Saturday, October 17, 2009

I can't dance


This is the Deep South - dies sind die Südstaaten. Man hört das hier immer wieder, wenn unterstrichen werden soll dass etwas anders ist als in den übrigen USA.
Nach einiger Zeit beginnt man dann die meist feinen Unterschiede selber zu erkennen und braucht diesen Hinweis nicht mehr.

Man nehme nur das Tanzen als Beispiel.
In den USA wird ja überwiegend Square Dance getanzt. In den ganzen USA? Nein, ein kleines gallisches Dorf ...
Nun, hier in der Huntsville-Region (376.753 Einwohner) gibt es genau zwei Square Dance Clubs ( davon einer ausschließlich für Singles ...). Soviele gibt es mittlerweile auch in jeder mittleren deutschen Großstadt.
Ballroom Dancing (klassischer Gesellschaftstanz) andererseits findet man hier, wie in jeder mittleren deutschen Großstadt auch, an jeder Ecke - selbst die Kirchen bieten das an, siehe Bild.

 

Das ist schon eine recht merkwürdige Statistik, zumal der Square Dance, wie in 18 anderen US-Staaten, der offizielle Staats-Tanz von Alabama ist (es gibt auch den offiziellen Staats-Süßwasserfisch, -Salzwasserfisch, -Pferd, -Nuß, -Insekt, -Fossil, -Stein ...und vieles, vieles mehr).

Na gut, denkt man sich, man ist hier in den USA, will etwas typisch amerikanisches machen und tanzen fällt offensichtlich aus, wie wäre es denn mit Western-Reiten - auch so eine Ikone des amerikanischen Lebensstils.
Nun ja, reiten kann man hier durchaus - im europäischen Stil, also britische Fuchsjagd und so'n Zeugs. Western-Reiten? Nicht unbedingt totale Fehlanzeige, aber ähnlich wie Square Dance nur sehr spärlich vertreten.

Da kommt man dann doch schon ins Grübeln. Wie viel hat das hier noch mit den USA zu tun, die man aus TV, Kitsch und Klischee zu kennen glaubt?
Well, this is the Deep South.
Und hier richtet man sich nicht nach den kruden Moden der Yankees, sondern pflegt die feineren gesellschaftlichen Bräuche des kultivierten Europa.
Square Dance wurde schließlich in Neu-England erfunden - im Herzen der Nordstaaten. Und Western-Reiten hat hier auch nichts zu suchen- das sollen die Cowboys, die ja, wie man seit diesem Film weiß, sowieso alle andersherum sind, unter sich aus machen.
Hier gibt man den Subdivisions so Ur-britische Namen wie Wellington, Cobblestone, Steeplechase oder Fox Hunt, hier wird noch jährlich das Ritual der Debütantinnenbälle zelebriert, hier ziert die Staatsflagge das rote  Andreas-Kreuz, das auch Bestandteil des britischen Union Jack ist. Kurzum, hier ist das Bollwerk der europäischen (englischen) Lebensart gegen die barbarischen Un-Sitten der Yankee-Unkultur. Bei Gott, die da oben im Norden nennen ja sogar ihre Grillfeste "BBQ" - unwissende, einfältige Bastarde die sie sind. Dabei weiß doch hier im Süden jeder Säugling, dass echtes BBQ nichts mit grillen zu tun hat, sondern aus geräuchertem Pulled Pork, Turkey oder Beef besteht. Und dass man dazu weiße Soße reicht ... aber das ist wieder eine andere Geschichte.


Und was ist nun mit Square Dance als Staats-Tanz? Wurde von der Landesregierung in 1981 so bestimmt. Aber diese "Good Ol' Boys" nimmt in Alabama sowieso keiner richtig ernst. Sollen sie das eben in Montgomery tanzen - hier wird der Walzer rechtsherum gedreht ...


Sunday, October 4, 2009

Street Festival

Gestern fand hier in Madison das alljährliche Straßenfest statt - eine Mischung aus Karneval, Kirmes und Freiluftausstellung.
Es fing an um 08:45 Uhr mit der großen Parade durch die Altstadt von Madison und hörte auf um Punkt 16:00 Uhr. Es gab einige Freßbuden (griechisches Gyros!), Limonadenstände, keine Bierbuden natürlich, jede Menge Infostände von verschiedenen Gechäften, politischen Parteien, Kirchen und gemeinnützigen Organisationen, zwei Bühnen mit Musik- und Tanzvorführungen, Hüpfburgen und Face Painting, eine Greifvogelvorführung, eine Auto-Show, Fundraiser und Tombolas - kurz, alles was Madison so zu bieten hat.
Das Wetter war traumhaft, Mitte zwanzig Grad Celsius mit wolkenlosem Himmel und einem leichten Wind - ein perfekter Tag für die ganze Familie.
Hier ein paar Impressionen:



 

 







 

 




 

 

 

 

 

 

Friday, October 2, 2009

First Class

Bis Jahresende werde ich von den verbleibenden zwölf Wochen fünf mit Dienstreisen zubringen. Habe ich mir nicht ausgesucht, das bringt der Job halt so mit sich.
Als Angehöriger einer multinationalen Regierungsagentur bin ich dabei den üblichen Sparsamkeitsgrundsätzen verpflichtet um das Geld der Steuerzahler nicht unnütz zu verschwenden - also fliege ich Holzklasse. Unsere Vertragspartner bei der Industrie fliegen Business Class, das haben sie sich so in den Vertrag hinein schreiben lassen. Was dazu führt, dass sie nach einem zehn Stunden Flug nach Europa frisch und ausgeruht in die Meetings kommen, während wir Regierungsvertreter zerschlagen, gnarzig und halbtot vor Müdigkeit dort herum hängen - was irgendwie schon ein unfairer Vorteil für die andere Seite ist. Aber das ist eine völlig andere Geschichte und ich wollte es nur mal so nebenbei erwähnen.

Nun war ich also in dieser Woche auf der ersten der fünf Dienstreisen und konnte meinen Augen nicht trauen - für den Rückflug von Orlando nach Atlanta gestern war ich in der First Class gebucht. Keine Ahnung wieso, vielleicht hat die Agentur einen Vielfliegerbonus eingelöst, vielleicht hatte Delta keine Holzklassensitze mehr frei auf diesem Flug - egal, erste Klasse ist erste Klasse, da stellt man keine Fragen, sondern genießt diese Gelegenheit. Leider nur für knappe neunzig Minuten, denn länger dauerte der Flug nicht.

Aber das ist schon ein Unterschied.
Es fängt damit an, dass man als erster ins Flugzeug darf. Kein Gedrängel im Gang, keine Probleme das Handgepäck unterzubringen, weil irgendwelche Idioten meinen sie müßten die Overhead Stauräume mit ihren Überseekoffern zustopfen. Nein, mit nur zwanzig Passagieren in der ersten Klasse gibt es kein Gerangel, keine Wartezeit und keine Hektik.
Nachdem man also seine Habseligkeiten locker verstaut hat setzt man sich ... nein, man setzt sich nicht so einfach, man logiert. Die Sessel, ledergepolstert selbstverständlich, sind breit und tief und hoch und haben einen Sitzabstand den man tatsächlich als solchen bezeichnen kann. In der Holzklasse kämpfe ich andauernd mit meinen Vorderleuten, die ihre Lehnen zurücksetzen wollen und dabei mit meinen Knien kollidieren. Sie drücken, ich drücke und irgendwann einigen wir uns dann entnervt auf eine Mittelposition.
Nicht so in der ersten Klasse, hier herrscht Freiheit - Beinfreiheit!
Man richtet sich also gemütlich ein und schon kommt die Stewardess und kümmert sich um das leibliche Wohlbefinden - Cola, Bier, Wein, Cocktails, was hätten Sie denn gerne?!
Währenddessen tobt hinter einem, in der Holzklasse, der übliche Kleinkrieg beim Einsteigen, herrscht Chaos und Hektik und immer wieder kommt die Durchsage, man möge doch den Gang freimachen und sich gefälligst hinsetzen damit wir endlich los können.
Mich ficht das diesmal nicht an, ich sitze bereits seit gut einer Viertelstunde gemütlich und entspannt in meinem Ledersessel, sehe den Piloten bei den Startvorbereitungen über die Schulter und schlürfe an meiner Cola.




Ach ja, das Eis beginnt langsam zu schmelzen - könnte ich ... aber natürlich bekomme ich ein frisches Glas, serviert mit einem strahlenden Lächeln.
Glas. Nicht Plastik. Ein Glas, aus echtem Glas. Nicht Plastik. Aber das sagte ich schon. Wer es nicht glaubt - ein Bild sagt mehr ....





Und als Snack hatte ich die Auswahl zwischen Peanuts, Brezeln, Twix, Cookies, Kaviar und Hummer ... na ja, ich habe mich dann für das Twix entschieden, Kaviar auf nüchternen Magen vertrage ich nicht so gut.

Ich habe niemals zuvor so einen entspannten und bequemen Flug gehabt. Und natürlich waren wir erste Klasse Passagiere auch die ersten, die in Atlanta das Flugzeug wieder verlassen haben -  hätte ich mich erst durch die Holzklasse nach draußen kämpfen müssen, wäre mein Anschlußflug auch nicht zu schaffen gewesen.


Ein großes Problem habe ich jetzt natürlich - wie kann ich nach dieser Erfahrung jemals wieder Holzklasse fliegen? Ich bin von nun an verdorben für diese Art des Massentransports und mein einziges Ziel im Leben wird fortan sein, wieder in den Genuß dieser exquisiten Erfahrung zu kommen - vielleicht sogar bei einer Dienstreise nach Europa. Zehn Stunden erste Klasse - das ist wie eine kleine Gehaltserhöhung ...

Thursday, October 1, 2009

Drive, Lane, Court ... again

Hirnlos.
Das ist das einzige, was mir zur Namensgebung der Straßen in unserer Siedlung einfällt.
Wer diesen Blog mitverfolgt hat, der weiss inzwischen um die Problematik mit den drei identischen Straßennamen, die nur durch die Bezeichnungen "Court", "Lane" und "Drive" voneinander unterschieden werden. Erschwerend kommt noch dazu, dass es in allen drei Straßen die gleichen Hausnummern gibt. Richtig dumm gelaufen ist es für uns, die wir im "Drive" wohnen - denn nach der Einfahrt in unsere Siedlung kommt zuerst "Lane", was aber niemand so richtig mitbekommt, denn der Straßenname stimmt ja, da achtet man doch nicht mehr auf das folgende Kürzel. Und wer rechnet schon damit, dass es in einer Siedlung drei Straßen mit dem selben Namen gibt? Eben.

Die letzte Episode hatten wir ja vor nicht all zu langer Zeit, als die Dachdecker ihr Zeug am Samstag in der "Lane" abluden und, als sie den Fehler bemerkt und den ganzen Sums wieder aufgeladen hatten, es zu spät war bei uns mit dem neuen Dach anzufangen und wir deshalb am Sonntag das Vergnügen hatten ...

Das ab und zu mal Pakete im "Lane" landeten, Post dort abgeliefert wurde und beim Einzug der Truck mit unserem Container dort hinfuhr ist ja schon längst Geschichte und fast schon wieder vergessen.
Dass hier andauernd Inkassobüros, ominöse Kreditvergeber und professionelle Mahner anrufen nervt uns schon deutlich mehr. Die haben anscheinend nur die Adresse ihres Schuldners, diese (ohne groß auf Drive/Lane/Court zu achten) durch die Rückwärtssuche im Internet gejagt ... und sind mit unserer Telefonnummer heraus gekommen. Egal dass da ein anderer Name steht - man kann sich hier auch als "Winnetou" eintragen lassen wenn man möchte ...

Und gestern hatten wir dann für mehr als einen Tag kein Wasser. Kein Tropfen kam aus den Leitungen. Nada, Zilch, Nothing.
Diverse emails und Anrufe beim Wasserwerk (andauernd besetzt ... vielleicht ist es ein Problem in der ganzen Nachbarschaft und jeder will sich jetzt dort beschweren ...) brachten schließlich heute morgen den Tatbestand ans Licht: unsere Freunde aus der "Lane" ziehen aus und hatten das Wasser abbestellt.
Und dieses eine Mal hat dann jemand tatsächlich nicht die erste verfügbare Straße mit dem Namen angesteuert - was in diesem Fall ja die richtige Adresse gewesen wäre - sondern die zweite. Und hat dann uns das Wasser abgedreht. Nicht witzig. Überhaupt nicht.

Mittlerweile stinkt uns diese Sache ganz gewaltig. Aber was kann man machen? Vielleicht ein großes Schild am Eingang zur Siedlung aufbauen, welches den Sachverhalt schildert. Oder die Straßen einfach umbenennen ... aber dann müßten ja alle Bewohner ihre Abonnements umstellen, ihre Hauskredite umschreiben lassen und ihre Adressaufkleber ändern ... not going to happen.

Bleibt uns also nur der Ärger über soviel Hirnlosigkeit. Und nicht zuwenig davon - von beidem ....

Monday, September 28, 2009

Fur Sail

Wenn man hier in Amiland ein Auto verkaufen will, stellt man es einfach mit einem entsprechenden Schild an den Straßenrand, Telefonnummer drauf, und wartet auf die Kunden.
Hilfreich ist dabei, wenn man nicht als totaler Redenck herüberkommt, weil man so seine Probleme mit der Rechtschreibung hat. Beispiel gefällig? Siehe Bild unten - sollte wohl "For Sale" heißen, ist aber irgendwie völlig daneben gegangen ...



Saturday, September 26, 2009

Join the Dark Side



Ich war heute mit meiner Tochter im Space and Rocket Center. Sie will nämlich einmal Space Ranger werden und da wollte sie sich schon mal ansehen, wie so ein Space Ship, mit dem sie dann durch das Weltall düsen wird, aussieht.
Also nix wie hin und auf Sightseeing Tour gegangen. Besonders die große Saturn V Rakete und das Space Shuttle haben sie dann schwer beeindruckt.



Und die lebensechten Stormtrooper, Roboter und imperialen Offiziere, die heute im Museum herumsprangen - es war Tag des offenen Museums und da wollten die Museumsleute den Touristen wohl etwas besonderes bieten.
Ich muß da ja eigentlich ganz ruhig sein, sitze ich doch mit meinem Mittelalter-Reenactment in einem virtuellen Glashaus.
Aber grinsen mußte ich dann doch über die Mitglieder der 501st Legion, Alabama Garrison. Krieg der Sterne ist hier drüben ja ein viel größerer Kult als in Europa. Obwohl - auch dort gibt es Außenposten der 501st Legion. Nun ja, möge die Macht mit Euch sein.
Meine Kleine fand diese maskierten Gestalten dann aber doch irgendwie merkwürdig und versteckte sich zwischen meinen Beinen. Aber wenn sie erstmal Space Ranger ist, wird sie diese Typen von der dunklen Seite der Macht sicher andauernd ganz doll verhauen ...




Tuesday, September 22, 2009

Fungus

Auf unserem Rasen wächst was ... Pilze.
Nachdem es jetzt so unglaublich feucht-heiß hier geworden ist in den letzten zwei Wochen haben diese Dinger ein ideales Klima vorgefunden - und schießen dementsprechend aus dem Boden wie ... Pilze.
Hier sind zwei Exemplare, die es sich unter userer Eiche häuslich eingerichtet haben - keine Ahnung was für Sorten das sind (hoffentlich keine giftigen ...).



 

Manic Dodge

Unser Auto spinnt. So alle zwei bis drei Wochen passiert folgendes wenn wir die Zentralverriegelung betätigen:
Die Hupe geht los, die Warnblinkanlage schaltet sich ein, die Türen verriegeln sich, die Scheibenwischer werden aktiviert und aus den Scheibenwaschdüsen spritzt das Wasser.
Beenden läßt sich der ganze Zirkus nur, indem man die Batterie abklemmt - und somit das Fahrzeug quasi still legt.
Wir hatten das Auto deswegen vor gut vier Wochen, nachdem es das erste Mal aufgetreten war, in der Werkstatt - alles was sie gefunden haben war ein loses Batteriekabel. Ja klar, das hatte ich natürlich nicht wieder voll angezogen, damit es schneller wieder ab ging beim nächsten Anfall ...

Und so sieht das dann aus - heute habe ich es gefilmt, damit die Dodge-Leute sehen dass ich nicht gesponnen habe. Ich werde ihn demnächst in die Werkstatt bringen - hoffentlich finden sie den Fehler, denn so ist das Auto für uns gar nicht mehr nutzbar.

Link zum You Tube Video 

.

Tuesday, September 15, 2009

The paranoid state of America - Revisited

Langsam aber sicher kommt bei mir der Verdacht auf, dass hier irgendetwas im Trinkwasser sein muß. Ein Panik-Virus, ein Dummheits-Bazillus, ein Schwachsinnigkeits-Gen.
Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der mißtrauische Polizist aus dem Post "The paranoid state of America" so paranoid gar nicht war - sondern nur auf Befehl von ganz oben gehandelt hat. Aber Manno, sind "die da oben" vielleicht durchgeknallt ...

Da hat also nun Präsident Obama eine Dame namens Janet Napolitano zur neuen Ministerin für die Heimatsicherheit berufen. Am 31. Juli 2009 wurde sie gefragt, was denn der einzelne Bürger zum Schutz der Heimat  beitragen könne.
Ihre Antwort lautete:
"One of the things that we ask people to do is when they see something unusual, if they see, for example, somebody continually taking photographs of a piece of critical infrastructure that doesn't seem to make any sense, or a package left unattended on a bus platform, to report that to local law enforcement so it can be followed up on."

Auf gut deutsch: wenn jemand wiederholt ohne erkennbaren Sinn wichtige Gebäude fotografiert ist er wahrscheinlich ein Terrorist und man solle die Polizei holen.

Stellt sich zunächst einmal die Frage: was sind wichtige Gebäude? Im Zweifelsfall sicherlich erstmal grundsätzlich alles ... man kann ja nie vorsichtig genug sein. Und in der Tat bemerkte ein Sprecher eben dieses Ministeriums zwei Tage danach, dass seiner Kenntnis nach es verboten wäre Gebäude im Bundeseigentum zu fotografieren. Was nicht stimmt, solch ein Gesetz existiert nicht. Im Gegenteil, solange man sich nicht auf privatem Grund und Boden befindet, darf man hier jedes öffentliche Gebäude nach Herzenslust ablichten. So oft man will und ohne triftigen Grund.

Womit wir zur zweiten Frage kämen: was konstituiert den "erkennnbaren Sinn" einer Fotografie? Ich fotografiere Feuerhydranten - das macht für mich eine Menge Sinn, für andere, der Fotografie nicht so zugewandte Menschen mag das zugegebenermaßen ein etwas merkwürdiger Zeitvertreib sein.
Na und? Ich kann auch vieles von dem nicht nachvollziehen was Picasso gemalt hat - und trotzdem würde ich es nie wagen die Ernst- und Sinnhaftigkeit seiner Bilder in Frage zu stellen.
Dem Außenstehenden ist einfach zu vermitteln, dass der Sonnenuntergang im Grand Canyon etwas fotografisch reizvolles ist. Aber nicht jeder Fotograf empfindet das auch so - und fotografiert stattdessen Feuerhydranten, Straßenschilder, Dachgiebel oder die Bugfahrwerke von Flugzeugen (ganz im Ernst - diese Fan-Gemeinde gibt es, ich habe diese Leute schon sehr oft live auf Airshows erleben dürfen ...).

Ergo, eine unbestimmte, nebulöse und pauschalisierende Aussage wie diese führt dazu dass die allgemeine Paranoia steigt - auch unter Obama wird der Angstpegel auf einem recht hohen Level gehalten.
Man läßt also besser seine Kamera außerhalb des Grand Canyon in der Tasche.

Im Nachhinein bin ich froh, dass ich die Situation mit dem Polizisten wahrscheinlich richtig eingeschätzt habe - hätte ich die Kamera auch nur gezeigt, wäre eine Festnahme nicht ausgeschlossen gewesen.
Nach etwas Recherche im Internet bin ich tatsächlich auf dutzende Fälle gestoßen, die so oder ähnlich verlaufen sind.
The Land of the Free? Es wird gerade von der Angst vor dem eigenen Schatten gelähmt ...

Minty Fresh

Etwas für die Rubrik "Dinge, die einmal die Welt retten werden ..."
Ich habe eine neue Zahnbürste. Von Colgate. MaxFresh, eine ganz neue Dimension der Frischheit, wie es auf der Packung versprochen wird.
Was diese neue Dimension ausmacht, ist dass der Griff nach Minze riecht ... und nach dem Zähneputzen dann die ganze Hand!
Ich schmeiß mich weg ... ist das nun der Gipfel der Dekandenz oder einfach nur pure Ressourcenverschwendung? Das mag jeder selbst entscheiden ... ich geh mir jetzt erstmal die Hände waschen, damit der blöde Geruch weg geht ...



Thursday, September 10, 2009

Bratwurst Express

Nun gut. Man ist als Deutscher hier ja quasi dazu verpflichtet sich lexikarisches Wissen über sämtliche deutschen Restaurants am Ort anzueignen. Für wenn die Amiländer fragen ob es hier und dort denn auch wirklich authentische deutsche Küche gibt.
Kürzlich hat also ein neuer "Deutscher" in Huntsville aufgemacht - der Bratwurst Express.

Von außen sieht das Ganze so aus wie ... eine Bratwurstbude. Ein "Innen" gibt es nicht - es ist tatsächlich eine Bratwurstbude!
Betrieben wird das Etablissement von einem Amiländer aus Ramstein und seiner deutschen Frau.
Also nix wie hin und die Currywurst getestet.

Gar nicht schlecht. Aber auch gar nicht gut. Die Soße war Ketchup mit Currypulver, der Kartoffelsalat und der Krautsalat (Fritten waren aus ...)  kamen aus der Dose.
Zu trinken gab's Coke in Dosen - aber wenigstens die Teller waren aus Porzellan.
Alles in allem ist der Authentizitätsfaktor recht hoch - auch in Good Old Germany wird man solche Stände finden. Geschmeckt hat es recht ordentlich, wenn auch die Portionen ein wenig sparsam ausgefallen sind. Die "Platte" im Foto oben hat sechs Dollares gekostet - geht schon in Ordnung.
Würde ich die Bude einem arglosen Amiländer als Hort germanischer Kochkunst empfehlen? Nun, es wird wohl eher ein Geheimtipp unter den Deutschen hier in Huntsville bleiben ...

Nachtrag am 02.04.2010: Ich bin heute dort vorbei gefahren - kein Bratwurst Express mehr da. War dann wohl doch ein zu geheimer Tipp ...

Tuesday, September 8, 2009

Great Smokies

Wir waren am Wochenende in den Smoky Mountains.Die sind nur gute viereinhalb Stunden (reine Fahrzeit) von uns entfernt - mit Kindern dauert das dann aber gut doppelt so lang.
Man mag ja von Fast Food halten was man will und in diesen Zeiten der populären ökologischen Ernährung das große Grausen bekommen beim Gedanken an Burger, Fritten und Cola - das alles relativiert sich aber sehr schnell, wenn man die Kiddies nach drei Stunden Fahrt sich für eine Weile im Playland bei McDonalds austoben lassen kann.
Burger King, Wendy's und wie sie alle heißen sind da leider völlig nutzlos, denn die haben in der Regel keinen Kinderspielplatz. Also bleiben wir beim guten alten Mickey D und denken nicht an hormonverseuchtes Rindfleisch, gespritzen Salat oder ölige Fritten. Sondern freuen uns dass man nicht lange auf das Essen warten muß, die Kinder tatsächlich etwas zu sich nehmen, man selber die Beine lang machen kann und die Kleinen im (Indoor)Spielplatz Beschäftigung finden.

Aber irgendwann ist man dann endlich angekommen und bezieht die feudale Hütte in den Bergen.
Nein, tatsächlich, die Hütte war richtiggehend luxuriös. Mit Küche und Big Screen TV, Billiard und Jacuzzi, Hot Tub und Ledersofa. Nur der Weg dorthin war ... steil. Und die letzten fünfzig Meter die Einfahrt hoch waren jedesmal ein regelrechter Kraftakt für unseren (vollbeladenen) Caravan.


Dafür war die Aussicht phantastisch. Das Bild unten zeigt den Sonnenaufgang über den Smokies, von unserer Veranda aus gesehen. Die beiden dünnen Linien am unteren Bildrand gehören zur Gondelbahn, die Gatlinburg mit dem Ski-Gebiet von Ober-Gatlinburg verbindet.


Die Smokies selber sind im September wirklich wunderschön. Leider waren wir ungefähr einen Monat zu früh da, um die spektakulären Herbstfarben zu erleben. Aber auch so gab es viel zu sehen. Unter anderem ganze Teppiche von Black Eyed Susans im Wald.


Bären haben wir leider keine gesehen - es hat uns aber einer Nachts am Haus einen Besuch abgestattet. Der gute Meister Petz interessierte sich für unsere Abfälle, die zum Glück in einer bärensicheren Tonne mit Gitter und Schloß untergebracht waren. Vor lauter Frust hat er dann die Tonne umgekippt, die dann an der Stoßstange unseres Caravan hängenblieb. Am nächsten Abend war er wieder da - nachdem dann die Hausverwaltung den Müll abtransportiert hatte, war aber Ruhe.

Ansonsten sind wir noch auf die andere Seite der Smokies gefahren, nach Cherokee, North Carolina. Das sind nur gute 35 Meilen und die Strecke alleine ist die Fahrt schon wert.
Cherokee ist die "Hauptstadt" des Indianerreservats des östlichen Stammes gleichen Namens (der westliche Teil wurde von den Weißen Ende des neunzehnten Jahrhunderts nach Oklahoma "umgesiedelt") und ist völlig und total auf Tourismus abgestellt. Souvenirbuden, noch mehr Souvenirbuden, gruselige Tanzvorstellungen wie aus John Wayne Filmen direkt an der Straße, dazwischen immer wieder Souvenirbuden - und, als größte Attraktion, ein Casino, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr offen.
Ausverkauf der eigenen Identität, Zirkusvorstellung inklusive Abzocke für die Touristen. Gruselig.



Aber dann gibt es noch das Oconaluftee Indian Village dort. Was man gesehen haben muß, genauso wie das sehr schöne Indian Museum (wozu wir diesmal leider keine Zeit mehr hatten). Beides sehr seriös, mit Bildungsauftrag und wohltuend unaufgeregt und undramatisch.
Das Village stellt den Zustand in den 1750er Jahren dar, also noch bevor die Weißen mit der Vertreibung der Indianer begonnen hatten.
Es werden dort verschiedene Handswerkskünste demonstriert, von der Herstellung von Pfeil und Bogen über Korbflechten und Schmuckherstellung bis zur Herstellung eines Einbaum-Bootes mittels ausbrennen eines Baumstammes.
Dazu gibt es noch Lektionen über die Lebensweise, die Religion und Sitten und die Gesellschaftsform der damaligen Cherokee.


Und dann ist da ja auch noch Pigeon Forge. Ein Wort: DOLLYWOOD.
Die Backwoods Barbie aus Tennessee, Dolly Parton, hat dieses ehemals verschlafene kleine Nest zu so einer Art Mischung aus Disneyworld und Las Vegas am Fuße der Smoky Mountains gemacht.
Dort gibt es überwiegend das, was die Amiländer unter familienfreundlicher Unterhaltung verstehen. Wer will schon Bären in freier Wildbahn sehen, wenn ich in der Dixie Stampede der amerikanischen Flagge zujubeln kann ...?!
Na gut, ich bin da ein wenig zynisch. Kann man aber auch werden, wenn einem plötzlich nach einer Kurve die schwarz-gelben Schornsteine eines Passagierdampfers entgegen ragen. Und nicht irgendeines Dampfers - nein, die Titanic wird dort nachgebaut, um ab Anfang 2010 das "größte Museum der Welt" zu beherbergen ...



Ansonsten war Pigeon Forge eine einzige Autoabstellfläche als wir nach Hause fuhren. Für die gut 25 Meilen von der Hätte bis zur Interstate brauchten wir statt der üblichen 40 Minuten gute dreieinhalb Stunden.


Die nächste Tour dieser Art sieht unseren Caravan ausgerüstet mit einem Videosystem für die hinteren Sitzreihen ...
Zum Glück hatten wir jede Menge Verpflegung mit - aber als wir dann endlich nach insgesamt guten elf Stunden wieder zuhause waren, hatten wir alle keine Lust mehr.

Aber schön ist es doch gewesen - wir fahren nächstes Jahr bestimmt wieder hin.

TomTom

 


Rettet die Bäume - kauft GPS Navigationsgeräte ...
Nun ja, der Wenigerverbrauch von Papier ist sicherlich ein angenehmer Nebeneffekt, aber sicherlich nicht der Hauptgrund für die benutzung eines GPS Navis.
Ich war ja bisher eher skeptisch, war mit (Papier)Karten bisher ja auch immer ans Ziel gekommen. 
Dann war ich neulich auf Dienstreise in Orlando, Florida und konnte mich dort von der Nützlichkeit eines solchen Gerätes aus erster Hand überzeugen lassen.
Nun wird auf dem Weg in die Smokies so ein High-Tech Gerät sicherlich nicht gerade bis an die Grenzen belastet. Meine Ausführung verfügt sogar über eine sogenannte "Advanced Lane Assistance" Funktion. Die blendet nicht nur die Straße ein, sondern auch die genaue Fahrspur die man nehmen muß.
Wie gesagt, um bei Knoxville von der I-75 auf die I-40 zu wechseln ist das nicht unbedingt lebensnotwendig. Aber in Orlando, zum Beispiel, sieht die Sache schon etwas anders aus. Und da wir dort nächstes Jahr auch noch hinwollen (einmal Disney muß sein ... außerdem gibt es vielleicht einen der letzten Shuttle Starts zu sehen ...), erschien mir die Investition hinreichend begründet.
Und das Gute an TomTom ist: man kann dort Karten von Europa installieren und somit das Gerät auch bei der Haussuche in gut zwei Jahren benutzen ...

Thursday, September 3, 2009

I voted

Ich habe heute gewählt - für die Bundestagswahl. Bin ja schließlich noch deutscher Staatsbürger und was noch viel wichtiger ist, die Regierung die jetzt gewählt wird ist die, zu der wir in ein paar Jahren wieder zurück kehren werden. Gute Gründe also seiner staatsbürgerlichen Pflicht nachzukommen.
Das mit der Briefwahl war dann auch ganz simpel. Man mußte nur die entsprechenden Formulare herunterladen und rechtzeitig an die letzte "Heimatgemeinde" in Deutschland schicken.
Und jetzt bin ich gespannt auf das Ergebnis ... ich hoffe mal, dass bundesweit die Tendenz zu links- und rechtsaußen nicht so ausgeprägt in Erscheinung tritt wie bei den drei Landtagswahlen letztes Wochenende. Was wir brauchen ist Kontinuität und Verantwortungsbewußtsein und nicht Klassenkampf und unbezahlbare Utopien. Aber das ist nur meine persönliche Meinung - ich beuge mich, als guter Demokrat, natürlich jeder Entscheidung der Mehrheit.

The paranoid state of America

Da wollte ich also mal eben was fotografieren, das mir auf dem Weg nach Hause am Straßenrand aufgefallen ist. Ich habe ja immer irgendeine Kamera dabei, also kein Problem. Leider konnte ich nicht direkt davor parken, sondern mußte das Auto ungefähr hundert Meter weiter entfernt abstellen. Auch kein Problem, die Temperaturen sind im Moment wirklich sehr angenehm, fast schon herbstlich kühl.
Auf dem Weg zum Objekt bemerke ich, dass es hundert Meter in der entgegengesetzten Richtung eigentlich noch besser zu fotografieren wäre. Also auf dem Absatz kehrt gemacht und dorthin marschiert. Und wie ich da so neben der Straße auf dem Grünstreifen auf- und ab laufe, hält plötzlich ein Streifenwagen neben meinem Auto. Und der Polizist darin überprüft erkennbar mein Nummernschild.
Na toll, sage ich mir und überlege was ich tun soll. Ich habe ja bisher gar nichts anderes getan als harmloses hin- und hergelaufe. Also gehe ich betont unauffällig zum Auto, steige ein und fahre weg.
Ein Foto habe ich natürlich nicht gemacht.
Das hätte mich bestimmt ins Gefängnis gebracht. Denn wer ein Maisfeld fotografiert, der hat bestimmt Böses im Sinne. Der späht es jetzt nur aus und kommt bestimmt später mit seinen Terroristenfreunden zurück um es anzuzünden, um damit eine ordentliche Rauchsäule aufsteigen zu lassen, die dann den Flugverkehr lahmlegt, oder noch schlimmer, einen Piloten verwirrt oder blind macht, der dann sein Fluggerät orientierungslos in das Lieblings BBQ-Restaurant des Bürgermeisters lenkt. Der, gramgebeugt ob dieses unersetzlichen Verlustes, geistig umnachtet die Nationalgarde aktiviert und damit in Tennessee einmarschiert um sich für den persönlichen Gebrauch aller Whiskey-Vorräte in der Jack Daniel's Destillerie zu bemächtigen. Das wiederum ruft das FBI auf den Plan, was der Gouverneur von Tennessee als ungebürliche Einmischung aus Washington in innere Angelegenheiten seines Staates ansieht und umgehend die Loslösung von der Union proklamiert. Die anderen Südstaaten, die auf so eine Gelegenheit seit gut 150 Jahren gewartet haben, schließen sich an und ehe man sich's versieht marschiert eine Rebellenarmee auf Washington zu und die Sklaverei wird wieder erlaubt.
Und das alles nur wegen eines Typen, der ein Maisfeld fotografieren wollte ... was ist das nur für eine Welt, in der manche Leute leben?!

Monday, August 31, 2009

Tom Stefo

Tom Stefo ist tod. Herzinfarkt mit 51. Noch vor kurzem hatte er beim Glücksrad im TV ein bißchen Geld gewonnen. War hochdekoriert bei der Air Force, danach im Redstone Arsenal bei der Army und zuletzt bei unserem Laden. Hinterläßt eine Frau und fünf Kinder. War immer freundlich und vergnügt, fit wie ein Turnschuh und lebenslustig.
Am Donnerstag war die Beerdigung. Sein ältester Sohn wohnt irgendwo an der Westküste und mußte für das Flugticket, weil wirklich von einem Tag auf den anderen gekauft, viel Geld bezahlen. Seine älteste Tochter kam per Auto aus dem College heim gefahren - das Spritgeld hat da auch ein Loch in die Kasse gerissen.
Also haben wir gesammelt. Das macht man hier so. Man erkundigt sich, womit man helfen kann und bekommt es auch gesagt, ganz ohne Scheu oder falsche Scham. Bis zur Beerdigung haben Nachbarn und Freunde es übernommen, die Familie täglich mit warmen Mahlzeiten zu versorgen. Ab dieser Woche machen das dann seine ehemaligen Kollegen. Das hilft mehr als Blumenkränze, Beileidskarten oder ähnliches. So sind sie, die Amerikaner - praktisch bis in den Tod ...
Und ein bißchen sentimental. In unserer Agentur wird demnächst ein Konferenzraum nach Tom benannt - die Einweihung wird dann mit Familie und allem drum und dran stattfinden. Eine würdige Maßnahme, wie ich finde.

Saturday, August 29, 2009

Madison, AL

Wozu so eine Dienstreise gut ist ...
Da sitze ich also im Flieger nach Atlanta und sehe kurz nach dem Start vom Huntsville Airport ein blaues Dach unter mir.
Die Schule unseres Großen hat so ein blaues Dach. Und die Richtung in die wir starten führt uns auch nach Madison. Und sehe ich da nicht ein paar gelbe Schulbusse auf dem Parkplatz?
Ja, es ist die Schule. Und drumherum die Gegend von Madison, in der wir wohnen. Leider habe ich unsere Siedlung nicht mehr auf das Bild bekommen, da der Pilot kurz bevor sie in Sichtweite gekommen wäre in eine Kurve ging, die uns in eine andere Richtung führte.
Na ja, dann eben das nächste Mal - es ist nicht die letzte Dienstreise gewesen ...

Saturday, August 22, 2009

Deep in the Heart of Dixie



Der US Highway 278 verläuft von Georgia kommend mitten in Alabama von Ost nach West. Eine Teilstrecke führt über 50 Meilen von Cullman nach Natural Bridge.
Diese Gegend kann man mit Fug und Recht als das Herz des Dixielandes bezeichnen.

Mehr Provinz geht nicht. Wenn auf diesen 50 Meilen während des größten Teils der Strecke keine Handy-Verbindung zu bekommen ist, kein McDonalds oder sonstiger Fast Food Joint existiert und einem zwischen 8 und 9 Uhr abends auf der Fahrt von Double Springs nach Cullman über gut 40 Meilen gerade mal ebensoviele Autos entgegen kommen - und vor und hinter einem kein einziges Auto in die gleiche Richtung zu fahren scheint - ist man im Zentrum der Südstaaten angekommen. Nicht, dass hier die Zeit stillstehen würde - sie hat nur keine Bedeutung mehr.

Nichts ändert sich hier jemals. Und wieso auch? Das Streben nach Fortschritt, die Suche nach neuen Horizonten, die Sehnsucht nach der Welt jenseits der grünen Berge - was ist das schon gegen ein Stück Heimat, das man kennt wie seine Westentasche, die Freunde, an deren Leben man vom Kindergarten bis zur Bahre Anteil nimmt, das Gefühl von Sicherheit, wenn die BBQ Sauce im örtlichen Diner immer gleich schmecken wird, auch wenn vielleicht die Besitzer mit den Jahren immer mal wechseln.
Man ist zufrieden mit dem was man hat und stolz, dass man nicht mehr braucht. Sollen die anderen machen was sie wollen, entlang US Highway 278 mißt man das Dasein mit eigenen Maßstäben.

Eindrücke von einer Reise ins Hinterland der Zivilisation ...

1. Gott, Familie und Flagge.
Betet ohne Unterlaß und Amerika wird aus diesem bedauernswerten Zustand, in dem es sich gegenwärtig befindet, errettet werden ... es ist noch nicht zu spät für eure Erlösung!





2. Die morbide Schönheit des Vergangenen
Man muß manchmal schon genau hinsehen, um verfallenes, noch bewohntes von verfallenem, unbewohntem zu unterscheiden. Ich habe mich (diesmal) noch zurückgehalten und mich auf die aufgegebenen Bauten konzentriert. Aber auf meiner Liste für den nächsten Besuch stehen einige Gebäude, bei denen man nicht glauben will, das darin tatsächlich noch Leute wohnen ...







3. Provinz as Provinz can be ...
Double Springs, Alabama. Verwaltungssitz von Winston County, Alabama. Hier tobt das Leben, hier tanzt der Bär.
Hier wird am Sonntag Abend nach der Kirche im Jack's (Filiale 178) eingekehrt um bei Burgers and Fries Jesus hoch leben zu lassen und über die bevorstehende High School Football Saison zu diskutieren. Ernsthaft, ich war dabei. Saß ganz friedlich da und mümmelte an meinem Burger, als am Nebentisch plötzlich eine Kirchenhymne angestimmt wurde. Ab und zu war dann auch von anderen Tischen ein "Jesus is the Lord" oder ähnliches zu hören, dem alle anderen Anwesenden fröhlich zustimmten. Alles sehr bizarr und irgendwie surreal.


Aber was soll man in Double Springs schon groß anderes tun? Gute tausend Einwohner, eine Tankstelle, ein Jack's (Filiale 178), ein Dollar General, ein Subway's.
Die örtliche Jugend trifft sich am Wochenede (nach dem Kirchgang) auf dem Parkplatz eines der oben genannten Etablissements und tut ... keine Ahnung, was die tun. Abhängen, Sprüche klopfen, die bevorstehende High School Football Saison diskutieren wahrscheinlich.
Im übrigen ist die Gegend so weiß wie frisch gebleichte Wäsche. Der Anteil der afro-amerikanischen Bevölkerung in Double Springs gigantische 0,3 %. Das sind umgerechnet auf die Einwohnerzahl ganze 3 Personen. Im alabamischen Durchschnitt sind es runde 30 % ...





4. Blau gegen Grau
Der Bürgerkrieg ist hier im Süden immer noch überall präsent. Nicht nur durch entsprechende Statuen auf öffentlichen Plätzen, Civil war Reenactments am Wochenende oder Gedanktafeln an den Straßen.
Auch unterschwellig, in den Köpfen der Leute, spukt er auch nach fast 150 Jahren noch herum.
Mehr als einmal habe ich statt Bürgerkrieg den Ausdruck "The war of nothern aggression" als Bezeichnung gehört - der Angriffskrieg des Nordens.
Als ich das erstemal durch Double Springs fuhr, fiel mir auf dem Rathausplatz eine Statue auf, die zwei Flaggen zeigte - die Stars and Stripes der United States of America und die Kriegsflagge der ehemaligen Confederate States of America.
Es ist alleine schon ungewöhnlich die Südstaaten-Kriegsflagge an einem offiziellen Denkmal zu sehen - das war lange Zeit weder politisch korrekt, noch hätten es die schwarzen Bürgerrechtsvereine tatenlos hingenommen.
Aber hier flatterten die beiden ehemals feindlichen Flaggen einträchtig an der Skulptur eines Bürgerkriegssoldaten im Wind, was merkwürdig war und meine Neugier weckte.


Was es damit auf sich hatte, wurde auf der Tafel am Sockel des Denkmals erklärt.
Im Bürgerkrieg kämpften nämlich 112 junge Burschen aus Winston County auf Seiten der Südstaaten - und 239 auf der der Nordstaaten. Die Gründe werden leider nicht erklärt.



5. Merkwürdigkeiten und Bemerkenswertes
Amerikas Straßenränder sind der Hort alles Skurrilen, Bizarren und Aussergewöhnlichen. Leider bin ich nicht dazu gekommen, die Elefanten zu fotografieren, die auf Säulen neben der Einfahrt eines Herrenhauses an der 278 zu sehen sind. Oder das Loch mit den Schrottautos. Oder die Friedhof der Wohnmobile ... das steht alles auf der Liste für ein anderes Mal.
Aber auch so hat es schon gereicht - ich habe immerhin den Sommerwohnsitz des Weihnachtsmannes gesehen, einen Jeep als Werbezeichen auf einem Pfahl und den Melonenstand, zu dem man einfach hinfährt, sich nimmt was man will und soviel Geld dort liegen läßt, wie man meint dass es angebracht sei.


6. Alabama the Beautiful
Und dann ist da noch die Schönheit des Landes. Naturbelassene Flüsse, überdachte Holzbrücken, ein Sonnenuntergang über einem Kornfeld mit einem Silo drin ... man muß nur die Augen auf machen und das Land in sein Herz lassen.