende im Mai sind dann über tausend Händler dort.
Während letztes Mal für mich noch der Aha-Effekt recht groß war, was man da so alles entdecken konnte, inklusive der Typen die dort, Gewehr geschultert, herum liefen, war es diesmal ... enttäuschend.

Viele der großen Händler, von denen ich mir erhofft hatte dort ein BBQ Schild zu finden, waren gar nicht erst da - es klafften doch sehr sichtbare Lücken.
Einige davon waren offensichtlich von Händlern anderer landsmannschaftlicher Zugehörigkeit aufgefüllt worden - im Gegensatz zu letzem Jahr waren einige chinesische und lateinamerikanische Händler zu sehen. Und was bieten die an? Billigen Tand und extra für den US Markt produzierten Ramsch. Nachgebaute iPhone-Hüllen, Plastik-Glitzerkram, verdächtig preiswerte Marken-Sonnenbrillen ...

Fazit: Abhaken. Letztes Jahr war anscheinend der Schwanengesang der "guten alten Zeit" dieser Veranstaltung, Von nun an wird es bergab gehen und in fünf Jahren wird der billige, extra für diesen Markt in Fernost und Lateinamerika produzierte Schund überwiegen.
Das war mal eine sehr urige, heimelige und interessante Sache, ein Insider-Tipp mit hohem Authentizitäts-Faktor. War. Jetzt nicht mehr. Billiger Jahrmarkt.

Dazu passt ein Gespräch zweier älterer Semester, das ich überhörte. Die beiden hatten offensichtlich nach ein paar Jahren Abstinenz wieder einmal den Weg hierher gefunden. Sie beschwerten sich vehement über die Parkgebühren, die wohl jahrzehntelang bei einem Dollar gelegen hatten und nun auf das doppelte angewachsen waren. Dabei hatte sich aber das Produkt - ein Platz für das Auto auf einem staubigen Wiesenstück - überhaupt nicht geändert. Die beiden waren sich einig in ihrer bitteren Einschätzung: Das, was dieses Land tötet ist die Gier der Leute. Nun ja, das nennt man dann wohl Kapitalismus ...




Saturday, May 5, 2012

Wheeler Dam

Ohne Energie läuft hier gar nichts. Genauer, ohne billige Energie. Noch genauer, ohne viel billige Energie.
Klimaanlagen, mannshohe Kühlschränke, Weihnachtsbeleuchtungen die man noch vom Mond aus sieht,  Leuchtreklamen, Breitbild-TVs und elektrische Dosenöffner müssen ja irgendwie angetrieben werden.
Nun war der Norden Alabamas jahrzehntelang ein eher ländliches Gebiet mit wenig Industrie und genügsamen, schweißresistenten Menschen. Dann aber kam in der 1930er Jahren Franklin Delano Roosevelt und meinte dass mehr Energie auch mehr Arbeitsplätze schaffen würde - zunächst einmal dadurch, dass die neuen Energiegewinnungszentren aufgebaut werden und danach dass sich dadurch eine Eigendynamik entwickeln würde nach dem Motto "wenn wir schon einmal billige Energie haben, können wir ja auch unsere Fabriken hier ansiedeln".
Nun ja, ganz so einfach ging es dann doch nicht aber man fing doch schon mal munter mit der Bautätigkeit an. Und zwar am Tennessee River, der ein ziemlich breiter und gewaltiger Strom ist, der geradezu dazu prädestiniert war mit Wasserkraftwerken zugepflastert zu werden. Insgesamt 9 sind es dann geworden, auf 652 Meilen Flusslänge in mehreren Bundesstaaten.

Einer davon ist der Wheeler Dam, der gut 30 Meilen östlich von Decatur liegt. Und über den bin ich heute gefahren. Was ein Erlebnis ist, denn das Bauwerk ist ja nun auch schon über achtzig Jahre alt und die Fahrbahn über dem eigentlichen Damm steht auf einer Stelzenkonstruktion, die am Südende nur wenige Meter über den Wasserspiegel ragt. Dieser Damm ist dadurch regelrecht filigran in seiner Anmutung und meiner Meinung nach einfach ein Meisterwerk der Bau- und Ingenieurskunst.

Am südlichen Ende befindet sich seit 1953 "The Dam Store", der leider seit 2009 geschlossen ist. Anscheinend wird er aber noch regelmäßig gewartet und instand gesetzt, jedenfalls nach dem Äußeren Eindruck zu urteilen. Es sieht aus als ob der Betreiber nur mal gerade eben weg ist um eine Besorgung zu machen und gleich wieder kommen wird. Wahrscheinlich sind ihm die lebenden Würmer ausgegangen, die man hier für Angeltouren auf dem Tennessee kaufen konnte ...






Friday, May 4, 2012

Farmers Auction

In Elkton, Tennessee, gleich hinter der Grenze zu Alabama, findet im Sommer an jedem ersten Freitag im Monat eine Landmaschinen-Auktion statt.
Alte und neue John Deere Traktoren, Aufsitzrasenmäher, Treckerreifen, Maschendrahtmatten, Sähmaschinen, Eggen, Mähdrescher - alles was der Farmer so braucht kann man hier gebraucht erwerben.
Große Treckerreifen gehen dabei für um die 100 Dollares weg, eine Rolle Maschendraht für einige hundert, gut erhaltene Landmaschinen auch schon mal für mehrere tausend grüne Scheine.


Der Auktionator wird in einem verrantzten alten Campingmobil durch die Gassen gefahren, an denen die Auktionsstücke, nun ja, im Gras liegen. Dabei murmelt er unablässig irgendwelche Sachen vor sich hin, von denen der uneingeweihte Tourist aus Alabama höchstens mal ein freudiges "twennyfivehunred" am Ende einer Auktion versteht.
Das Stamm-Publikum ist sehr lokal und sehr ländlich, überwiegend in blaue Latzhosen und Karohemden gekleidet und versteht offensichtlich das Kauderwelsch, das da aus dem Mini-Lautsprecher am Campingmobil kommt, ganz genau. meine Frau und ich kamen uns dort doch sehr fehl am Platze vor, obwohl sie ja studierte Agraringenieurin ist.
Denn natürlich ist das Ganze kein echtes Touristenspektakel und wir waren nur der Neugier halber dort - als Teil unserer soziologischen Forschungen.
Wir stachen also heraus aus der Menge und ich wurde ernsthaft gefragt, ob ich von der Steuerfahndung sei, weil ich so viele Fotos mache. Nein, konnte ich versichern, ich bin nur ein Landmaschinen-Fan. Aus Alabama. Und dahin fahre ich jetzt auch wieder zurück - bevor mich der Mob als Regierungsagenten teert und federt. Denn durch die Bücher geht hier bestimmt nur ein Bruchteil dessen, was unter den Hammer kommt ...












Friday, February 17, 2012

Amarcord

Dies ist wieder einmal eine von diesen Geschichten ...
Ich schenke also meiner Frau einen MP3-Player zu Weihnachten. Sie geht auf die Suche nach Musik dafür und stößt dabei auf eine deutsche a capella Gesangsgruppe, deren Programm Madrigale, Renaissance Musik und Gesänge des Mittelalters, Kompositionen der europäischen Romantik und ähnliches umfasst.
Sie mag die Musik des Ensemble Amarcord so sehr, dass sie im Internet ein wenig nach Informationen stöbern geht. Die Gruppe wurde 1992 von fünf ehemaligen Mitgliedern des Leipziger Thomanerchores gegründet zählt  heute zu den führenden Vokalensembles weltweit.
Auf ihrer Website listen sie unter anderem auch die Konzerte auf, die in diesem Jahr gegeben werden, überwiegend in Deutschland, mit einem kleinen Abstecher nach Australien - und siehe da, sie kommen auch in die USA. New York, San Diego, Sedona (Arizona), Clarksville (Tennessee) sind die Stationen.
Moment - Clarksville, Tennessee???! Das Clarksville, Tennessee, das nur gute zweieinhalb Autostunden von uns entfernt ist? In der Tat - sie geben ein Konzert in der dortigen Universität.

Eintrittskarte für meine Frau gekauft, Hotel gebucht, Auto vollgetankt und nix wie hin.
Sie war im sechsten Himmel (... der siebte wäre es gewesen, wenn ich auch mit dorthin gekonnt hätte - aber einer musste ja auf die Kiddies aufpassen ...) und kam wieder mit der Aussage: die klingen live ganz genauso wie auf CD/MP3!
Und das obwohl sie einen Mann in Arizona hatten zurück lassen müssen - der liegt mit Gallensteinen in einer Klinik in Sedona. Dadurch wurde das Programm etwas umgeändert, denn für einige Stücke brauchten sie alle fünf Stimmen. Da haben sie eben mehr mittelalterliche Lieder gesungen, das geht wohl auch mit weniger manpower. Wie gesagt, meine Frau war hell auf begeistert.
Die anwesenden Amiländer ... das fiel wohl eher unter die Rubrik "Perlen vor die Säue" ...
So ungefähr zweihundert Zuhörer hatten sich eingefunden, darunter das gesamte Bildungsbürgertum von Clarksville. Da bestand dann doch eine nicht unerhebliche kulturelle Barriere, die nicht nur durch die Sprachhürde (der Amiländer ... die deutschen Sängerknaben waren des Englischen durchaus mächtig ...)  definiert war.
Man fragt sich dann natürlich unweigerlich wieso es eine solche Vokalgruppe aus Deutschland nun ausgerechnet in die hinterste Provinz von Tennessee verschlägt.
Nun, in Clarksville gibt es die Austin Peay State University, deren hervorstechendes Merkmal das exquisite Musikdepartment ist. Der 'Professor for Voice', Dr. Thomas King, hat neben drei oder vier Abschlüssen in musikalischen Fachrichtungen einen Masters Degree in deutscher Sprache, eine Zertifizierung als Opernsänger vom Mozarteum in Salzburg und war fünf Jahre lang als Sänger auf deutschen Theater- und Opernbühnen unterwegs. Meine Theorie ist, dass er dabei die Jungs vom Ensemble Amarcord getroffen hat. Und als er dann Professor in Clarksville wurde, hat er sie in 2005 das erste Mal hier her geholt. Denn abgesehen vom Konzert halten sie zusätzlich auch noch einen Workshop in der Uni ab. Wie gesagt, meine Theorie.

Tut aber eigentlich gar nichts zur Sache - Hauptsache, meiner Frau hat es gefallen. Und wenn wir irgendwann wieder in Deutschland sind wird das Ensemble hoffentlich immer noch zusammen sein und dann wird sich schon eine Gelegenheit ergeben sie dort - diesmal gemeinsam - live zu erleben ...

Wednesday, June 8, 2011

Belinda's Girlfriend

Belinda kommt aus einer Militärfamilie. In den 1970er Jahren war ihr Vater im Redstone Arsenal stationiert und die Familie lebte in Huntsville. Belinda ging in eine Privatschule und alles war prima.
Dann wurde ihr Vater pensioniert und die Familie zog in seinen Geburtsort im südlichen Tennessee, nicht weit von der Alabama-Tennessee Staatsgrenze. Und dort ging Belinda dann in die örtliche öffentliche High School, in die 7. Klasse.
Vom ersten Tag an wusste sie, dass sie sich dort nicht wohl fühlen würde. Als sie mit ihrer Mutter die Schule betrat fiel ihr gleich ein großes Schild im Eingang ins Auge auf dem davor gewarnt wurde, dass das ausspucken von Kautabak in den Gängen unter Strafe verboten sei. Und in der ganzen Schule hing der Geruch von hunderten ungewaschener Kinderkörper. Die - meist schäbige und oftmals zerrissene -Kleidung der meisten ihrer Mitschüler starrte vor Dreck, kaum einer hatte intakte Zähne (was sie für Verrottung hielt waren aber vielleicht auch nur die Flecken die der Kautabak auf den Zähnen hinterließ ...) und sie sprachen einen Dialekt, von dem sie nur Bruchstücke verstand. Sie hatte so gar nichts mit diesen Hinterwäldlern  gemeinsam.
Ihre Klassenkameraden mieden sie und sie mied ihre Klassenkameraden. Bis auf ein Mädchen, Debbie, mit dem sie sich langsam ein wenig anfreundete. Eines Tages fasste sich Belinda dann ein Herz und fragte Debbie, ob sie einmal nach der Schule mit zu ihr nach Hause kommen wolle, zum Spielen (was man hier "Playdate" nennt). Sie könne ja erst ihre Mama fragen, ob die damit einverstanden wäre.
Worauf Debbie ihr zu verstehen gab, dass sie nicht bei ihrer Mutter lebte. Gut, dachte sich Belinda, sie ist also ein Scheidungskind. Also, sagte sie zu Debbie, dann frag eben deinen Vater. Nein, sagte Debbie, bei dem würde sie auch nicht leben. Und überhaupt sei das mit dem Playdate sowieso keine gute Idee, denn ihr Ehemann würde von ihr erwarten, dass sie nach der Schule immer gleich nach Hause käme.
Wenig später hatte Belinda ihre Eltern davon überzeugt, dass diese Schule nichts für sie sei und von da an fuhr sie ihre Mutter jeden Tag wieder in die alte Privatschule nach Huntsville.

Das legale Heiratsalter in Tennessee ist heute 16 Jahre, mit Zustimmung beider Elternteile. In Alabama ist es immer noch 14 Jahre.

Wednesday, October 13, 2010

Sunset in Alabama

Auf dem Rückweg vom Little River Canyon bin ich dann noch in einen der schönsten Sonnenuntergänge gefahren, die ich je erlebt habe.
Kurz vor Scottsboro fuhr ich auf einem kleinen Plateau, als plötzlich die Bäume am Straßenrand ein Lücke hatten und ich den Tennessee durchschimmern sah. Keine fünfzig Meter weiter führte eine kleine Straße zu einem Aussichtspunkt - dem Two Eagles Point. Der steht im Moment übrigens zum Verkauf - fotografieren von dort aus kostet sonst Geld. Keine Ahnung, was man damit so einnehmen kann übers Jahr, ich jedenfalls würde gerne Eintritt bezahlen, denn der Blick ist wirklich spektakulär.

Kurz vor Huntsville hatte sich dann der Sonnenuntergang von diesem merkwürdigen orangenem Leuchten in eine Endzeitszenerie aus einem Charlton-Heston-Bibel-Monumentalfilm verwandelt. Ebenso spektakulär ...


Columbus' Ships

Christopher Columbus fuhr mit drei Schiffen los, um den Seeweg nach Indien zu entdecken - wo er stattdessen heraus kam ist hinlänglich bekannt.
Die Santa Maria, das größte der drei Schiffe, mit 24 Metern Länge und 39 Mann Besatzung, lief am Weihnachtstag 1492 auf eine Sandbank vor dem heutigen Haiti auf und konnte nicht mehr gerettet werden. Das Holz wurde für den Bau der ersten spanischen Siedlung auf amerikanischem Boden, La Navidad, verwendet.
Die Pinta war das schnellste der drei Schiffe, mit 21 Metern Länge und 26 Mann Besatzung.
Die Nina war das kleinste der Schiffe, mit 20 Metern Länge. Sie nahm an drei der Reisen von Columbus in die neue Welt teil und war bei der zweiten Reise sein Flaggschiff.
Über das weitere Schicksal der Pinta und der Nina ist nichts weiter bekannt - es waren halt typische Handelsschiffe des ausgehenden 15. Jahrhunderts und als solche austauschbar für ihre Eigner.
Für uns, fünfhundert Jahre nach den Entdeckungsfahrten von Columbus, haben sie einen großen Symbolwert und eine  hohe geschichtliche Bedeutung. Kein Wunder also, dass es mittlerweile einen originalgetreuen Nachbau (so weit das überhaupt noch möglich war ... denn Pläne oder auch Bilder gab es nicht mehr) der Nina.

Im Jahre 1986, sechs Jahre vor dem 500. Jahrestag der Entdeckung der neuen Welt durch Columbus, wurde auf den Britischen Jungfrauen Inseln eine Gesellschaft gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hatte bis 1992 alle drei Schiffe von Columbus nachzubauen.

In dem kleinen Fischerdorf Valenca in Brasilien gab es eine winzige Werft, die immer noch nach den Methoden und mit den Werkzeugen des Mittelalters Schiffe baute. Dort wurde das erste Schiff, die Nina, auf Kiel gelegt. Das ganze Unternehmen dauerte dann doch so lange und verschlang so viele Ressourcen, dass schließlich statt der drei Schiffe nur die Nina rechtzeitig fertig wurde.
Im Dezember 1991 verließ die Nina Brasilien in Richtung Costa Rica, das sie Mitte Januar 1992 erreichte - eine Reise von rund 4000 Seemeilen.

Seit dem schippert sie, und seit 2005 auch der Nachbau der Pinta (die 50 Prozent größer als das Original gebaut wurde um mehr Platz auf Charterreisen zu haben), um die Welt als schwimmendes Museum und quasi Geschichte zum Anfassen.

2010 und 2011 machen die beiden Schiffe eine ausgedehnte Tour an der Ostküste der USA und auf den großen Flüssen im Inland - unter anderem befahren sie dabei auch den Tennessee River. Und der liegt bei uns direkt vor der Haustür. Leider haben wir es nicht mitbekommen, dass sie letzte Woche in Huntsville Station gemacht haben - da war nix in der Zeitung ...
Erfahren habe ich dann, dass sie da gewesen sind und bis heute zwölf Uhr Mittags in Guntersville liegen, als ich gestern nach unserer Rückkehr aus den Smokies die Sonntagszeitungaufschlug und mir auf der ersten Seite ein Bild der beiden Schiffe entgegen sprang.
Klar, da mußte ich hin! Guntersville ist nur eine gute Stunde von Huntsville entfernt, ich habe Urlaub und der einzige Wermutstropfen war, dass meine Frau nicht mitkommen konnte - der Kleine Mann muß um zwölf Uhr aus dem Kindergarten abgeholt werden.

Der erste Eindruck, wenn man vor der Nina steht - Nußschale. Wie haben die auf der Rückfahrt von der zweiten Reise 125 Leute damit transportieren können? Mit mir waren zwei Schulklassen von ungefähr sechzig Kindern mit an Bord und man hat kaum ein Bein los gekriegt.
Man bekommt einen Riesenrespekt vor der Leistung, die Columbus und seine Männer vollbracht haben, wenn man auf den Planken dieses nordseeküstenfischkuttergroßen Gefährts steht - das hätte auch genauso gut total schief gehen können!

Ich habe den Schiffen dann noch beim Ablegen zugeschaut - leider keine Segel, nur Motorkraft ... auf dem Tennessee kommt gegen den Wind kreuzen nicht so gut, da müßten ja alle Hobbyangler mit ihren Booten Platz machen ... - und sie ein Stück des Weges nach Chattanooga begleitet. Dort bleiben sie zwei Wochen, bevor es weiter geht nach Knoxville.

Das war schon eine tolle Sache, so ein Stück Geschichte einmal live und in Farbe selber anfassen zu können (auch wenn es nicht die Originale waren ... ). Im übrigen suchen sie Freiwillige für ihre Reisen, vier bis sechs Wochen Törns, keine Segelerfahrung notwendig, aber große Toleranz gegenüber Nähe zu seinen Mitmenschen ... hatte ich schon erwähnt, dass das Nußschalen sind ...?!


Sunday, September 12, 2010

Titans vs Raiders

Das wird eine lange Saison, sagte Gerry und verbarg seinen Kopf in den Händen. Um ihn herum tanzten fröhliche, in babyblaue T-Shirts gewandete Menschen ausgelassen herum und gaben einander "high fives". Ich freute mich einerseits, dass das Spiel nun entschieden war, nachdem die Titans ihren achtunddreißigsten Punkt an diesem Nachmittag eingefahren hatten. Andererseits konnte ich es gar nicht mit ansehen, wie mein Freund still vor sich hin litt, weil seine Raiders nicht mehr als dreizehn Punkte zustande gebracht hatten.
Bald darauf wurde er jedoch von der babyblauen Masse kollektiv getröstet und man entschuldigte sich sogar beim ihm, dass sein Team hier so unter die Raeder gekommen war. Wirklich nette Leute, hier in Tennessee.
Dabei hatte alles noch so hoffnungsvoll angefangen. Nachdem Trace Adkins, einer der größten Stars der hiesigen Country Music Szene, mit seiner tiefen Bass-Stimme die Nationalhymne intonierte, während hinter ihm Reservisten der Tennessee Nationalgarde eine riesige US-Flagge über dem Spielfeld ausrollten und über unseren Köpfen eine Staffel Jagdbomber hinweg fegte, gingen die Raiders erstmal mit drei zu null in Führung. Dann aber folgten Pleiten, Pech und Pannen - sie verloren den Ball, luden die Titans ein die Uniform des Quarterbacks ordentlich dreckig zu machen und ließen in der Verteidigung bedenkliche Lücken offen, was dann ziemlich schnell das Spiel kippen ließ. Eigentlich war ja zur Halbzeit schon alles entschieden, doch wir hatten so schöne Plätze, die Menschen um uns herum waren so freundlich, die Sonne schien und der Wind wehte, dass wir dann doch bis zum Ende blieben. Als Raiders-Fan ist man an Enttäuschung gewöhnt, was aber immer wieder schlimm ist, sind diese Momente der Hoffnung, die kurz aufflackern, nur um dann brutal in den Rasen getrampelt zu werden. Für die Titans dagegen sieht die Zukunft recht rosig aus - aber das haben wir dann für uns behalten und Gerry mitfühlend auf die Schulter geklopft. Gut, dass er auch ein Titans-Trikot im Schrank hängen hat - denn wenn nicht gerade die Raiders nach Nashville kommen, feuert er das Team in babyblau an. Immerhin hat er tapfer bis zum Ende durchgehalten und sein Team angefeuert und ist nicht, wie zwei andere Raiders-Fans, die vor uns saßen, nach der Halbzeit in frisch gekauften Titans-Outfits wieder aufgetaucht ...




Wednesday, July 1, 2009

Picture the Aquarium

Chattanooga ist die viertgrößte Stadt in Tennessee. Man kennt sie vom berühmten Lied aus den 1940er Jahren - "Chattanooga Choo-Choo". Den nahmensgebenden Zug kann man dort auch tatsächlich besichtigen. Außerdem gibt es noch Schufelraddampfer und den Tennessee River zu sehen.

Eine weitere Attraktion ist das Tennessee Aquarium.
Es besteht aus zwei Gebäuden - im einen werden die verschiedenen Biosphären eines Flußlaufes dargestellt, in dem anderen wird die Vielfalt der Meere gezeigt.




Zweimal im Jahr wird dort ein Foto-Workshop durchgeführt. Der beginnt, wenn das Aquarium abends geschlossen wird.
Anstatt sich mit 4000 anderen Leuten um die besten Plätze an den Aquarienscheiben zu schlagen kann man dann in aller Ruhe seine Fotos machen.
Wenn man das richtige Equipment hat ... Denn ohne Spiegelreflex-Kamera mit lichtstarken Objektiven, entfesseltem Blitz und Rauschfreiheit bei hohen ISO-Zahlen gibt es nur Frust.
Und den hatte ich. Von ungefähr 400 Bildern die ich in zweieinhalb Stunden gemacht habe sind nur eine Handvoll vorzeigbare dabei.
Meine digitale Megazoom-Kamera ist prima für Landschaften, Blumen, Menschen und dergleichen. Im Aquarium jedoch ist sie eindeutig an ihre Grenzen gestoßen. Im Grunde sind nur die Bilder etwas geworden, wo sich nichts bewegt hat. Haie, Rochen, ja wirklich so gut wie alle (schwimmenden) Fische verschwommen in Bewegungsunschärfe. Und Blitzen half auch nicht, da das Licht in den zentimeterdicken Plexiglasscheiben so reflektiert wurde, dass die Aufnahmen völlig unbrauchbar wurden. Da hilft nur entfesseltes Blitzen, wo der Blitz mindestens eine Armlänge von der Kamera entfernt ist. Konnte ich aber nicht machen, da meine Kamera einen eingebauten Blitz hat ...
Also habe ich mich auf die eher statischen Motive konzentriert - und ein paar brauchbare Bilder sind dann doch dabei heraus gekommen. Hier eine kleine Auswahl:



Jellyfish



Frog



Alligator



Sea Horses



Nautilus



Fish in the Mirror ...

Nun ja, Spaß gemacht hat es trotzdem. Aber noch einmal muß ich das nicht unbedingt machen.
Zumal da immer so ein schaler Beigeschmack bleibt - denn die Bilder sind halt nicht in freier Wildbahn entstanden und so - aus meiner Sicht - nicht in der gleichen Liga. Wie Vollplayback im Vergleich zu wirklichem Live-Singen ...

Saturday, January 10, 2009

Turnovers


Es reicht. Ich schicke meine Titans Gameday Cap in Pension. Es tut mir leid, denn ich mag diese Cap sehr. Sie ist nicht eine von diesen auf jede Kopfgröße einstellabren "One Size Fits All" Dingern, sondern eine nur auf meine Kopfgröße passende Mütze. Habe sie damals im November 2008 anläßlich meines ersten Live-Spiels gegen die Jets gekauft. Dieses Spiel haben die Titans verloren. Und heute habe ich sie dann zum Playoff-Spiel gegen die Ravens getragen ... die Cap ist 0-2 nun ... das reicht. Vielleicht werde ich sie, nach einer gehörigen Schamzeit, im Haus und in der Stadt tragen. Aber bestimmt nie mehr zu Titans Spielen. Sie hatte ihre Chance ...




... und die hatten auch die Titans heute, das Spiel zu gewinnen. Sechsmal waren sie kurz vor der Endzone und haben es nicht geschafft Punkte zu erzielen. Der Umschwung kam dann endgültig, als sie ein Yard vor der Endzone den Ball verloren haben - jeder in den Zuschauerrängen um mich herum hat das gespürt und obwohl eigentlich noch viel Zeit war das Ding doch noch umzudrehen, blickte ich in leere Gesichter, aus denen jegliche Zuversicht gewichen war. Und die Mannschaft hat das wohl auch gespürt, denn das Aufbäumen war nur halbherzig und letztlich vergebens. Nun ja, vielleicht nächstes Jahr ...





Aber wie immer, war das eigentliche Spiel nur der Anlaß, nicht das Hauptereignis. Man befindet sich für vier Stunden zusammen mit den zwölf oder fümfzehn Leuten in der unmittelbaren Umgebung in einem anderen Universum.
Neben mir der Fan war extra aus Utah angereist für dieses Spiel. Er war ursprünglich aus Kentucky und somit von der geografischen Nähe her zum Titans Fan geworden. Jetzt geht er im Mormonenstaat zum College und hatte sich diese Reise so zwischendurch mal geleistet. Der war vielleicht bedient, als das Spiel verloren war ... oder, wie der Quarterback der Titans, Kerry Collins, nach dem Spiel sagte: "This one's going to hurt for a while."
Nicht, weil es keinen Sieg gegeben hat, sondern vielmehr weil man ihn leichtfertig aus der Hand gegeben hatte.
Aber die fast vier Stunden bis dahin haben wir alle jede Menge Spaß zusammen gehabt.
Und natürlich gabe es auch nebenher wieder so einiges interessantes zu beobachten.
Der Typ mit der Gesichtsbemalung war dabei schon recht spooky ...




... der Mensch mit dem selbstgebastelten Titans-Fan-Hut auf fällt da schon eher unter die Kategorie "seltsamer Vogel".



Und natürlich gab es auch wieder jede Menge nationalen Pathos. Im Bild unten singt gerade Martina McBride, hier drüben ein Superstar der Country Music, die Nationalhymne. Währenddessen entfalten Soldaten der 101st Airborne Division, frisch von den Schlachtfeldern in Irak und Afghanistan eingeflogen, eine riesige US Flagge. Am Ende donnern dann Kampfjets der US Air Force über das Stadion - aber die hat man leider nur gehört und nicht gesehen, weil nämlich der Regen viel zu dicht war und die Wolken zu tief hingen.



Auch ein Erlebnis war diesmal der Anmarsch zum Stadion. Ich hatte einen Zeitpunkt erwischt, zu dem die gesamten mitgereisten Fans der anderen Mannschaft aus Baltimore ins Stadion wollten. Um mich herum ein Meer von Lila, den Vereinsfarben der Ravens, und nur hier und dort ein paar Sprengsel Hellblau (die Vereinsfarben der Titans).



Und Downtown Nashville wurde beim Durchzug der Ravens-Fans dann kurzerhand zur "Ravenstown" erklärt. Das waren zwar nur so um die fünf- bis sechstausend und im Statdion sind sie dann im Meer der anderen sechzigtausend Titans-Fans geradezu unter gegangen. Aber imposant war das doch, wie sie als geschlossener Pulk durch die Stadt gezogen sind.
Dabei kam es dann immer wieder zu nicht ernst gemeinten Wortgefechten und Frotzeleien - nie jedoch war die Stimmung in irgendeiner Weise gefährlich oder aufgeheizt. Man stelle sich vor, die Schalke-Fans zögen so durch Dortmund ... Nein, hier waren Kinder mit dabei und Pensionäre, ungefähr die Hälfte ds Publikums sind sowieso Frauen. Es ist halt ein Familienereignis und keiner muß Angst haben in eine dunkle Ecke gezogen zu werden , nur weil er die falschen Farben trägt.


Tja, und hier noch ein kleiner Eindruck, wie laut es ist, wenn die Titans Defense auf dem Feld steht. Man hat das mal gemessen und unten auf dem Feld die Lärmwerte eines startenden Jumbos aus 100m Entfernung festgestellt. Das ist dann tatsächlich der 12. Mann, der mit auf dem Feld steht ...




Fazit: Es hat sich gelohnt, auch wenn der Ausgang ruhig anders hätte sein können.
Das war mein zweites Playoff-Spiel der Titans, das ich Live gesehen habe. Das erste, das legendäre "Music City Miracle", als ein schon verlorenes Spiel mit einem der wahnsinnigsten Spielzüge die die NFL je gesehen hatte in den letzten Sekunden doch noch gedreht wurde, war 1999. Dazwischen gab es dann nur noch zwei weitere Spiele, bei denen ich nicht dabei sein konnte. Ich hoffe, dass ich bis zum nächsten Mal nicht wieder zehn Jahre warten muß ....


Sunday, November 23, 2008

Titans vs Jets

Wir waren heute beim Football - die bislang ungeschlagenen Tennessee Titans gegen den alten Haudegen Brett Favre und seine New York Jets.
Nun, die Titans sind nicht mehr das einzig ungeschlagene Team in der NFL ... die Jets haben 34 : 13 gewonnen. Verdientermaßen. Heute lief gar nix für die Titans. Bälle wurden reigenweise fallen gelassen, die Schiedsrichter lagen einige Male daneben und alle schienen irgendwie gehemmt zu sein.
Na ja, eagl. Irgendwann mußten sie ja mal verlieren. Und besser gegen die wirklich beeindruckenden Jets als am Donnerstag gegen die immer noch gewinnlosen Detroit Tigers. Oh Mann, die werden es abkriegen ...
Aber toll war dieser Tag schon. Nicht zuletzt wegen der Atmosphäre und der Typen, die man bei so einer Gelegenheit trifft. Es war schon großes Entertainment.



LP Field, Home of the Titans
Nashville, Tennessee

Zum 101sten Mal in Folge ausverkauft.
Die Karten für diese Saison waren innerhalb von
6 Minuten ausverkauft. Ich hatte Glück ...



Facepainting Jets Fan

Natürlich gab es auch die übliche martialisch-
patriotische Einlage. Die US Flagge wurde
von einem Fallschirmspringer der 101st Airborne Division
ins Stadion gebracht ...
Sleepwalking Titans Fan

Go Titans Go!


Monday, November 3, 2008

Unbeaten

Dieses Wochenende war für jeden echten Sportfan hier in Bama ein wahrhaft orgiastisches Erlebnis.

Zum ersten Mal seit 1993 steht das Footballteam der University of Alabama, die Crimson Tide, wieder an der Spitze aller Colleges in Amerika. Ungeschlagen, mit neun Siegen, profitierten sie vom Ausrutscher der bisherigen Nummer Eins, den Longhorns der University of Texas gegen die Red Raiders von Texas Tech. Das war eines der besten College Footballspiele, die ich je gesehen habe und selbst meine Frau wurde langsam aber sicher in das spannende Geschehen hineingezogen. Mit 1:29 auf der Uhr marschierten die Red Raiders über das gesamte Feld, um eine Sekunde vor Schluß den entscheidenden Touchdown zu machen. Und die Crimson Tide damit zur Nummer Eins im Lande. Hätte vor der Saison niemenad mit gerechnet, da rangierten sie immer so um den zwanzigsten Platz herum in den Prognosen. Und gleich dahinter kamen die Auburn Tigers, die innerstaatlichen Erzrrivalen. Die sind nun nicht einmal mehr in den Top 25 vertreten ... was es für Bama Fans nur noch um so schöner macht.


Roll Tide!


Und dann noch die Tennessee Titans - ungeschlagen 8-0 zur Halbzeit der NFL-Saison. Den Divisiontitel und damit einen Platz in den Playoffs dürften sie sicher haben.
Und vielleicht ist ja sogar der Super Bowl drin.
In drei Wochen fahre ich zum Spiel gegen Brett Favre und die New York Jets nach Nashville - hatte ich schon erwähnt dass ich Titans Fan bin, seit es sie gibt? Ich war sogar bei ihrem ersten Heimspiel dabei, damals noch als Tennessee Oilers im alten Vanderbilt Stadium.

Ja, das war schon ein geiles Sport-Wochenende ...