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Friday, May 27, 2011

Blue and Gray Museum

Im Oktober 1864 versuchte eine 39000-Mann starke Konföderierte Armee unter Generalleutnant Hood von Georgia kommend in Alabama über den Tennessee zu setzen. Nachdem die ersten Versuche bei Guntersville wegen der Anwesenheit von Unions-Flusskanonenbooten und starker Verteidigungskräfte keinen Erfolg versprachen zog man 40 Meilenn weiter nach Decatur, um es dort erneut zu versuchen.
In der darauf folgenden Schlacht gelang es den zahlenmäßig ungefähr zehnfach unterlegenen Unionstruppen, die diesen Flussabschnitt verteidigten, aufgrund clever angelegter Verteidigungswerke sämtliche Angriffe der Konföderierten unter großen Verlusten für den Gegner abzuwehren.
Nachdem General Hood unverrichteter Dinge wieder abgezogen war, brannten die Unionstruppen die Stadt Decatur nieder und zogen sich nach Tennessee zurück

Heute ist Decatur eine Stadt mit gut 60000 Einwohnern, in der die Bürgerkriegsgeschichte ein Dasein im Verborgenen fristet und nur noch am Rande für die Touristenwerbung verwendet wird. Es gibt ein paar Erinnerungstafeln im Stadtgebiet, jährlich wird die Schlacht um Decatur an einem Wochenende im September (da ist das Wetter besser als im Oktober ...) von der örtlichen Civil War - Reenactmentruppe nach gespielt - und das war es dann auch schon.
Nun ja, nicht ganz. Denn da gibt es noch Robert Parham, der hier das größte private Bürgerkriegsmuseum in den USA betreibt. Angeschlossen ist ein Laden in dem er mit Bürgerkriegsdevotionalien handelt - ausgegrabene Pistolen, Säbel, alte Fahnen, Kanonenkugeln, Uniformknöpfe, Gewehrkugeln und vieles andere mehr.

Das Museum ist ein regelrechte Waffensammlung - es wurden damals von beiden Seiten ungefähr 500 verschiedene Gewehrtypen genutzt und er hat so ziemlich alle davon in seinen Vitrinen. Dazu noch Kanonenkugeln, Uniformen, Säbel, Pistolen, Trommeln, Steigbügel und ein  in Harz gegossenes originales Stück Hartzwieback, das vor ein paar Jahren bei einer Dachbodenausräumung in einer Kiste mit anderen Bürgerkriegssachen gefunden worden war.
Die eigentliche Attraktion aber ist Robert selbst. Da weder sein Laden noch sein Museum von den Kunden überlaufen werden hat er Zeit um Geschichten zu erzählen - wie er einzelne Stücke seiner Sammlung ergattert hat, wie man damals gelebt hat, wie bestimmte Gewehre benutzt wurden, woher sie kamen, wie er als Kind in Decatur beim Spielen noch selber Artefakte im Boden gefunden hat, was seine Frau dazu sagt dass er gerade dabei ist für viertausend Dollar einen Unions-Kavalleriesäbel mit reichen Gravuren in Top-Zustand von einem Typen in Nashville zu erwerben. Er nimmt sich gerne Zeit, denn das hier ist der Süden, für so etwas ist immer Zeit und er liebt es über die Geschichte seiner Heimat zu erzählen, nicht so sehr über den Krieg sondern über die Menschen, die kleinen Geniestreiche die das Alltagsleben damals auch ohne Elektrizität und fließendem Wasser erträglich gemacht haben, über Veteranen, über Decatur und Alabama.
Das Bild zeigt ihn mit einem Säbel den er zum Verkauf anbietet - für rund zweieinhalb tausend Dollares. Eigentlich ist er gute viertausend wert aber in der derzeitigen miesen Wirtschaftslage ist er froh, wenn er ihn überhaupt los wird.
Es ist ein Unions-Kavalleriesäbel mit einer Klinge aus Klingenthal, Thueringen. Das reicht verzierte Griffstück aus Bronze ist von Tiffany"s in New York. Ja, das berühmte Tiffany's der teuren Schmuckstücke. Es gab damals schon einige Dandys, die mit solcherart Kostbarkeiten in die Schlacht gezogen sind. Nur vom Feinsten.
Wenn ich Zeit habe werde ich demnächst nochmal hinfahren und mir den neuen Säbel anschauen - der soll noch reicher verziert sein. Und bestimmt hat Robert dann eine interessante Geschichte zu Herkunft und Schicksal dieser Waffe zu erzählen ...


Saturday, May 21, 2011

Mooresville

Der kleine Ort Mooresville liegt am Interstate 565, auf halber Strecke zwischen Huntsville und Decatur und zur Zeit leben gut sechzig Personen dort.
Was diese Siedlung so einzigartig macht ist ihre Unversehrtheit - die Häuser dort stammen zum großen Teil noch aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg (1861-1865) und in Mooresville steht das älteste noch im Originalgebäude operierende Postamt der USA (seit 1840).

Die ersten Siedler kamen 1805 nach Mooresville und 1818 wurde der Ort dann als erste Stadt im Staat Alabama anerkannt - wobei Alabama selber erst ein Jahr später offiziell ein Staat wurde. Die ältesten noch erhaltenen Häuser in Mooresville stammen aus der Zeit um 1830 herum und sind heute wie damals bewohnt. Mooresville ist kein Museumsdorf, sondern ein ganz normaler Ort - mit sehr gut erhaltenen alten Häusern eben. Und in einer der beiden Kirchen hat einmal der spätere US Praesident James A. Garfield gepredigt, während in einem der ältesten Haeuser der spätere Praesident Andrew Johnson während seiner Schneiderlehre lebte.
Jede Menge Historie ist da also in diesem kleinen Ort versammelt. Und alle zwei Jahre am dritten Wochenende im Mai machen die Mooresviller dann eine sogenannte Walking Tour. Dann werden die (sehr wenigen ...) Straßen für Autos gesperrt und die Häuser und Gärten für das (zahlende) Publikum geöffnet.
Die Bewohner schmeißen sich dann in Schale und zwar in die, die so um die Bürgerkriegszeit herum in Mode war.
An jeder Ecke spielen Bluegrassbands auf und jede Menge Kunsthandwerker (natürlich auch in zeitgemäßer Gewandung) säumen mit ihren Ständen die Straßen.
Wir haben heute einiges Geld für eine handgeschnitzte Schüssel, zwei handgemachte Messer und zwei CDs einer Bluegrass-Gospel Familienband (The Carell Family) aus der Gegend ausgegeben.
Und einige sehr interessante Dinge über das Leben der Leute hier in Nordost-Alabama zur Zeit des Bürgerkrieges erfahren.
Das einzige was wirklich sehr gestört hat waren die Unmengen an Zikaden, die in den Unmengen an Bäumen, die dort überall die Straßen säumen, gesessen haben und munter "musizierten" - das war so laut, dass man teilweise die echten Musiker nicht mehr hörte, selbst wenn man direkt vor ihnen stand.
So schön, idyllisch und malerisch der Ort auch sein mag, mit schattigen Alleen, wirklich nüdeligen Häusern, ohne Hektik und ohne Verkehr, dafür mit ganz viel Flair und Vergangenheit, würde ich mich doch mit Händen und Füßen dagegen sträuben dort zu wohnen - es ist einfach viel zu laut im Sommer ...



Wednesday, October 13, 2010

Columbus' Ships

Christopher Columbus fuhr mit drei Schiffen los, um den Seeweg nach Indien zu entdecken - wo er stattdessen heraus kam ist hinlänglich bekannt.
Die Santa Maria, das größte der drei Schiffe, mit 24 Metern Länge und 39 Mann Besatzung, lief am Weihnachtstag 1492 auf eine Sandbank vor dem heutigen Haiti auf und konnte nicht mehr gerettet werden. Das Holz wurde für den Bau der ersten spanischen Siedlung auf amerikanischem Boden, La Navidad, verwendet.
Die Pinta war das schnellste der drei Schiffe, mit 21 Metern Länge und 26 Mann Besatzung.
Die Nina war das kleinste der Schiffe, mit 20 Metern Länge. Sie nahm an drei der Reisen von Columbus in die neue Welt teil und war bei der zweiten Reise sein Flaggschiff.
Über das weitere Schicksal der Pinta und der Nina ist nichts weiter bekannt - es waren halt typische Handelsschiffe des ausgehenden 15. Jahrhunderts und als solche austauschbar für ihre Eigner.
Für uns, fünfhundert Jahre nach den Entdeckungsfahrten von Columbus, haben sie einen großen Symbolwert und eine  hohe geschichtliche Bedeutung. Kein Wunder also, dass es mittlerweile einen originalgetreuen Nachbau (so weit das überhaupt noch möglich war ... denn Pläne oder auch Bilder gab es nicht mehr) der Nina.

Im Jahre 1986, sechs Jahre vor dem 500. Jahrestag der Entdeckung der neuen Welt durch Columbus, wurde auf den Britischen Jungfrauen Inseln eine Gesellschaft gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hatte bis 1992 alle drei Schiffe von Columbus nachzubauen.

In dem kleinen Fischerdorf Valenca in Brasilien gab es eine winzige Werft, die immer noch nach den Methoden und mit den Werkzeugen des Mittelalters Schiffe baute. Dort wurde das erste Schiff, die Nina, auf Kiel gelegt. Das ganze Unternehmen dauerte dann doch so lange und verschlang so viele Ressourcen, dass schließlich statt der drei Schiffe nur die Nina rechtzeitig fertig wurde.
Im Dezember 1991 verließ die Nina Brasilien in Richtung Costa Rica, das sie Mitte Januar 1992 erreichte - eine Reise von rund 4000 Seemeilen.

Seit dem schippert sie, und seit 2005 auch der Nachbau der Pinta (die 50 Prozent größer als das Original gebaut wurde um mehr Platz auf Charterreisen zu haben), um die Welt als schwimmendes Museum und quasi Geschichte zum Anfassen.

2010 und 2011 machen die beiden Schiffe eine ausgedehnte Tour an der Ostküste der USA und auf den großen Flüssen im Inland - unter anderem befahren sie dabei auch den Tennessee River. Und der liegt bei uns direkt vor der Haustür. Leider haben wir es nicht mitbekommen, dass sie letzte Woche in Huntsville Station gemacht haben - da war nix in der Zeitung ...
Erfahren habe ich dann, dass sie da gewesen sind und bis heute zwölf Uhr Mittags in Guntersville liegen, als ich gestern nach unserer Rückkehr aus den Smokies die Sonntagszeitungaufschlug und mir auf der ersten Seite ein Bild der beiden Schiffe entgegen sprang.
Klar, da mußte ich hin! Guntersville ist nur eine gute Stunde von Huntsville entfernt, ich habe Urlaub und der einzige Wermutstropfen war, dass meine Frau nicht mitkommen konnte - der Kleine Mann muß um zwölf Uhr aus dem Kindergarten abgeholt werden.

Der erste Eindruck, wenn man vor der Nina steht - Nußschale. Wie haben die auf der Rückfahrt von der zweiten Reise 125 Leute damit transportieren können? Mit mir waren zwei Schulklassen von ungefähr sechzig Kindern mit an Bord und man hat kaum ein Bein los gekriegt.
Man bekommt einen Riesenrespekt vor der Leistung, die Columbus und seine Männer vollbracht haben, wenn man auf den Planken dieses nordseeküstenfischkuttergroßen Gefährts steht - das hätte auch genauso gut total schief gehen können!

Ich habe den Schiffen dann noch beim Ablegen zugeschaut - leider keine Segel, nur Motorkraft ... auf dem Tennessee kommt gegen den Wind kreuzen nicht so gut, da müßten ja alle Hobbyangler mit ihren Booten Platz machen ... - und sie ein Stück des Weges nach Chattanooga begleitet. Dort bleiben sie zwei Wochen, bevor es weiter geht nach Knoxville.

Das war schon eine tolle Sache, so ein Stück Geschichte einmal live und in Farbe selber anfassen zu können (auch wenn es nicht die Originale waren ... ). Im übrigen suchen sie Freiwillige für ihre Reisen, vier bis sechs Wochen Törns, keine Segelerfahrung notwendig, aber große Toleranz gegenüber Nähe zu seinen Mitmenschen ... hatte ich schon erwähnt, dass das Nußschalen sind ...?!